Bestimmte Auffälligkeiten im Schlaf können frühzeitig auf ein erhöhtes Alzheimer-Risiko hinweisen. So sind häufigere kurze Aufwachreaktionen (engl. micro-awakenings) in der Nacht gegebenenfalls ein Hinweis auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Alzheimer-Erkrankungen.
Forschende der Universität Lüttich haben die Zusammenhänge zwischen Aufwachreaktionen im Schlaf und dem genetisch bedingten Alzheimer-Risiko untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Sleep“ veröffentlicht.
Schlafstörungen ein Risikofaktor
Frühere Studien hatten bereits auf mögliche Zusammenhänge zwischen Schlafstörungen und Demenzerkrankungen hingedeutet und beispielsweise kam eine Forschungsarbeit aus dem vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass nächtliches Aufwachen die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt.
Zudem konnten Forschende der Universität Uppsala in einer früheren Untersuchung nachweisen, dass bereits eine Nacht mit schlechtem Schlaf bestimmte Biomarker für Alzheimer erhöht.
Aufwachreaktion ein Warnhinweis?
Inwiefern die Aufwachreaktionen im Schlaf mit dem Alzheimer-Risiko zusammenhängen, überprüften die Forschenden der Universität Lüttich jetzt anhand von 453 jüngeren Erwachsenen und 87 Person im fortgeschrittenen Alter.
Die Aufwachreaktionen der Teilnehmenden wurden hierfür im Schlaflabor erfasst und dabei auch Veränderungen des Muskeltonus (Anspannung der Muskulatur) gemessen. Anschließend untersuchten de Forschenden die Zusammenhänge der verschiedenen Arten von Aufwachreaktionen mit:
- der genetischen Veranlagung für Alzheimer (Polygenic Risk Score),
- der kognitiven Ausgangsleistung,
- den kognitiven Veränderung über bis zu sieben Jahre.
Die Fachleute nutzten die teilweise genetische Natur der Erkrankung (Alzheimer ist weder rein erblich noch gänzlich unabhängig von Genen), um so mögliche Zusammenhänge mit den Aufwachreaktionen zu ermitteln.
Höheres Alzheimer-Risiko
Zunächst ist festzuhalten, dass ältere Teilnehmende deutlich häufiger Aufwachreaktionen bei dem Übergang zwischen den verschiedenen Schlafstadien zeigten als die jüngeren Teilnehmenden, berichtet das Team.
Für Aufwachreaktionen ohne Erhöhung des Muskeltonus waren bei den älteren Teilnehmenden deutliche Zusammenhänge mit einem höheren genetischen Alzheimer-Risiko, schlechteren kognitiven Fähigkeiten zu Beginn der Studie und größeren Einbußen der kognitiven Fähigkeiten im weiteren Studienverlauf festzustellen, berichten die Forschenden.
Zeigte sich bei diesen Aufwachreaktionen ein erhöhter Muskeltonus, war dies hingegen mit Vorteilen verbunden. Das genetische Alzheimer-Risiko sank, die kognitiven Ausgangswerte waren besser und der Abbau der kognitiven Fähigkeiten im Verlauf der Nachbeobachtung fiel geringer aus, ergänzen die Fachleute.
So scheint nicht mit allen Formen der Aufwachreaktionen im Schlaf ein erhöhtes Alzheimer-Risiko einherzugehen und bei jüngeren Personen sind offenbar grundsätzlich keine solchen Zusammenhänge gegeben.
Neue Ansätze für Screening & Prävention
Dennoch könnten die Auffälligkeiten im Schlaf bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome wichtige Hinweise auf eine erhöhte Anfälligkeit für Alzheimer-Erkrankungen liefern. Dies eröffnet neue Ansätze für das Screening und die Prävention, betonen die Forschenden.
„Schlaf könnte sich zu einem leicht zugänglichen Marker für die Früherkennung gefährdeter Personen entwickeln“, ergänzt der Studienautor Gilles Vandewalle. Möglicherweise könne eine Verbesserung des Schlafs zudem das Risiko bei genetisch prädisponierten Personen senken. (fp)
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