Hodenschmerzen / Schmerzen an den Hoden

Fabian Peters

Hodenschmerzen äußern sich als Ziehen, Druck oder Stechen im Hodenbereich und können durch unterschiedlichste Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen der Hoden bedingt werden. Oftmals gehen mit den Hodenschmerzen Schwellungen, Rötungen und Verhärtungen im Bereich der Hoden einher. Da Hodenschmerzen auch ein Anzeichen schwerwiegender Krankheiten wie zum Beispiel Hodenkrebs, Hodentorsionen oder Nebenhodenentzündungen sein können, sollten Betroffene dringend einen Arzt aufsuchen, um eine eindeutige Feststellung der Schmerzursachen zu ermöglichen und weitreichende Gesundheitsrisiken auszuschließen.

Unterschiedliche Schmerzen an den Hoden

Abhängig von den Ursachen der Hodenschmerzen können die Beschwerden in ihrer Intensität und Dauer deutlich variieren, wobei jedoch auch leichte Hodenschmerzen mit schwerwiegenden Erkrankungen einhergehen können, dass heißt die Intensität der Schmerzen nicht zwangsweise als Hinweis auf die schwere der Erkrankung zu bewerten ist. Nach Einschätzung der Experten leidet hierzulande rund jeder zweite Mann im Laufe seines Lebens mindestens einmal unter Beschwerden im Bereich der Hoden oder der Prostata. Allerdings muss nicht jedes schmerzhafte Zwicken im Hodenbereich auf eine Erkrankung der Hoden hinweisen. So können die, als Hodenschmerzen wahrgenommenen, Beschwerden auch durch Erkrankungen der umliegende Organe bedingt werden, die bis in den Hoden ausstrahlen. Darüber hinaus sind Hodenschmerzen mitunter auch Folge sexueller Erregung ohne folgende Ejakulation oder besonders lange aufrechterhaltener Erektionen. In diesen Fällen werden die Beschwerden als sogenannte Kavaliersschmerzen bezeichnet. Diese sind aus medizinischer Sicht jedoch eher unbedenklich und die Schmerzen gehen meist von alleine wieder zurück.

Bei Hodenschmerzen denken Viele zunächst an Hodenkrebs. Doch viele weitere Ursachen können verantwortlich sein. (Bild: estradaanton/fotolia.com)

Hodenentzündung als Ursache für Hodenschmerzen

Oft ist eine Hodenentzündung (Orchitis) Ursache der Hodenschmerzen, wobei diese meistens in Verbindung mit einer Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis) auftritt. Die Entzündungen werden durch Viren oder Bakterien hervorgerufen und gehen häufig mit Symptomen wie angeschwollenen Hoden und einer Rötung des Hodensacks einher. Auch die Hodenschmerzen sind eine typische Folge derartiger Entzündungen. Die Schmerzen beginnen mit einem leichten, kaum wahrnehmbaren Ziehen und nehmen im Krankheitsverlauf kontinuierlich zu. Dabei können die Hoden- und Nebenhodenentzündungen einen akuten oder chronischen Krankheitsverlauf nehmen. In der Regel wird die Entzündung von Fieber, Beschwerden beim Wasserlassen und weiteren unspezifischen Krankheitssymptome begleitet. Auf Basis einer Blutuntersuchung sowie mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen ist eine Entzündung der Hoden- beziehungsweise Nebenhoden meist relativ leicht feststellbar, in Einzelfällen muss jedoch zusätzlich der Hoden operativ freigelegt werden, um die Diagnose zu bestätigen.

Behandlung von Hodenentzündungen

Abhängig davon, ob Viren oder Bakterien die Hodenentzündung ausgelöst haben, kommen anschließend unterschiedliche Behandlungsmethoden in Erwägung. So sieht die Therapie bei einem viralen Infekt hauptsächlich heilungsunterstützende Maßnahmen wie Bettruhe, eine Kühlung des Hodensacks und die Einnahme entzündungshemmender Medikamente vor. Sind Mumpsviren Auslöser der Beschwerden wird in der konventionellen Medizin mit Interferon gegen die Entzündung vorgegangen. Bakteriell bedingte Hodenentzündungen lassen sich indes mit Antibiotika relativ erfolgreich behandeln, wobei möglichst frühzeitig mit der Therapie begonnen werden sollte, um den Übergang in einen chronischen Krankheitsverlauf zu vermeiden. Den Betroffenen drohen bei einer chronischen Entzündung der Hoden- beziehungsweise Nebenhoden irreversible Schädigung des Hodengewebes, wodurch die Zeugungsfähigkeit bis hin zur Sterilität beeinträchtigt werden kann. Darüber hinaus können sich im Zuge der Hodenentzündung Abszesse bilden, die schlimmstenfalls eine Blutvergiftung auslösen. Bei entsprechenden Beschwerden sollte daher dringend ein Arzt aufgesucht werden.

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Hodenschmerzen durch Krampfadern und Leistenbruch

Auch eine Krampfader kann Schwellungen und Schmerzen im Bereich des Hodens auslösen, wobei oftmals bereits mit bloßem Auge die Gefäßerweiterung erkennbar ist. Die Schmerzen treten hier typischer Weise verstärkt unter körperlicher Belastung auf. Zur Behandlung bietet sich eine operative Entfernung oder Verödung der Krampfadern an. Eine weitere mögliche Ursache der Hodenschmerzen bilden Leistenbrüche. Der Schmerz bei einem Leistenbruch strahlt nicht selten in Richtung der Hoden aus und wird von den Betroffenen dort als stark schmerzhaftes Druckgefühl wahrgenommenen. Dabei drücken durch den „Bruch“ des Bauchfells Eingeweideteile auf den Samenstrang oder die Blutgefäße, wodurch Schmerzen im Bereich der Hoden auftreten. Die Behebung eines Leistenbruchs bedarf einer Operation.

Schmerzen im Bereich der Hoden durch Nierensteine

Akute Hodenschmerzen können des weiteren durch Nierensteine und Blasensteine bedingt werden, wobei sich diese meist als Ablagerung in den ableitenden Harnwegen wie Niere, Harnleiter und Harnblase bilden. Neben den Hodenschmerzen sind Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, Beschwerden beim Wasserlassen oder Blut im Urin typische Anzeichen für Nieren- und Blasensteine. Bei der Behandlung werden kleinere Ablagerungen im Rahmen einer Blasenspiegelung entfernt, größere Steine müssen mit Hilfe unterschiedlicher Verfahren zerkleinert und anschließend beseitigt werden. Unter Umständen ist hierfür ebenfalls ein operativer Eingriff erforderlich. Als weitere Ursache für akute Hodenschmerzen ist eine Hodentorsion (Verdrehter Hoden) zu nennen, bei der eine Verdrehung der Hoden um die eigene Achse die Blutzufuhr abschnürt und so massive Schmerzen verursacht. Die Schmerzen werden dabei in der Regel von Symptomen wie Bauchschmerzen, einem Anschwellen des Hodensacks, Übelkeit und Erbrechen begleitet. Erfolgt nicht umgehend eine operative Behandlung, bei der die Hoden wieder in ihre Ausgangslage gebracht werden, droht das Gewebe schon nach wenigen Stunden abzusterben und der betroffene Hoden ist anschließend vollständig zu entfernen. Am häufigsten tritt die Hodentorsion bei Kindern und Jugendlichen auf, mit wachsendem Lebensalter geht die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Verletzung indes deutlich zurück.

Hodenkrebs als Ursache von Hodenschmerzen

Für die Hodenschmerzen kann außerdem die Bildung von Tumoren verantwortlich sein, wobei der Hodenkrebs – neben den Schmerzen – ertastbare Schwellungen und Verhärtungen an den Hoden mit sich bringt. Im Zweifelsall kann mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung die Diagnose verifiziert werden. Auch Hodenkrebs bedarf dringend medizinischer Behandlung, doch liegen die Heilungschance hier mit mehr als 90 Prozent erfreulich hoch. Nach der operativen Entfernung des betroffenen Hodens, wird bei Bedarf zusätzlich eine Strahlen- oder Chemotherapie eingesetzt, was in den meisten Fällen eine erfolgreiche Therapie ermöglicht. Auch bei Hodenkrebs gilt an dieser Stelle der Grundsatz: Je früher die Diagnose erfolgt und mit der Behandlung begonnen wird, umso höher die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Therapieverlaufs. So erreicht die Heilungsquote bei Hodenkrebs den Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft zufolge im frühen Stadium bis zu 98 Prozent.

Hodenprellung als Ursache

Auch durch äußere Einwirkungen wie Stöße, Schläge oder Tritte können längerfristige Schmerzen im Bereich der Hoden ausgelöst werden. Dabei erleiden die Betroffenen meist eine sogenannte Hodenprellung, die neben den Schmerzen, durch ein Hämatom im Bereich der Hoden und ein entsprechendes Anschwellen des Hodensacks gekennzeichnet ist. Hier hilft in der Regel ebenfalls nur kühlen und Geduld. Die Schmerzen können sich über mehrere Tage hinziehen, verschwinden jedoch normalerweise wieder von alleine. Mit dem Hämatom geht meist eine bläulich, grünliche Verfärbung der Hoden einher, die jedoch ebenfalls im Laufe der Zeit wieder zurückgeht. Da durch die äußere Krafteinwirkung jedoch auch andere Verletzungen im Bereich der Hoden ausgelöst werden können, sollte bei einer Hodenprellung ärztliche Unterstützung in Anspruch genommen werden.

Bei Hodenschmerzen dringend einen Arzt aufsuchen

Insgesamt betrachtet können hinter den Hodenschmerzen zahlreiche gravierende Erkrankungen stecken, die im Zweifelsfall – wie zum Beispiel bei einer Hodentorsion – innerhalb weniger Stunden die Einleitung ärztlicher Maßnahmen erfordern, um weitreichendere Gesundheitsrisiken auszuschließen. Männer die Schmerzen im Bereich des Hoden haben, sollten sich daher nicht scheuen umgehend Hilfe beim Facharzt (Urologen) in Anspruch zu nehmen. Dieser kann in der Regel mit einigen einfachen Schritten die Ursache der Beschwerden zeitnah bestimmen und entsprechende Behandlungsschritte einleiten. Grundlage für eine erfolgreiche Therapie der Hodenschmerzen ist dabei stets eine möglichst präzise Diagnose. (fp)