Balkon-Sumpfbeet und Mini-Teich: Planung, Anleitung und Tipps

Dr. Utz Anhalt
Balkon-Sumpfbeet anlegen: So gehts!
Naturschutz beginnt vor der Haustür, und viele träumen von einem Gartenteich, haben aber nur einen Balkon oder eine Terrasse. Sumpfbeete und Miniteiche bieten hier eine Alternative für den kleinen Platz. Zur Not reicht ein Quadratmeter, eine Mörtelwanne, Wasser und Pflanzen.

Der ökologische Nutzen

Heimische Sumpfpflanzen wie Blutweiderich oder Uferzonenpflanzen wie Mädesüß sind ausgezeichnete Bienenweiden; bestimmte Wildbienen sind sogar auf Blutweiderich spezialisiert. Aber auch Schmetterlinge und viele andere Insekten steuern die Blüten als Nahrungsquelle an. Insekten und Vögel nutzen die Wasserfläche als Tränke, an flachen Stellen baden die Vögel.

Der Blutweiderich ist eine ideale Pflanze für das Sumpfbeet auf dem Balkon, da er als wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten dient. (Bild: hjschneider/fotolia.com)

Mörtelwanne oder Weinfass

Sie können ein Sumpfbeet aufwändig mit Teichfolie anlegen, sofern Sie genug Erdreich dazu haben. Hier geht es jedoch um einfache, aber praktische Varianten. Sie nehmen ein Weinfaß, einen alten Holzbottich, eine ausrangierte Bade-, Wäsche- oder Mörtelwanne. Das Aussehen ist Geschmackssache. Oft findet sich ein solches Utensil bei den Großeltern, auf dem Dachboden oder Flohmarkt.

Haben Sie ein solches Trödelstück nicht zur Hand, ist eine Mörtelwanne optimal. Diese gibt es in rund oder eckig, und sie heißen auch Mörtelkästen. Die Größen betragen zwischen circa 45 und 200 Liter Fassungsvermögen – mindestens 90 Liter sollte der Teich auf dem Balkon oder der Terasse schon haben.

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Graben Sie die Wanne in die Erde ein

Falls Sie einige Quadratmeter Boden zur Verfügung haben, sei es in einem Hof oder Vorgarten, dann graben Sie ein Loch, das etwas größer ist als die Wanne, legen die Wanne hinein und stopfen die „Luftlöcher“ an den vier Wänden mit Erde aus. Die übrig gebliebene Erde nutzen Sie als „Uferwall“. Eine circa 5 cm hohe Schicht der Erde schaufeln Sie auf den Boden der Wanne.

Wenn Sie Unterwasserpflanzen ziehen wollen, dann reicht diese Erdschicht. Wollen Sie, dass sich Sumpfpflanzen im Boden verankern? Dann empfehlen sich Pflanzkörbe, die Sie mit mehreren Kilogramm Flusskies beschweren, damit Sie nicht an der Oberfläche treiben.

Dann können Sie diese mit Schieferplatten, Natursteinen, Rindenstücken oder Astschnitt am Ufer befestigen. Legen Sie diese versetzt über die Ecken, dann sieht alles natürlicher aus.

Jetzt füllen Sie die Wanne mit Wasser auf. Wenn Sie eine Regentonne haben, und das Wasser darin nicht fault, dann nutzen Sie das Regenwasser.

Je nach Geschmack und zur Verfügung stehendem Platz, eignet sich zum Beispiel eine alte Badewanne oder Zinkwanne gut für einen Miniteich. (Bild: Nico/fotolia.com)

Bepflanzung

Für die Bepflanzung im Inneren des „Miniteichs“ gilt: Weniger ist mehr. Es sieht zwar anfangs kahl aus, und viele möchten ihren Haussumpf sofort als Dschungel mit Frosch sehen, doch die Pflanzen wuchern schneller, als sich die meisten denken: Eine einzige Sumpfschwertlilie füllt in zwei Jahren locker die gesamte Wanne so aus, dass kein Wasser mehr zu sehen ist.

Natürliche Atmosphäre

Mögliche Pflanzen sind: Sumpfdotterblume, der knallrot blühende Blutweiderich, Mädesüß, Eidechsenschwanz, Sumpfschwertlilien oder Froschlöffel. Um den künstlichen Charakter zu überdecken, können Sie um die Wanne herum Gartenpflanzen ansiedeln: Schnittlauch, Storchenschnabel oder Frauenmantel eignen sich sehr, im Schatten oder Halbschatten besonders diverse Farnarten. Wenn Sie Gräser pflanzen, achten Sie darauf, dass diese horstig wachsen, ansonsten wachsen Sie in das Wasser hinein, was ebenfalls ein interessanter Effekt sein kann.

Wollen Sie eine offene Wasserfläche? Dann können Sie auch gar nichts pflanzen und darauf warten, wie sich das Gewässer entwickelt.

Unterwasser oder Sumpf?

Ist ihnen an einer Teichatmosphäre gelegen und weniger an einem Sumpfbeet? Dann können Sie Pflanzen ansiedeln, die auf dem Wasser treiben und ihre Nährstoffe aus dem Wasser ziehen, allen voran die Wasserlinse. Sie stellt keine besonderen Ansprüche, und wenn sie sich zu sehr ausdehnt, können Sie sie einfach mit einem Kescher heraus fischen.

Wenn Sie Sumpfpflanzen bevorzugen, die sich ausbreiten, wie Schwertlilien oder Blutweiderich, dann bleibt kein Raum für Unterwasserpflanzen. Um Unterwasserpflanzen anzusiedeln, empfiehlt es sich, um die Wanne herum zu pflanzen, aber keine Sumpfpflanzen in die Wanne selbst einzubringen, oder wenn, dann nur in einem Pflanzengefäß. Geeignete Unterwasserpflanzen sind Krebsschere, Wasserpest oder Tausendblatt.

Geeignete Unterwasserpflanzen sind beispielsweise die Krebsschere oder Wasserpest. (Bild: Reiner P./fotolia.com)

Halten Sie die Umgebung der Wanne feucht, zum Beispiel, indem Sie das Wasser temporär überlaufen lassen? Dann eignet sich als Randbepflanzung auch Minirohrkolben.

Miniteich oder Minisumpf?

Verfügen Sie jedoch nicht einmal über einen Balkon, sondern nur über eine Fensterbank, eignen sich diverse rechteckige Schalen aus Porzellan, Keramik und Terrakotta und auch Blumenkästen, die extra für die Fensterbank gedacht sind. Hier müssen Sie allerdings die Abflusslöcher mit Silikon verkleben.

Sie füllen Wasser ein, am besten Regenwasser und achten darauf, dass der Kasten nicht unter einem Dach steht, damit neues Regenwasser hinein kommen kann. Sie gießen regelmäßig und üppig. Wenn die Wanne im Hochsommer austrocknet, ist das kein Problem. Genau das passiert in einem Sumpf auch – Amphibien sind darauf sogar angewiesen, weil beim Austrocknen die Fische und Libellenlarven sterben, die die Kaulquappen fressen.

Sie können sich für einen Sumpf- oder Teichkasten entscheiden. Sumpfpflanzen wollen einen Boden, der vollständig mit Wasser gesättigt ist, ohne aber dass die Oberfläche mit Wasser überflutet. In der Natur sind das die Verlandungszonen von See oder Senken, die mit Grundwasser gespeist werden. Dominant sind hier Polsterpflanzen oder Horst bildende Stauden.

Ideal ist ein Regenfass, das über einen Ablauf verfügt und mit einem Schlauch ständig Wasser in das Beet führen kann. Einen Kasten können Sie aber auch einfach regelmäßig mit der Gießkanne wässern. Solange Sie Wasser sehen, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, dann prüfen Sie den Boden. Ist er feucht, ist immer noch alles paletti, problematisch wird es erst, wenn das ganze Beet über lange Zeit austrocknet.

Sumpfbeet heißt Uferrandzone

In einem solchen Sumpfbeet sind die besten Pflanzen die, die in der Natur die Uferrandzone besiedeln. Dazu gehört der Fieberklee und der Günsel, die Schachbrett- und Laugenblume, das Pfennigkraut, der Sumpffarn und die Sumpfprimel, die Sumpfgladiole oder der Sumpf-Schachtelhalm.

Sumpfpflanzen, wie zum Beispiel der Fieberklee, benötigen einen Boden, der vollständig mit Wasser gesättigt ist. (Bild: finsrfun/fotolia.com)

Wollen Sie den bedrohten Bienen und anderen Insekten helfen? Wasserdost ist eine ausgezeichnete Bienenweide. Er hat wenig Ansprüche außer feuchter Erde und wird bis zu 140 cm hoch. Auch Mädesüß dient den Bienen als Nahrung, ist außerdem natürliches Aspirin, die Blüten und Blätter lassen sich zu einem süßlichen Tee verarbeiten, und die Pflanzen verströmen den Geruch von Frühlingshonig.

Um ein Sumpfbeet anzulegen, wäre das beste, eine Schicht echte Sumpferde zu bekommen. Es geht aber auch anders: Sie nehmen Komposterde oder Blumenerde, mischen 10 % Sand dazu, dazu drei Handvoll mulchende Blätter. Der Humus in echten Sümpfen besteht aus verfaulenden Pflanzenresten.

Torf ist No Go

Torf benutzen Naturgärtner nicht! Torf bildet sich im Moor, und da gehört er auch hin. Moore zählen zu den bedrohtesten Lebensräumen in Deutschland überhaupt, und die Wildnis auf dem Balkon soll Wildtieren und Wildpflanzen eine Chance geben und sie nicht zerstören.

Tipp

Steht ihre Terrasse an einem Hang? Haben Sie eine „Problemstelle“ im Vorgarten, wo das Wasser nicht abfließt? Perfekt? Nutzen Sie diese Bodenverdichtung und setzen Sumpfpflanzen ein. Mehr brauchen Sie nicht zu tun.

Ein Sumpfbeet ist perfekt für die wechselnde Wetterlage mit massiven Regenfällen und Trockenperioden. Sumpfpflanzen können Trockenzeiten ohne weiteres überleben und lieben zugleich Nässe, die empfindlichere Pflanzen tötet. (Dr. Utz Anhalt)

Mehr Informationen:
https://www.teichpflanzen-teichbau.com/sumpfbeet/
http://phlora.de/sumpfbeet-anlegen-unsere-antwort-auf-den-klimawandel/