Zahl der Rotavirus-Infektionen stark steigend

Alfred Domke

Immer mehr gefährliche Rotavirus-Infektionen

Die Infektionen mit dem Rotavirus haben stark zugenommen. Die beim Robert-Koch-Institut registrierten Fallzahlen stiegen in der vergangenen Saison von zuvor 24.000 auf 37.420 Erkrankungen. Die Gründe für den Anstieg seien unklar.

Häufigste Ursache für Magen-Darm-Erkrankungen bei Kleinkindern

Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Portal „infektionsschutz.de“ erklärt, sind Rotaviren „eine der häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Erkrankungen bei Kleinkindern“. Laut den Experten sind sie „hoch ansteckend, deshalb haben fast alle Kinder bis zum Alter von 5 Jahren bereits eine Infektion durchgemacht“. Man kann sich aber im Laufe seines Lebens mehrfach anstecken. Gesundheitsexperten zufolge hat die Zahl der Rotavirus-Infektionen in Deutschland im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich zugenommen.

Die Zahl der Rotavirus-Infektionen in Deutschland ist stark gestiegen. Die hochansteckenden Krankheitserreger können vor allem für Kleinkinder gefährlich werden. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Infektionen mit dem Rotavirus haben bundesweit zugenommen

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte, haben die Infektionen mit dem Rotavirus in Deutschland stark zugenommen.

In der vergangenen Saison 2016/2017 gab es demnach 37.420 Erkrankungen. Im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor waren es nur 24.000 Erkrankungen.

Die Fälle werden jeweils in einem Zeitraum von Oktober bis September erfasst.

Auch in Niedersachsen haben solche Infektionen enorm zugenommen, von 1.600 auf 2.800 Fälle.

Gründe für den Anstieg sind unklar

Laut RKI seien die Gründe für den Anstieg unklar. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr teilweise extrem.

So gab es beispielsweise in Niedersachsen in der Saison 2007/2008 rund 6.600 Rotavirus-Erkrankungen.

Doch man kann sich davor schützen.

Erkrankung kann vor allem für Kleinkinder gefährlich werden

„Rotaviren verursachen Durchfall, Erbrechen und Fieber. Das kann vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden, weil sie sehr schnell viel Flüssigkeit verlieren“, erklärte Thomas Wortmann, Landesgeschäftsführer der Krankenkasse Barmer für Schleswig-Holstein in einer Mitteilung.

„Wenn der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen werden kann, kann der Zustand mitunter lebensbedrohlich werden“, heißt es auf „infektionsschutz.de“.

„Häufige Begleiterscheinungen sind auch Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen“, so Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen.

Hochansteckend und extrem widerstandsfähig

„Rotaviren kommen im Magen-Darm-Trakt von Erkrankten vor und werden fäkal-oral vor allem durch Schmierinfektion, aber auch durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel übertragen“, schreibt das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) auf seiner Webseite.

Die Viren sind hochansteckend und extrem widerstandsfähig. Außerhalb des Körpers können die Krankheitserreger mehrere Tage überleben. Schon wenige Viruspartikel genügen, um eine Infektion auszulösen.

Infizierte scheiden die Krankheitserreger etwa eine Woche lang aus, über die Toilette oder Windeln gelangen sie an die Hände von Erwachsenen oder anderen Kindern, von dort an Türgriffe, auf Wickeltische oder Spielzeug.

„Das setzt eine lehrbuchhafte Ansteckungsspirale in Gang. Handhygiene ist also enorm wichtig“, sagte Wortmann.

Frühzeitige Schluckimpfung für Babys

Bei größeren Kindern und Erwachsenen nimmt die Erkrankung in der Regel keinen so schweren Verlauf, weil das Immunsystem schon mehrfach mit den Erregern konfrontiert wurde und dementsprechend trainiert ist.

Anders bei Säuglingen und Kleinkindern: Gut die Hälfte der an Rotaviren Erkrankten muss im Krankenhaus behandelt werden.

Die Ständige Impfkommission und andere Gesundheitsexperten raten daher zur Schluckimpfung gegen das Rotavirus, die aus zwei bis drei Impfungen besteht.

„Schon im Alter von sechs bis zwölf Wochen sollte bei Babys mit der Schluckimpfung gegen Rotaviren begonnen werden. Dann sind sie etwa zwei bis drei Jahre geschützt, also genau für die Zeit, in der eine Infektion besonders schwer verlaufen kann“, erklärte Wortmann. (ad)