Wiederholter Stress kann zu einer Alterung des Gehirns von vier Jahren führen

Alexander Stindt
Bestimmte Stresssituationen im Leben bewirken eine massive Alterung des Gehirns
Stress ist generell schlecht für die menschliche Gesundheit. Forscher fanden nun heraus, dass stressige Ereignisse im Leben zu einer Alterung des Gehirns führen können. Beispielsweise bewirken Faktoren, wie der Tod eines Kindes, dass das Gehirn der Angehörigen um mindestens vier Jahre altert.

Die Wissenschaftler der University of Wisconsin School of Medicine stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Stress zu einer massiven Alterung des menschlichen Gehirns führen kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie bei der Alzheimer Association International Conference in London.

Jeder Mensch muss in seinem Leben unangenehme und sehr stressige Situationen durchstehen. Solch extremer Stress, wie beispielsweise der Tod eines geliebten Angehörigen, kann die Wahrscheinlichkeit im weiteren Leben an Demenz zu erkranken stark erhöhen. (Bild: bramgino/fotolia.com)

Forscher untersuchen 1.300 Probanden für ihre Studie
Für ihre Arbeit untersuchten die Mediziner die Leistung von 1.300 Probanden bei verschiedenen Erinnerungs- und Denktests. Die Teilnehmer waren alle zwischen 50 und 60 Jahren alt. Durch die Tests sollte die Gesundheit des Gehirns der Probanden gemessen werden. Die Studie berücksichtigte nicht das Risiko von Demenz und es gibt außerdem noch viele verschiedene Faktoren, die eine große Rolle spielen könnten, mutmaßen die Wissenschaftler.

Entzündungen könnten die Entwicklung von Demenz beeinflussen
Obwohl die Forschung keinen direkten Zusammenhang zwischen Stress und einem erhöhten Risiko für Demenz belegen konnte, sind bestimmte Auswirkungen auf die Gehirnfunktion bekannt, welche längerfristig zu Demenz führen könnten, erläutern die Experten. Die Theorie besagt, dass Stress zu Entzündungen führt, welche die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Demenz erhöhen können.

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Wodurch entsteht häufig Stress?
Stressige Erfahrungen in allen Gruppen der Probanden beinhalteten Bildungsschwierigkeiten, finanzielle Unsicherheit, ernsthafte Gesundheitsprobleme und psychologische Traumata, erklären die Mediziner. Afroamerikaner haben laut Aussage der Forscher in ihrem Leben eine erhöhte Gefahr unter den Auswirkungen von Stress zu leiden. Die Betroffenen zeigten schlechtere Ergebnisse bei Gedächtnistests und neigten dazu, in einer ärmeren Nachbarschaft zu leben, sagen die Wissenschaftler.

Stress im frühen Leben wirkt sich auf das Risiko für Demenz aus
Die Ergebnisse von anderen auf der Konferenz präsentierten Studien zeigten, dass Stress im frühen Leben und der Wohnort ebenfalls Faktoren dafür sind, ob ein Individuum ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Demenz aufweist.

Benachteiligte Menschen müssen besser unterstützt werden
Das Studium der Rolle des Stresses war äußerst komplex, erläutern die Wissenschaftler. Es sei für ein Individuum sehr schwer, sich von Bedingungen wie Angst und Depression loszusagen und diese Faktoren scheinen sich ebenfalls auf das Risiko für Demenz auszuwirken. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass mehr getan werden muss, um Menschen aus benachteiligten Gemeinschaften besser zu unterstützen, betonen die Forscher. Diese Menschen haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, im Leben stressige Ereignisse zu erleben, fügen die Mediziner hinzu.

Im Alter steigt Demenz-Risiko immer weiter an
Alleine in Großbritannien gibt es derzeit etwa 850.000 Menschen mit Demenz. Dieses Risiko betrifft vor allem Menschen im Alter über 65 Jahren. In diesem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung der Krankheit stark an, erklären die Experten. Lediglich 42.000 Menschen mit Demenz in Großbritannien sind allerdings jünger als 65 Jahre.

Das Gehirn ist unglaublich kompliziert und schwer zu verstehen und es gibt Hinweise dafür, dass Ereignisse und Erfahrungen im Laufe des Lebens das Gehirn noch Jahrzehnte später beeinflussen können, so das Fazit der Autoren. (as)