Wie lässt sich ein kognitiver Abbau vermeiden?

Alexander Stindt
Forscher untersuchen Möglichkeiten zur Reduzierung eines kognitiven Abbaus
Wissenschaftler fanden in einer aktuellen Untersuchung heraus, dass drei verschiedene Formen der Intervention dazu beitragen können, bei Betroffenen den sogenannten kognitiven Rückgang zu verhindern. So können beispielsweise die negativen kognitiven Auswirkungen einer Demenz-Erkrankung reduziert werden.

Die Wissenschaftler der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass spezielle Interventionen einen kognitiven Rückgang verhindern können. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Bei einer Demenz-Erkrankung erleiden Betroffene einen Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten. Mediziner haben jetzt Möglichkeit untersucht, mit denen Menschen einen solchen Rückgang ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit vermeiden oder verlangsamen können. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Können diese drei Maßnahmen den kognitiven Rückgang verlangsamen?
Kognitives Training, eine Erhöhung der körperlichen Aktivität und die Kontrolle des Blutdrucks sind fruchtbare Maßnahmen zur Verringerung des kognitiven Abbaus, erklären die Autoren. Die Belege für die positven Effekte dieser drei Interventionen seien zwar ermutigend, aber noch nicht ausreichend, um eine öffentliche Kampagne zu rechtfertigen. Zusätzliche klinische Studien seien jetzt erforderlich, erklären die Experten.

Menschen können durch Änderungen des Lebensstils ihren kognitiven Rückgang beeinflussen
Die Öffentlichkeit sollte leichten Zugang zu diesen Interventionsmöglichkeiten haben und über deren positive Auswirkungen informiert werden, fordern die Wissenschaftler. So können Menschen Entscheidungen über ihren Lebensstil treffen, um die Gesundheit des Gehirns auch im Alter aufrecht zu erhalten, erklären die Forscher. Bereits im Jahr 2015 hatte das National Institute on Aging (NIA) eine systematische Überprüfung durchgeführt. Dafür wurden verschiedene randomisierte kontrollierte Studien analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass drei Maßnahmen besonders effektiv bei der Verringerung des kognitiven Abbaus sind.

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Was sind die verschiedenen Maßnahmen und was bewirken sie genau?
Kognitives Training umfasst beispielsweise Trainingsprogramme für Logik, Problemlösungskompetenz, Argumentation und Gedächtnis. Solche Trainingsmodule helfen dabei, den altersbedingten kognitiven Abbau und die Geschwindigkeit der Entwicklung von Demenz zu verlangsamen, erklären die Forscher. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontrolle des Blutdrucks bei Menschen mit einem erhöhten Blutdruck beziehungsweise Bluthochdruck, erläutern die Autoren weiter. Dies könne dazu beitragen, dass der Fortschritt von Demenz verlangsamt wird. Die dritte Intervention ist eine erhöhte körperliche Aktivität, welche zu verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen führen kann. Zu diesen gehört beispielsweise auch die Verzögerung des altersbedingten kognitiven Rückgangs.

Die genannten Interventionen schützen auch vor Herzinfarkten und Schlaganfällen
Kognitives Training scheint nur zu einer kurzfristigen Verlangsamung des kognitiven Rückgangs zu führen, fanden Mediziner in den vergangenen Studien heraus. Es gab aber auch eine Untersuchung, welche zu dem Ergebnis kam, dass die Vorteile durchaus langfristig sind. Die Kontrolle des Blutdrucks schützt ihrerseits vor Herz-Kreislauf-Ereignissen wie beispielsweise Herzinfarkten und Schlaganfällen, sagen die Forscher. Körperliche Aktivität kann gleich zu mehreren Vorteilen führen, wie beispielsweise der Prävention von Schlaganfällen und dem Schutz der Gesundheit des menschlichen Gehirns.

Weitere Forschung ist nötig
Weitere Untersuchungen sollen jetzt die tatsächliche Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen. Personen mit dem größten Risiko für einen möglichen kognitiven Rückgang sollten die Teilnehmer bei diesen Studien sein, erklären die Autoren. Außerdem seien auch bisher in den Studien unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen in die Untersuchungen zu integrieren. Es sollten zudem Langzeitinterventionen entworfen und überprüft werden, welche bereits in einem jungen Alter beginnen, sagen die Forscher. So könnten Wissenschaftler auch ihr Wissen über die Verhinderung oder Verlangsamung eines kognitiven Rückgangs vertiefen. (as)