Schwere Nebenwirkungen von Schmerzmitteln

Astrid Goldmayer

Wirkung und Risiko von Schmerzmitteln

05.03.2014

ASS (Aspirin), Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac ist in fast jedem Haushalt in Deutschland zu finden. Schätzungen zufolge schlucken 3,8 Millionen Bundesbürger jährlich Schmerzmittel und ersparen sich damit so manchen Gang zum Arzt. Experten warnen jedoch davor, die schmerzstillenden Pillen wie „Lutschbonbons“ anzuwenden. Viele Präparate können schwere Nebenwirkungen wie Magenblutungen, Atmungsstörungen und sogar einen Herzinfarkt verursachen.

Statt gleich Schmerzmittel zunehmen, erst zum Arzt gehen
„Auch einfache Schmerzmittel sollte man nie ohne ärztlichen Rat nehmen. Es ist weit sinnvoller, erst eine exakte Diagnose zu haben", erläutert Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Viele Menschen nehmen Schmerzmittel viel zu häufig ein und sind sich über mögliche Nebenwirkungen und Folgen nicht im Klaren. „Ist doch nur Aspirin“, hören Ärzte allzu oft. Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rät dazu, rezeptfreie Schmerzmittel maximal an drei aufeinander folgenden Tagen einzunehmen. Die Anwendung solle zudem nicht häufiger als zehnmal im Monat erfolgen.

„Im Großen und Ganzen gehen die Deutschen mit Schmerzmitteln verantwortungsvoll um", berichtet Professor Kay Brune von der Deutschen Schmerzgesellschaft gegenüber der Nachrichtenagentur. „Trotzdem gibt es Missbrauch." Am häufigsten werden Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung eingenommen. In diese Gruppe fallen Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Diclofenac und Ibuprophen. Diese Arzneimittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und werden deshalb von Laien fälschlicherweise schnell als „harmlos“ eingestuft. Entzündungshemmende Schmerzmittel verhindern die Bildung von Schmerzbotenstoffen, wirken Entzündungen entgegen und senken zudem Fieber. „Entzündungshemmer werden am häufigsten genommen, haben aber eine Menge Komplikationen", betont Müller-Schwefe. „Dass sie frei verkäuflich sind, macht sie nicht zu harmlosen Medikamenten.“ So kann die Einnahme das Risiko für Magenblutungen und Herzinfarkte erhöhen.

Risiko für schädigende Wirkung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln steigt mit dem Alter
„Die genannten Entzündungshemmer unterdrücken das Warnsymptom Schmerz und behindern die Heilung", ergänzt Brune. Die Mittel würden sogenannte Prostaglandine, körpereigene Schutzhormone, hemmen. „Die sind dazu da, zum Beispiel den Magen-Darm-Trakt, die Niere und das Herzkreislaufsystem zu schützen." Müller-Schwefe betont zudem: „Solche Medikamente verändern den Körper nachhaltig. Man muss keine Panik machen, aber das sind keine Lutschbonbons."

Generell hänge die schädigende Wirkung aber stark vom Alter des Patienten, der Therapieform und der Dosierung des Schmerzmittels ab, berichtet Brune. So seien gesunde, junge Menschen weniger gefährdet, wenn sie ab und zu eine Schmerztablette schluckten. Das Risiko steigt jedoch mit zunehmendem Alter. „Leider sind es die Älteren, die ihr tägliches Schmerzmittel brauchen, um mit den täglichen Herausforderungen fertig zu werden."

Paracetamol schädigt die Leber
Paracetamol wirkt nur im zentralen Nervensysten und nicht wie ASS, Diclofenac oder Iboprofen in den entzündlichen Bereichen. Insbesondere Paracetamol steht aber seit einiger Zeit häufig in der Kritik. So sagte Brune in einem Interview aus dem Jahr 2012, dass ein Mittel wie Paracetamol heute nicht mehr zugelassen würde. Schädigungen der Leber könnten bereits ab einer Tagesdosis von vier Gramm auftreten. Bei Paracetamol handele es sich um ein Medikament, dass bereits bei geringer Überdosierung tödlich wirken kann, so Brune gegenüber dem Magazin. Es sei keiner schöner Tod, da er sich über mehrere Tage hinziehe. Der Medikamenten-Experte plädierte dafür, das Mittel vom Markt zu nehmen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur berichtet Brune, dass der Wirkstoff häufig in Kombinationspräparaten enthalten sei und somit die Dosierung für Patienten und Ärzte schwierig sei. „Daher kann es leicht zu Überdosierungen kommen." Da Paracetamol giftig auf die Leber wirkt, sollten Patienten mit Leberschäden auf ein anderen Wirkstoff zurückgreifen. Auch bei starkem Untergewicht oder chronischen Muskelerkrankungen sollte auf das Mittel verzichtet werden.

Zudem sei erst in den letzten Jahren herausgefunden worden, dass Paracetamol ebenso wie Ibuprofen oder Diclofenac eine Hemmung der Schutzhormone bewirke und somit auch die Probleme der sogenannten Prostaglandin-Synthesehemmer aufweise, so Brune..

Opiate werden als Schmerzmittel bei chronischen Schmerzen verschrieben
Andere Schmerzmittel docken im gesamten Körper – im Nervensystem, der Peripherie, an entzündetem Gewebe, im Rückenmark und im Gehirn – an die Opiatrezeptoren an. Diese Art der Schmerzmittel ist rezeptpflichtig. Meist ist ein Spezialrezept erforderlich. Im Normalfall verschreiben Ärzte die Opiate nur bei chronischen Schmerzen beispielsweise nach schweren Unfällen oder durch Krebs. Brune berichtet, dass die Schmerzmittel aber auch verordnet würden, wenn bei rheumatischen Leiden keine andere Therapie ausreichend Linderung verschaffe. Die Wirkstoffe, die in diesen Mitteln enthalten sind, leiten sich von Morphin ab. „Sie weisen eigene Probleme auf und sind zu Recht nur auf Rezept, meist auf Spezialrezepten, zu erhalten. Ihr Suchtpotenzial ist groß", so Brune. Die Opiate können Gewichtsverlust, Übelkeit, Atmungsstörungen und viele weitere gesundheitliche Probleme verursachen.

Weitere Arten von Schmerzmitteln sind Antiepileptika und Koanalgetika. Antiepileptika werden bei Nervenverletzungen, Infektionen und Stoffwechselstörungen eingesetzt, berichtet Müller-Schwefe. Sie wirken stabilisierend auf die Membran der Nervenzellen. Diese Schmerzmittel verschreiben Ärzte, wenn Nerven Schmerzinformationen senden, obwohl tatsächlich keine Schädigung vorhanden ist.

Schmerzstillende Koanalgetika sind im eigentlichen Sinn keine Schmerzmittel. „Sie wirken an den Natriumionenkanälen und sind in der Lage, die Muskulatur zu entspannen", erklärt der Experte. Antidepressiva gehören beispielsweise dazu. (ag)

Bild: Sara Hegewald / pixelio.de