Haferflocken können den Cholesterinspiegel senken und bereits eine zweitägige Haferflocken-Diät verbessert die Cholesterinwerte über Wochen. Die Wirkung wird dabei offenbar vor allem über Veränderungen der Darmflora vermittelt.
Forschende der Universität Bonn haben die Wirkung von Haferflocken-Diäten auf die Cholesterinwerte von Patientinnen und Patienten mit metabolischem Syndrom untersucht. Die vielversprechenden Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.
Haferflocken bieten vielseitige Gesundheitsvorteile
Dass der regelmäßige Haferflockenkonsum der Gesundheit zugutekommen kann, ist durch zahlreiche frühere Studie bereits eindeutig belegt und zum Beispiel kam eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 zu dem Schluss, dass Hafer und Haferflocken das Cholesterin, den Blutdruck und den Blutzucker senken.
Zu hohe Cholesterinwerte, zu hoher Blutdruck und zu hohe Blutzuckerwerte bilden ihrerseits wesentliche Faktoren des sogenannten metabolischen Syndroms, so dass die Vermutung nahe lag, dass eine Haferflockenkur einen hilfreichen Beitrag zu dessen Behandlung leisten könnte.
Hilfe bei metabolischem Syndrom?
Die Forschenden überprüften daher die Auswirkungen von zwei verschiedene Formen der Haferflocken-Diät bei Patientinnen und Patienten mit metabolischem Syndrom. „Wir wollten wissen, wie sich eine spezielle Haferkur auf die Betroffenen auswirkt“, erklärt die Studienautorin Marie-Christine Simon.
Eine Gruppe der Teilnehmenden erhielt hierfür über sechs Wochen eine moderate Haferflocken-Diät, bei der eine Mahlzeit pro Tag gegen vorab in Wasser aufgekochte Haferflocken (80 Gramm) ausgetauscht wurde.
Eine zweite Gruppe erhielt eine kurzzeitige intensive Haferflocken-Diät, bei der an zwei Tagen ausschließlich Haferflocken (drei Mahlzeiten pro Tag; 300 Gramm) verzehrt wurden, und für beide Gruppen gab es entsprechende Kontrollgruppen mit kalorienreduzierten Diäten.
Vor Beginn der Ernährungsumstellung gaben alle Teilnehmenden Blut- und Stuhlproben ab und außerdem wurde ihr Blutdruck, Gewicht, Taillenumfang, Körperfettgehalt und ihre Größe ermittelt, berichtet das Team.
Zudem seien direkt im Anschluss an die Haferkur sowie nach zwei, vier und sechs Wochen weitere Untersuchungen erfolgt, bei denen dieselben Werte erfasst und weitere Blut- und Stuhlproben genommen wurden.
Vorteile durch kurzzeitige Haferflocken-Diät
Während die moderate Haferflocken-Diät kaum Vorteile bot, beobachteten die Forschenden bei den Teilnehmenden mit kurzzeitiger intensiver Haferkur eine überraschend starke Senkung des Cholesterinspiegels, die sich sogar nach sechs Wochen noch nachweisen ließ.
„Der Spiegel des besonders schädlichen LDL-Cholesterins sank bei ihnen um 10 Prozent – das ist eine substanzielle Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente“, so Simon. Gleichzeitig sei auch ihr Blutdruck leicht und ihr Gewicht im Schnitt um zwei Kilogramm gesunken.
Positive Veränderungen der Darmflora
Die vorteilhafte Wirkung entfaltete die Haferflocken-Diät dabei offenbar vor allem über Veränderung der Zusammensetzung der Darmflora, wie auch die Untersuchungen der Stuhlproben belegen. „Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht“, so die Studienautorin Linda Klümpen.
Die Stoffwechselprodukte dieser Bakterien scheinen maßgeblich zu der positiven Wirkung der Haferflocken beizutragen.„Wir konnten zum Beispiel nachweisen, dass die Darmbakterien durch den Abbau des Hafers phenolische Verbindungen produzieren“, erläutert Klümpen.
Eine davon sei Ferulasäure, die den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflussen könne, und bei manchen anderen der bakteriellen Stoffwechselprodukte scheine dies ebenfalls der Fall zu sein.
Anderseits helfen die Mikroorganismen bei der Beseitigung der Aminosäure Histidin, die vom Körper ansonsten teilweise in ein Molekül umgewandelt wird, das im Verdacht steht, eine Insulinresistenz zu befördern, die ein zentrales Merkmal bei Diabetes bildet, erläutern die Forschenden.
Vielversprechendes therapeutisches Potenzial
Insgesamt verdeutlicht die Studie das vielversprechenden Potenzial kurzer intensiver Haferflocken-Diäten. „Eine kurze Haferkur in regelmäßigen Abständen könnte eine gut verträgliche Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel im Norm-Bereich zu halten und einem Diabetes vorzubeugen“, resümiert Simon. Nun sei zu klären, ob eine sich alle sechs Wochen wiederholende intensive Hafer-Kur auch tatsächlich dauerhaft hilft. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Universität Bonn: Zwei Tage Haferflocken senken Cholesterinspiegel (veröffentlicht 23.01.2026), uni-bonn.de
- Linda Klümpen, Aakash Mantri, Maren Philipps, Waldemar Seel, Laura Schlautmann, Mohamed H. Yaghmour, Verena Wiemann, Birgit Stoffel-Wagner, Martin Coenen, Leonie Weinhold, Jan Hasenauer, Thomas Fließwasser, Sven Burgdorf, Christoph Thiele, Peter Stehle, Marie-Christine Simon: Cholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome: a randomized controlled trial; in: Nature Communications (veröffentlicht 14.01.2026), nature.com
- Rebecca Mathews, YiFang Chu: An encompassing review of meta-analyses and systematic reviews of the effect of oats on all-cause mortality, cardiovascular risk, diabetes risk, body weight/adiposity and gut health; in: Critical Reviews in Food Science and Nutrition (veröffentlicht 13.08.2024), tandfonline.com
Wichtiger Hinweis:
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