Die richtige Medikation senkt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Gicht. Wird der Harnsäurespiegel im Blut mittels Medikamenten ausreichend verringert, kann dies einen wichtigen Beitrag zu Prävention der lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten.
Ein internationales Forschungsteam unter Federführung von Fachleuten der University of Nottingham hat untersucht, ob eine harnsäuresenkende Therapie das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfällen bei Gicht senken kann. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht.
Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei Gicht
Gicht ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut und es bilden sich Ablagerungen von Harnsäurekristallen in und um die Gelenke, die starke Gelenkschmerzen und -schwellungen verursachen können. Als mögliche Auslöser gelten zum Beispiel übermäßiger Fleischverzehr und Alkoholkonsum.
Betroffene zeigen auch ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei die zugrundeliegenden Mechanismen bisher unklar bleiben. Die Forschenden vermuteten jedoch, dass eine Senkung des Harnsäurespiegels auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.
Hilft eine Senkung des Harnsäurespiegels?
Anhand der Daten von fast 110.000 Teilnehmenden der „Clinical Practice Research Datalink Aurum“ Kohorte überprüften die Forschenden nun, ob eine medikamentöse Senkung (z.B. mittels Allopurinol) des Serumharnsäurespiegels auf unter 360 µmol/l (6 mg/dl) auch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und frühzeitige kardiovaskuläre Todesfälle senken kann.
Die Fachleute ordneten die Teilnehmenden mit Gichterkrankungen zwei Gruppen zu, je nachdem ob sie innerhalb von 12 Monaten nach Behandlungsbeginn mit harnsäuresenkenden Medikament einen Serumharnsäurespiegel unter 6 mg/dl erreichten oder nicht.
Anschließend verglich das Forschungsteam das Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen und kardiovaskulären Todesfälle innerhalb von fünf Jahren in den beiden Gruppen.
Deutlich reduziertes Risiko
Dabei zeigte sich, dass Teilnehmende, deren Harnsäurespiegel mit Medikamenten unter 6 mg/dl gesenkt wurde, ein signifikant geringeres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle hatten. Wurde der Werte unter 300 µmol/l (5 mg/dl) gesenkt, war die Risikoreduktion noch größer, berichtet das Forschungsteam.
„Frühere Forschungen zeigten bereits, dass eine zielwertorientierte harnsäuresenkende Therapie Gichtanfällen vorbeugt. Die aktuelle Studie belegt nun den zusätzlichen Nutzen eines reduzierten Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod aufgrund dieser Erkrankungen“, betont der Studienautor Professor Dr. Abhishek von der University of Nottingham.
So können Wirkstoffe wie Allopurinol, die zur Behandlung von Gicht eingesetzt werden, nicht nur Gichtanfällen vorbeugen, sondern auch das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse senken, wenn ein Harnsäurespiegel im Blut unter 6 mg/dL erreicht wird. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Edoardo Cipolletta, Tatiana Zverkova Sandström, Davide Rozza, Clemence Leyrat, Georgina Nakafero, Panagiota Drivelegka, Anthony J. Avery, Mamas A. Mamas, Laila J. Tata, Mats Dehlin, Abhishek Abhishek: Treat-to-Target Urate-Lowering Treatment and Cardiovascular Outcomes in Patients With Gout; in: JAMA Internal Medicine (veröffentlicht 26.01.2026), jamanetwork.com
- University of Nottingham: Gout medication can reduce the risk of heart attack and stroke, finds new study (veröffentlicht 26.01.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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