Weniger Migräne-Attacken in der Schwangerschaft

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Weniger Migräne-Attacken in der Schwangerschaft

Frauen, die unter Migräne leiden, erleben häufigl während einer Schwangerschaft eine deutliche Linderung der Beschwerden – ein Phänomen, das schon länger bekannt ist und nun gemeinsam von Wissenschaftlern aus Kiel und Rostock genauer unter die Lupe genommen wurde. Im Zentrum des Forschungsinteresses stand für das Team die sogenannte „kortikale Habituation“, wobei es sich um die Fähigkeit des Gehirns handelt, sich immer wiederholende Geräusche (wie z.B. das Ticken des Weckers) schrittweise zu ignorieren, sodass letztendlich keine bewusste Wahrnehmung mehr stattfindet – denn frühere Studien hatten bereits ergeben, dass bei vielen Migränepatienten diese Fähigkeit vermindert ist.

Da viele Frauen von einem Nachlassen der Schmerzen „in anderen Umständen“ berichtet hatten, wollten die Wissenschaftler der Frage nachgehen, ob dieses Phänomen möglicherweise durch eine Normalisierung der kortikalen Habituation in der Schwangerschaft eintritt – und untersuchten hierfür 29 schwangere Frauen, von denen 14 Migränepatientinnen waren sowie 28 Nicht-Schwangere, von denen zum Zeitpunkt der Studie 12 an Migräne litten. Während der Untersuchung sollten sich die Frauen auf Töne konzentrieren, auf die sie zuvor durch einen Warnton vorbereitet wurden – welchen Einfluss dieses Prozedere auf die Hirnaktivität der Probandinnen hatte, wurde parallel dazu von den Forschern mittels EEG (Elektroenzephalografie) aufgezeichnet.

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Nachdem der Versuch bei den schwangeren Frauen erst in der 36. Schwangerschaftswoche und dann noch einmal vier Wochen nach der Entbindung durchgeführt wurde, kamen die Forscher zu einem interessanten Ergebnis: So waren schwangere Migränepatientinnen, für die es zuvor sehr schwierig war, störende bzw. „unwichtige“ Geräusche auszublenden ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft plötzlich problemlos dazu in der Lage und die Hirnaktivität war identisch mit der von gesunden Probandinnen – was sich allerdings beim zweiten Test vier Wochen nach Entbindung wieder geändert hatte, da stattdessen die typischen Migräne-Symptome zurückgekehrt waren. Zurückzuführen sei die temporäre Normalisierung der Hirnaktivität dem Forscherteam nach auf den veränderten Hormonhaushalt während der Schwangerschaft, denn in dieser Phase zeigen sich sehr viel weniger hormonelle Schwankungen als sonst – Ergebnisse, die bei der Suche nach neuen Methoden zur Behandlung der Migräne äußerst wertvoll sein könnten. (sb, 22.01.2010)