WHO: Mehr als 100.000 Cholera-Fälle im Jemen – Tendenz steigend

Fabian Peters
Cholera-Ausbruch im Jemen hat bereits zahlreiche Todesopfer gefordert
Im Jemen ist eine massive Cholera-Epidemie ausgebrochen. Mehr als 100.000 Menschen haben sich laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits infiziert, fast 800 sind verstorben. Am stärksten gefährdet seien Kindern und ältere Menschen, so die WHO. Gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk UNICEF geht die Weltgesundheitsorganisation vor Ort gegen die Epidemie vor, doch der Trend steigender Infektionszahlen konnte bislang nicht durchbrochen werden.

Insgesamt 101.820 Infektionen und 791 Todesfälle wurden laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation im Rahmen der aktuellen Cholera-Epidemie bereits registriert. Die WHO und UNICEF sind vor allem in den Regionen mit den höchsten Ausbruchszahlen aktiv, um eine Eindämmung der Epidemie zu erreichen. Doch bislang konnte der Cholera-Ausbruch nicht gestoppt werden. Immer mehr Menschen haben sich in den vergangenen Wochen infiziert.

Cholera-Bakterien werden meist über über verunreinigtes Trinkwasser verbeitet. Im Jemen haben sich in den vergangenen Monaten über 100.000 Menschen mit Cholera infiziert (Bild: Ezume Images/fotolia.com)

Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser
Den Cholera-Ausbruch im Jemen unter Kontrolle zu bringen, wird nach Einschätzung der WHO keine einfache Aufgabe. Das Gesundheitssystem des Landes sei im Zuge der gewalttätigen Konflikte in den letzten Jahren nahezu weitreichend zerstört worden. Weniger als die Hälfte der Gesundheitszentren des Landes sei noch voll funktionsfähig. Runden 14,5 Millionen Menschen sind von regelmäßigem Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen abgeschnitten, berichtet die WHO. Die Beschäftigten im Gesundheitssystem hätten mehr als acht Monaten keine Gehälter erhalten.

Kinder besonders gefährdet
Insbesondere für Kinder hat die aktuelle Cholera-Epidemie fatale Folgen. „Der Ausbruch macht eine schlechte Situation für Kinder drastisch schlechter. Viele der Kinder, die an der Krankheit gestorben sind, waren auch akut unterernährt“, so Dr.. Meritxell Relano, UNICEF-Repräsentant im Jemen. Heute sei das Leben für Kinder im Jemen mit Cholera, Unterernährung und der unerbittlichen Gewalt des Bürgerkrieges eher ein verzweifelter Kampf ums Überleben. 46 Prozent der aktuell registrierten Cholera-Infektionen betreffen laut Angaben der WHO Heranwachsende im Alter unter 15 Jahren.

Hilfe vor Ort
UNICEF und die WHO haben gemeinsam mit Partnern vor Ort bereits umfassende Maßnahmen ergriffen wie zum Beispiel die Desinfektion von Trinkwasser, die Wiederherstellung von Wasseraufbereitungsanlagen und Wasserversorgungssystemen und die Einrichtung spezieller Behandlungszentren im ganzen Land für die medizinische Versorgung. „All dies geschieht zusammen mit der Vermittlung eines Hygiene-Bewusstseins für die betroffenen Bevölkerungsgruppen“, so die Mitteilung der WHO.

Weiter Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie erforderlich
Zwar seien schon viele Fördergelder geflossen, doch brauche es weitere Investitionsmittel, insbesondere für Wasser- und Sanitäreinrichtungen, mahnt die WHO. Das wichtigste sei jedoch eine erhöhte Anzahl von Partnern, die sich vor Ort engagieren – auch in Regionen mit schlechtem Zugang (wegen der Bürgerkriegskonflikte). Die Eindämmung der aktuellen Cholera-Epidemie ist daher keinesfalls leicht umzusetzen. (fp)