Werbelügen der Lebensmittelhersteller

Fabian Peters

Verbraucherorganisation Foodwatch fordert Konsumenten zur Abstimmung über Werbelügen auf

16.05.2011

Die Versprechen, mit denen Lebensmittelhersteller ihr Kunden locken, sind oft an Dreistigkeit kaum zu übertreffen. Daher vergibt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch jährlich den „Golden Windbeutel“, mit dem Verbraucher das Unternehmen, das ihrer Ansicht nach „die dreisteste Werbelüge des Jahres“ verbreitet hat, küren können.

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Die Negativauszeichnung des „Goldenen Windbeutels“ bietet Verbrauchern eine Möglichkeit, Unternehmen mit besonders dreisten Werbeversprechen zu brandmarken und so den Druck auf die Lebensmittelhersteller zu erhöhen, ehrliche Angaben auf ihren Produkten zu machen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch bietet auf der Internetseite noch bis zum 16. Juni die Möglichkeit, zwischen fünf von einer unabhängigen Jury bestimmten Unternehmen mit besonders dreisten Werbelügen auszuwählen. Die Verbraucher haben so die Chance, den Lebensmittelherstellern klar zu machen, dass sie mit deren irreführenden Werbepraktiken nicht einverstanden sind, erklärte die Leiterin der Foodwatch-Kampagne.

Fünf Lebensmittelprodukte stehen aufgrund irreführender Angaben zur Wahl
Für den Negativpreis des „Goldenen Windbeutels“ stehen auf der Internetseite fünf Kandidaten zur Wahl, die mit ihren Produktdeklarationen die Verbraucher besonders auffällig in die Irre geführt haben, erklärte Foodwatch. „Angesichts der alltäglichen Irreführung durch die Lebensmittelindustrie haben die Verbraucher allen Grund, sauer zu sein“, betonte die Leiterin der Foodwatch-Kampagne, Anne Markwardt und ergänzte, dass die Konsumenten nun über die Wahl des „Goldenen Windbeutels“ ihrem Ärger Luft machen können. Dabei zeige jede abgegebene Stimme den Herstellern, dass die eingesetzten Werbepraktiken nicht geduldet werden. Zu den von der Jury vorgeschlagenen Artikeln zählen die „Ferdi Fuchs Mini Würstchen“für Kinder der Firma Stockmeyer, welche als „Der tägliche Beitrag für die gesunde Ernährung“ angepriesen werden, nach Ansicht von Foodwatch jedoch zum Beispiel einen zu hohen Salzgehalt enthalten. Des weiteren steht der Joghurt „Activia“ des Herstellers Danone zur Wahl, da dieser nach Ansicht der Verbraucherorganisation „weder eine Wunderwaffe gegen Verdauungsbeschwerden noch ein Garant für perfektes Darmwohlbefinden“ ist. Danone behauptet jedoch, dass „wissenschaftlich belegt“ sei, „dass Activia bei täglichem Verzehr dazu beitragen kann, eine träge Verdauung zu regulieren und ein aufgeblähtes Gefühl zu reduzieren.“ Für Foodwatch eine Irreführung der Verbraucher, die eine Auszeichnung mit dem „Goldenen Windbeutel“ durchaus rechtfertigen würde.

Gesunde Bonbons und natürliche Gewürzgurken mit Farb- und Aromastoffen?
Ebenfalls zur Wahl stehen die „Nimm2“-Bonbons des Herstellers Storck, da mit enthaltenen Vitaminzusätzen geworben wird, die angepriesenen „wertvollen Vitaminen“ jedoch in der Regel völlig überflüssig sind, erklärte Foodwatch. Den Heranwachsenden werde bei den „Nimm 2“-Bonbons suggeriert, dass sie ihren täglichen Vitaminbedarf auch durch Süßigkeiten decken können anstatt auf Obst oder Gemüse zurückzugreifen, begründete Foodwatch die Nominierung. Ein weiterer Kandidat für den „Goldenen Windbeutel“ ist die „Milch-Schnitte“ von Ferrero. Denn hier werde im Rahmen der Werbung – mit Hilfe von Spitzensportlern als Werbepartnern – ein zu etwa 60 Prozent aus Fett und Zucker bestehendes Lebensmittel als leichte Zwischenmahlzeit angepriesen, kritisierte Foodwatch. Das „Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen“ von Kühne erhielt ebenfalls einen Platz auf der Nominierungsliste der Wahl zum „Goldenen Windbeutel“, da die als handwerkliches Produkt mit jahrhundertealter Tradition und „besten natürlichen Zutaten“ beworbenen Gewürzgurken, laut Foodwatch verschiedene Aromen und einen Farbstoff enthalten.

Konsumverzicht bei dreisten Werbelügen
Für die Verbraucher sind die Produktdeklarationen der Lebensmittelhersteller oft verwirrend und mitunter grenzen die Angaben an mutwillige Täuschung. Dabei sind längst nicht alle Werbelügen so auffällig wie bei den nominierten Artikeln und die Konsumenten fallen viele der kleinen Unwahrheiten vermutlich nicht einmal auf. Mit Aktionen wie der aktuellen Wahl zum „Goldenen Windbeutel“ versuchen Verbraucherorganisation daher immer wieder, das kritische Bewusstsein der Verbraucher zu schärfen und ein Signal in Richtung der Lebensmittelhersteller zu senden, dass die Irreführung nicht länger akzeptiert wird. Der Erfolg ist dabei jedoch meist eher bescheiden und die Hersteller sehen sich nicht dazu veranlasst, ihre Produktdeklarationen und Werbemaßnahmen zu ändern. Allein der Verzicht auf die entsprechenden Artikeln, würde hier ein Handeln der Hersteller zwingend erforderlich machen, da die damit verbundenen Umsatzeinbußen die Lebensmittelproduzenten dort treffen, wo es ihnen besonders wehtut. Ob eine Auszeichnung wie der „Goldenen Windbeutel“ indes ein Umdenken auf Herstellerseite bewirken kann, darf bezweifelt werden. Vielmehr sollte die Negativauszeichnung als Aufruf an die Verbraucher zum Boykott der entsprechenden Produkte verstanden werden, denn am Ende kann nur durch einen Konsumverzicht der Druck auf die Lebensmittelhersteller so erhöht werden, dass diese ihr Verhalten ändern. (fp)