Die Behandlung mit sogenannten SGLT2-Hemmern kann bei manchen Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes schwere Nebenwirkungen in Form einer Ketoazidose verursachen. Das Risiko wurde bisher für einige Patientengruppen möglicherweise deutlich unterschätzt.
Ein skandinavisches Forschungsteam um Dr. Peter Ueda vom Karolinska Institutet in Schweden hat untersucht, inwiefern die Anwendung von SGLT2-Hemmern bei Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Ketoazidose-Risiko verbunden ist, welche Faktoren dabei ein Rolle spielen und welche Personen besonders gefährdet sind. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ veröffentlicht.
Erhöhtes Ketoazidose-Risiko
SGLT2-Hemmer können bei Diabetes nicht nur die Blutzuckerwerte senken, sondern auch vor Herz- und Nierenerkrankungen schützen. Allerdings werden sie auch mit einem erhöhten Risiko für eine Ketoazidose in Zusammenhang gebracht, erläutern die Forschenden.
Die Ketoazidose bilde eine schwere Erkrankung, bei der ein Insulinmangel dazu führe, dass der Körper große Mengen an Ketonkörpern produziere, was den Säure-Basen-Haushalt schlimmstenfalls lebensbedrohlich beeinträchtige.
Bisher haben allerdings nur wenige Untersuchungen die Zusammenhänge zwischen der Anwendung von SGLT2-Hemmern und dem Auftreten einer Ketoazidose anhand von Daten aus der klinischen Praxis überprüft, erläutern die Forschenden.
Welche Faktoren spielen eine Rolle?
Sie nutzten daher die Daten von 280.000 Personen mit Typ-2-Diabetes aus landesweiten Registern in Schweden, Dänemark und Norwegen, um die Inzidenz und die Risikofaktoren einer Ketoazidose während der Behandlung mit SGLT2-Hemmern zu ermitteln.
In einer medianen Nachbeobachtungszeit von 1,3 Jahren traten 1.452 Ketoazidose-Fälle auf und das Risiko war kurz nach Beginn der SGLT2-Hemmer-Einnahme grundsätzlich am höchsten, es blieb allerdings während der gesamten Nachbeobachtungszeit erhöht, berichten die Forschenden.
Besonders häufig betroffen waren Personen mit hohen Blutzuckerwerten (HbA1c), Mangelernährung, einem niedrigen Body-Mass-Index, einer vorausgegangene Ketoazidose und/oder einer kürzlich aufgetretene Hypoglykämie, so die Fachleute weiter.
Infektionen ein Risikofaktor
Zudem seien Infektionen als der häufigste Auslöser oder Begleitfaktor der Ketoazidose aufgefallen und darüber hinaus traten laut den Forschenden auch andere akute Erkrankungen wie eine Niereninsuffizienz oder ein Schlaganfall bei den Teilnehmenden, die eine Ketoazidose erlitten, häufiger auf.
Insgesamt fällt das Risiko einer Ketoazidose bei den Patientinnen und Patienten, die SGLT2-Hemmer einnehmen, äußerst unterschiedlich aus und die gefährliche Nebenwirkung kann nicht nur zu Beginn der Behandlung auftreten, fassen die Forschenden zusammen.
Anwendung gegebenenfalls unterbrechen
So gelte es das Risiko während der gesamten Behandlung im Blick zu behalten und die Patientinnen und Patienten anzuweisen, die Anwendung bei akuter Erkrankung und Stress zu unterbrechen. Dies könnte helfen, sie besser vor den Nebenwirkungen zu schützen.
„SGLT2-Hemmer bieten vielen Patienten medizinische Vorteile. Unsere Ergebnisse zielen nicht primär darauf ab, eine Behandlung zu vermeiden, sondern darauf, Risikopatienten besser zu identifizieren und diese Medikamente sicherer anzuwenden“, resümiert Dr. Ueda. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Karolinska Institutet: Study highlights risk groups for a severe side effect of diabetes treatment (veröffentlicht 01.09.2026), ki.se
- Erik Kadesjö, Jonas Söderling, Anders Hviid, Viktor Wintzell, Henrik Svanström, Björn Eliasson, Soffia Gudbjörnsdóttir, Mads Melbye, Kristian Hveem, Christian Jonasson, Daniel P Andersson, Björn Pasternak, Peter Ueda: Ketoacidosis with SGLT2 inhibitors in routine clinical practice of type 2 diabetes: Scandinavian cohort and nested case–control study; in: The Lancet Diabetes & Endocrinology (veröffentlicht 01.09.2026), thelancet.com
Wichtiger Hinweis:
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