Wie entsteht eine Arthrose und was hilft Betroffenen wirklich?

Eine Arthrose kann theoretisch in sämtlichen Gelenken auftreten und erhebliche Schmerzen verursachen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Alfred Domke
Warum man Arthrose bekommt und was dagegen hilft
Rund fünf Millionen Deutsche leiden an Arthrose. Die Schmerzen, die sich durch den Gelenkverschleiß einstellen, sind oft kaum auszuhalten. Betroffene greifen dann häufig zu Schmerzmitteln und schonen sich. Gesundheitsexperten raten bei Arthrose jedoch zu Bewegung.

Fünf Millionen Bundesbürger haben Arthrose
Der Deutschen Arthrose-Hilfe in Frankfurt am Main zufolge ist Arthrose die häufigste Gelenkerkrankung. Betroffen sind meist Hände, Knie und Hüfte. Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland haben Arthrose. Einer von ihnen ist Werner Dau. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa wird berichtet, dass ihn bereits vor 15 Jahren stechende Schmerzen in der linken Schulter plagten, bald konnte er sich kaum noch bewegen. „Es tat weh, wenn ich mich nicht bewegte und noch mehr, wenn ich mich bewegte.“ Er erhielt die Diagnose Arthrose und kämpfte mit Wärme und Medikamenten gegen die akuten Schmerzen. Das Schulterstechen ist zwar immer noch da, „es ist aber auszuhalten“, sagte der mittlerweile 66-Jährige. Allerdings hat er mittlerweile auch Arthrose in der rechten Hüfte und im Knie.

Eine Arthrose kann theoretisch in sämtlichen Gelenken auftreten und erhebliche Schmerzen verursachen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Eine Arthrose kann theoretisch in sämtlichen Gelenken auftreten und erhebliche Schmerzen verursachen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Gelenkknorpel als Stoßdämpfer
Die Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga in Bonn, Prof. Erika Gromnica-Ihle, erläuterte in der dpa-Meldung, dass die Gelenke, dort wo Knochenenden aufeinanderstoßen, so etwas wie Stoßdämpfer sind. Genauer gesagt ist vielmehr der Gelenkknorpel – ein glatter und elastischer Überzug, der die Gelenke schützt – der Stoßdämpfer. So sorgen die Gelenke dafür, dass wir uns bewegen können, und sie puffern plötzliche und heftige Bewegungen ab. Der Knorpel wird von der Gelenkflüssigkeit „ernährt“, die die Gelenkinnenhaut produziert. Und zwar insbesondere dann, wenn sich der Mensch bewegt. Verletzt werden kann der Knorpel beispielsweise durch einen Unfall oder beim Sport. Und zwar vor allem bei Sportarten, wie Fußball oder Handball, bei denen ruckartige Bewegungen oder Zusammenstöße üblich sind. Weitere Ursachen sind Fehl- und Überbelastung der Gelenke. Übergewicht oder eine falsche Haltung oder Deformationen wie etwa X- oder O-Beine können die Gelenke ebenfalls strapazieren.

Wenn sich der Knochen verändert
Auch mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Arthrose. „Die Zellen im Knorpel verlieren im Laufe des Lebens ihre Funktion, neues, gutes Knorpelgewebe zu bilden“, so Gromnica-Ihle. Allerdings ist nicht jeder, der unter Knorpelverschleiß leidet, im fortgeschrittenen Alter – Arthrose kann auch genetische Ursachen haben. „Es lösen sich kleine Knorpelteile“, erklärte Prof. Andreas Imhoff von der Deutschen Arthrose-Hilfe in der Agenturmeldung. Experten sprechen aber erst dann von Arthrose, wenn sich auch der Knochen verändert.

Schmerzen nach einer Ruhepause
Der Knochen unter dem erkrankten Knorpel verdichtet sich. Im Verlauf einer Arthrose nutzt sich der Knorpel immer stärker ab, bis schließlich im späteren Stadium Knochen direkt auf Knochen reibt. Durch abgelöste Knorpelteilchen kann die Gelenkinnenhaut gereizt werden, produziert mehr Gelenkflüssigkeit, und schon bald bildet sich ein Erguss. Das Gelenk wird warm und dick und der Patient spürt einen Entzündungsschmerz. Für Betroffene macht sich Arthrose unter anderem dadurch bemerkbar, dass sie nach einer Ruhephase, etwa nach längerem Sitzen, bei einer Bewegung einen Schmerz spüren oder sich steif fühlen. „Nach ein paar Minuten Bewegung geht es wieder“, sagte Gromnica-Ihle.

Schon bei ersten Symptomen zum Arzt
Schon bei diesen ersten Symptomen ist es zu empfehlen, sich vom Hausarzt oder Orthopäden untersuchen zu lassen, der im Röntgenbild meist schon die Verkleinerung des Gelenkspalts, die Verdichtung des Knochens und knöcherne Zacken an den Rändern der Gelenke – so genannte Osteophyten – und gegebenenfalls die Deformierung des Gelenks sehen kann. Mehr Klarheit verschafft eine Kernspintomographie oder eine Arthroskopie, eine Spiegelung des Gelenks, bei der der Chirurg eine Minikamera in das Gelenk einführt, um den Schaden zu prüfen und gegebenenfalls gleich zu behandeln.

Im akuten Fall Schmerzen lindern
Im akuten Fall geht es in erster Linie darum, die Beschwerden zu lindern. Zum Beispiel mit Schmerzmedikamenten oder Wärme- beziehungsweise Kälteanwendungen sowie Entlastung, wie es in der Meldung der dpa heißt. Aber auch Naturheilkunde lindert Arthrose-Schmerzen und Steifigkeit. Zu nennen sind hier unter anderem Teufelskralle und Brennesselextrakt. Zudem gibt es einiges, was die chinesische Medizin leisten kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ernährung. Man sollte bei Arthrose kein Fleisch und wenig Käse essen. Dies wird oft auch von deutschen Ernährungsexperten empfohlen.

Die „drei großen B“ helfen
Wie es in der dpa-Meldung heißt, kann das Einsetzen einer Gelenkprothese infrage kommen, wenn das Gelenk stark beschädigt ist und die Schmerzen immer wieder schlimm sind. „Der richtige Zeitpunkt für eine Operation ist dann, wenn der Patient befindet, dass er die Schmerzen nicht mehr aushalten kann“, erläuterte Gromnica-Ihle. „Aber man sollte vorher immer eine zweite Meinung einholen und auch nicht nur mit Ärzten sprechen, sondern mit anderen Betroffenen.“ Der eingangs erwähnte Werner Dau setzt zur Linderung der Schmerzen auf die „drei großen B“, wie er erklärte: „Bewegung, Bewegung, Bewegung.“ Zwar helfen gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking oder Wandern vielen Betroffenen, doch nicht jeder Sport ist für alle Arten von Arthrose geeignet. Patienten sollten daher am besten mit ihrem Arzt oder einem Physiotherapeuten darüber sprechen. Gromnica-Ihle betonte, dass das Fortschreiten der Arthrose bislang nicht beeinflusst werden kann, sondern nur die Schmerzen behandelt werden können. Dennoch können Betroffene zumindest einiges zur Linderung beitragen. Werner Dau verriet sein ganz eigenes Mittel: „Mir hilft es, wenn ich ein warmes Bad nehme.“ (ad)

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