Wie Alkoholsucht: Red Bull zerstörte die Leber einer jungen Patientin

Die Zuckermengen wirken wie eine Droge (Focus Pocus LTD/fotolia.com)
Dr. Utz Anhalt
Die Britin Mary Allwood kam November 2015 in das Krankenhaus. Ihre Leber hatte sich nämlich massiv vergrößert. Das ist typisch für Alkoholiker, und so dachten die Ärzte auch zuerst an Alkoholismus.

Zu viel Red Bull
Mary trank zwar wirklich zu viel, aber keinen Alkohol. Sie schüttete jeden Tag 20 Dosen Red Bull in sich hinein. Diese Energydrinks tragen in Deutschland einen Warnhinweis – wegen ihrem hohen Gehalt an Koffein und Zucker.

Die Zuckermengen wirken wie eine Droge (Focus Pocus LTD/fotolia.com)
Die Zuckermengen wirken wie eine Droge (Focus Pocus LTD/fotolia.com)

Red Bull greift die Leber an
Die Ärzte waren sich einig: Die Energydrinks hatten die Leber so stark angegriffen wie sonst Alkohol.

Wirkung wie Drogen
Marys 20 Dosen der Energy-Drinks pro Tag enthalten 550 Gramm Zucker. Kaffee ist gesünder, als die meisten Menschen glauben, doch Mary verbrauchte jeden Tag das Koffein von 16 Tassen – viel zu viel. Mit 22 trank Mary das erste Mal Red Bull und verstärkte täglich die Dosis.

Zuckersucht
Belegt ist durch eine aktuelle Studie: Zuckersucht vergleichbar in der Wirkung wie Drogensucht.

Die heute 26jährige sagt selbst, sie sei abhängig gewesen. Wie bei anderer Drogensucht litt sie unter Entzugserscheinungen. Wenn sie sich kein Red Bull zuführte, war sie „unglücklich und mürrisch“, so die Betroffene.

„Mein Heroin“
„Ich brauchte den Geschmack, dieses Prickeln. Es war mein Heroin. Ohne es fühlte ich mich schrecklich“, sagt Mary.

Herz- und Leberbeschwerden
Mit 23 schlug ihr Herz unregelmäßig, die extreme Menge an Zucker beschädigte die Leber: Sie wuchs um mehr als das doppelte und vernarbte. Erst, als sie die Schmerzen nicht mehr aushielt, ging Mary in die Klinik.

Entzug
Januar 2016 startete die junge Frau ihren Entzug. Sie zitterte und ihre Stimmung schwankte. Doch Mary hielt durch, und seit sie clean ist, regenerierte sich ihre Leber.

Verbot für Minderjährige?
Heute fordert Mary, Red Bull wie Alkohol und Zigaretten nicht an Minderjährige zu verkaufen. Die Organisation Foodwatch fordert ebenfalls eine Altersbeschränkung und Lettland führte bereits ein Verkaufsverbot für Minderjährige ein.

Bekanntes Problem
Der Schaden durch Energydrinks ist seit Jahren bekannt. So zog 2012 in den USA eine Mutter vor Gericht, weil ihre 14 Jahre alte Tocher an Herzversagen starb. Der Grund: Größere Mengen des Energy-Drinkes „Monster Energy“ mit 240 mg Koffein pro Dose. Unklar blieb allerdings, ob das Mädchen schon vorher unter einem schwachen Herz litt.

Schwere Zwischenfälle
Die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA erklärte bereits 2012, dass sehr häufig junge Menschen in die Notaufnahme der Krankenhäuser kämen, nachdem sie Energy-Drinks zu sich genommen hätten. Zahlreiche Todesfälle hätten mit dem Konsum der Zucker-Koffein-Drinks zu tun.

Verbraucherschützer warnen seit langem
Die Verbraucherzentrale Hamburg forderte bereits 2012 ein Verkaufsverbot koffeinhaltiger Energy-Drinks für Kinder und Jugendliche.

Diese Getränke hätten drei mal so viel Koffein wie Cola und seien deshalb für Kinder nicht geeignet. (Dr. Utz Anhalt)

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