Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Heiße Getränke bei Kindern häufigste Ursache für Notaufnahme in Kliniken

Verbrühungen durch Heißgetränke zählen zu den häufigsten schweren Verletzungen bei Kleinkindern. Zudem scheinen viele Eltern nicht zu wissen, wie in solchen Fällen richtig Erste Hilfe zu leisten ist.


Kurz die Tasse mit heißem Tee abgestellt, um die Hände für etwas anderes frei zu haben, und schon kann es passiert sein: Das Kleinkind kriegt die Tasse zu greifen, diese kippt um und der heiße Tee verursacht schwere Verbrühungen beim Kind. Eltern sollten das Risiko bei Heißgetränken stets bedenken und zudem die erforderlichen Erste Hilfe Maßnahmen kennen, falls der Ernstfall trotzdem eintritt.

Verbrühungen durch Heißgetränke sind bei Kleinkindern einer der häufigsten Gründe für Einlieferungen in die Notaufnahme. (Bild: 5ph/fotolia.com)

Kampagne „SafeTea“ gestartet

Heißgetränke sind die häufigste Ursache für Einlieferungen in die Notaufnahme bei Kindern im Alter unter fünf Jahren, warnt das Children’s Burns Research Centre an der University of Bristol in einer aktuellen Mitteilung. Zudem erhalte nur jedes vierte Kind vor der Krankenhauseinlieferung eine ausreichende Erste Hilfe. Daher sei die Kampagne „SafeTea“ ins Leben gerufen worden, die sich gezielt an Eltern, Großeltern und Betreuungspersonen von Kindern richtet.

Die Kernbotschaften der Kampagne lauten:

  • Halten Sie heiße Getränke von kleinen Kindern fern.
  • Trinken Sie keine heißen Getränke, während Sie ein Baby tragen.
  • Halten Sie niemals ein heißes Getränk über den Köpfen von kleinen Kindern.
  • Nutzen Sie einen sicheren Ort zur Platzierung heißer Getränke – außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern.
  • Bei Verbrennungen umgehend den Notruf kontaktieren, parallel die Verbrennung mit kaltem Wasser kühlen (für maximal 20 Minuten) und anschließend die betroffene Stelle mit Klarsichtfolie abdeckten.

Schwerwiegende Folgen bei Verbrennungen

„Verbrennungen durch heiße Getränke können bei einem Kleinkind schwere und großflächige Hautschäden verursachen, mit lebenslang bestehenden Narben und der Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung bis ins Erwachsenenalter“, betont Prof. Alison Kemp von der medizinischen Fakultät der Universität Cardiff. Daher sollten Eltern stets darauf achten, heiße Getränke außerhalb der Reichweite von Kleinkindern zu halten, mahnt die Medizinerin.

Viele Notaufnahmen bei Kindern wegen Verbrennungen

Die Forschung habe gezeigt, dass mehr als 50.000 Kinder in Großbritannien jedes Jahr mit Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert werden, die meisten betroffenen im Alter unter fünf Jahren, berichtet Prof. Emond. Verbrühungen durch Heißgetränke seien für 60 Prozent der dieser Krankenhauseinlieferungen bei Kindern im Alter unter drei Jahren verantwortlich. Das seien 30 kleine Kinder jeden Tag in ganz Großbritannien.

Verletzungen oft vermeidbar

Die wichtigsten Botschaften der Kampagne sind: „Heißgetränke außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren, niemals ein Heißgetränk über ein Kind halten oder niemals gleichzeitig ein Getränk und ein Baby halten“, so Prof. Alan Emond von der Bristol Medical School. „Es gibt Tausende Vorfälle mit heißen Getränken, bei denen mit wenigen Handgriffen verheerende Verletzungen hätten verhindert werden können“, ergänzt Prof. Kemp.

Wie ist im Ernstfall zu reagieren?

Wenn sich dennoch ein Kind mit Heißgetränken verbrüht, gelte es den Bereich umgehend unter fließendem Wasser (für rund 20 Minuten) zu kühlen; den Notruf zu kontaktieren und nach dem Kühlen die betroffene Hautpartie mit Klarsichtfolie abzudecken. „Die Momente direkt nach einer Verbrennung sind die kritischste Zeit, in Bezug auf langfristige Schäden und Narben“, betont Prof. Emond. Durch schnelles und richtiges Handeln lassen sich die Folgen der Verbrennungen deutlich lindern. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • University of Bristol: Hot drinks are the most common cause of burns to young children (veröffentlicht 16.10.2019), bristol.ac.uk

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Schwangerschaftsstress beeinflusst Geschlecht des Nachwuchses und Frühgeburt-Risiko

Stress während der Schwangerschaft kann das Geschlecht des Nachwuchses beeinflussen und das Risiko einer Frühgeburt erhöhen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass der Schwangerschaftsstress weitreichende Folgen auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes hat.


In der neuen Studie hat das Forschungsteam um Professor Catherine Monk von der Columbia University (USA) die Auswirkungen von mütterlichem Stress während der Schwangerschaft auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes sowie den Zeitpunkt der Geburt untersucht. Dabei wurden auch verschiedene Formen von physischem und psychischem Stress identifiziert, die besonders starken Einfluss haben können.

Schwangere Frau hält ihren Bauch
Stress in der Schwangerschaft hat weitreichende Auswirkungen auf den Nachwuchs. (Bild: pressmaster/fotolia.com)

Verschiedene Formen des Stress erfasst

Da sich Stress auf vielfältige Weise manifestieren kann – sowohl als subjektive Erfahrung als auch in physischen und Lifestyle-Faktoren – wurden 27 Indikatoren für psychosozialen, physischen und Lifestyle-Stress genutzt, die anhand von Fragebögen, Tagebüchern und täglichen körperlichen Beurteilungen bei 187 ansonsten gesunden Schwangeren erfasst wurden. Alle Probandinnen waren im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, berichten die Forschenden.

Ein Drittel der Schwanger litt unter Stress

Von den Probandinnen waren 17 Prozent psychisch gestresst mit klinisch bedeutsamen hohen Werten von Depressionen, Angstzuständen und wahrgenommenem Stress. Weitere 16 Prozent wiesen körperliche Stresssymptome auf wie beispielsweise hohen Blutdruck. Die übrigen Frauen hatten keinerlei Stresssymptome, berichten die Forschenden.

Bei Stress werden weniger Jungen geboren

Bei schwangeren Frauen, die körperlichen und psychischen Stress hatten, sank die Wahrscheinlichkeit, einen Jungen zur Welt zu bringen, berichten die Forschenden. In der physisch belasteten Gruppe habe das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Nachkommen bei vier zu neun gelegen, in der psychisch belasteten Gruppe bei zwei zu drei. „Dieses Muster hat man auch nach sozialen Umwälzungen gesehen, wie den Terroranschlägen vom 11. September in New York City, nach denen die relative Zahl der männlichen Geburten zurückging“, erläutert die Studienleiterin.

Soziale Unterstützung kann die Nachteile ausgleichen

Der männliche Nachwuchs reagiert offenbar anfälliger auf ungünstige pränatale Bedingungen und vermutlich sind hoch gestresste Frauen aufgrund des Verlustes früherer männlicher Föten (oft unbemerkt) weniger empfänglich für weiteren männlichen Nachwuchs, vermuten die Forschenden. Auffällig sei auch gewesen, dass die Gruppe mit der höchsten sozialen Unterstützung – beispielsweise durch Mutter, Freunde und Familie – mit höherer Wahrscheinlichkeit ein männliches Baby bekam. Durch soziale Unterstützung seinen die Nachteile des Stress in der Schwangerschaft möglicherweise ausgleichbar, so die Forschenden weiter.

Vermehrte Komplikationen bei Schwangerschaftsstress

Weitere auffällige Ergebnisse waren, dass psychisch gestresste Mütter mehr Geburtskomplikationen als körperlich gestresste Mütter aufwiesen. Schätzungsweise Viele schwangere Frauen hätten über psychosozialen Stress durch Belastung am Arbeitsplatz geklagt. Diese Form des Stresses sei auch mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten verbunden gewesen sowie mit vermehrten psychischen Störungen wie Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivitätsstörung und Angst bei den Nachkommen.

Neurologische und verhaltensbedingte Entwicklung beeinträchtigt

„Stress kann auch das Immunsystem der Mutter beeinträchtigen, was zu Veränderungen führt, die die neurologische und verhaltensbedingte Entwicklung des Fötus beeinflussen“; berichtet Catherine Monk. Die aktuelle Studie zeige, wie wichtig die psychische Gesundheit der Mutter ist, auch für ihr ungeborenes Kind.

Forschende der Universitätsmedizin Greifswald planen aktuell ebenfalls eine Studie, in der die Auswirkungen des Schwangerschaftsstresses auf Babys sowie mögliche Gegenmaßnahmen untersucht werden sollen. Aktuell werden dort noch Teilnehmerinnen gesucht. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Kate Walsh, Clare A. McCormack, Rachel Webster, Anita Pinto, Seonjoo Lee, Tianshu Feng, H. Sloan Krakovsky, Sinclaire M. O’Grady, Benjamin Tycko, Frances A. Champagne, Elizabeth A. Werner, Grace Liu, Catherine Monk: Maternal prenatal stress phenotypes associate with fetal neurodevelopment and birth outcomes; in: PNAS (veröffentlicht 14.10.2019), pnas.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Umfassender globaler Überblick über Krebs veröffentlicht

Ein Zusammenschluss von internationalen Institutionen bei der Krebsbekämpfung veröffentlichte kürzlich einen umfassenden Überblick über den derzeitigen Forschungsstand bei Krebserkrankungen. Die Arbeit soll über bekannte Risikofaktoren, Präventionsmethoden und Aussichten für Therapien aufklären. Hier die Highlights im Überblick.


Die American Cancer Society (ACS), die Union for International Cancer Control (UICC) und die International Agency for Research on Cancer (IARC) haben kürzlich die dritte Edition des „Cancer Atlas“ herausgegeben. In dem Bericht wird die aktuelle Situation der globalen Krebsbekämpfung präsentiert.

Ein aktueller Bericht internationaler Fachgesellschaften gibt einen Überblick über die globale Situation von Krebserkrankungen. (Bild: peterschreiber.media/fotolia.com)

Aktueller Krebsatlas erschienen

Der Cancer Atlas, zu Deutsch Krebsatlas, bietet Informationen über die globale Verbreitung von Krebs sowie aktuelle Informationen über nachgewiesene Risikofaktoren, Behandlungsmethoden und Präventionen. Der Atlas ist auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite frei einsehbar.

Wie ist die aktuelle globale Krebs-Situation?

Wie die Fachgesellschaften berichten, ist Krebs in 91 Ländern weltweit (darunter auch Deutschland) die häufigste oder zweithäufigste Ursache für einen vorzeitigen Tod unter 70 Jahren. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung und des Bevölkerungswachstums rechnen die Fachgesellschaften mit einem Anstieg der Krebserkrankungen um bis zu 60 Prozent bis zum Jahr 2040. Ungesunde Lebensstilfaktoren wie Rauchen, schlechte Ernährung und Bewegungsmangel seien die häufigsten Ursachen für Krebs.

Rauchen ist der stärkste vermeidbare Risikofaktor

Tabakkonsum verursacht dem Krebsatlas zufolge mehr vermeidbare Todesfälle als jeder andere Risikofaktor. Allein im Jahr 2017 war das Rauchen für rund 2,3 Millionen Krebstodesfälle verantwortlich. Das seien 24 Prozent aller globalen Todesfälle durch Krebs. Dennoch gebe es weiterhin schätzungsweise 1,1 Milliarden Raucherinnen und Raucher.

Krebs durch Infektionserreger

Ein weiterer großer Anteil von schätzungsweise 15 Prozent aller Krebserkrankungen sind auf Infektionserreger wie Helicobacter pylori, Humanpapillomaviren (HPV), Hepatitis-B-Viren (HBV) und Hepatitis-C-Viren (HCV) zurückzuführen. Während in Ländern mit sehr hohem Einkommen dieser Anteil nur bei rund vier Prozent liegt, sind die Erreger in manchen afrikanischen Ländern südlich der Sahara für über 50 Prozent aller dortigen Krebs-Fälle verantwortlich.

Krebs durch Übergewicht

Übermäßiges Körpergewicht erhöht das Risiko für 13 Krebsarten und ist Ursache für rund vier Prozent aller Krebs-Fälle – mit steigender Tendenz. Die Fachgesellschaften erwarten, dass die Krebsbelastung, die mit ungesunder Ernährung, Übergewicht und körperlicher Inaktivität verbunden ist, in den meisten Teilen der Welt zunehmen wird.

Alkoholbedingter Krebs

Etwa 4,2 Prozent aller Krebserkrankungen werden dem Alkoholkonsum zugeschrieben. Hier zeigte sich jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen Ländern. Als Faustregel gilt: Je mehr Alkohol regelmäßig getrunken wird, desto größer ist das Krebsrisiko.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen

In fast allen Ländern der Welt ist Brustkrebs die häufigste Krebs-Art bei Frauen und macht ein Viertel aller Krebsfälle bei Frauen aus. In Ländern mit hohem Einkommen ist das Brustkrebsrisko bis zu dreimal so hoch, wie in Ländern mit niedrigem Einkommen.

Krebs bei Kindern

Circa 270.000 Krebserkrankungen werden jährlich bei Kindern diagnostiziert. In Ländern mit hohem Einkommen beträgt die Fünfjahres-Überlebenschance 80 Prozent. In einkommensschwachen Ländern sinkt diese Chance dagegen auf bis zu 20 Prozent.

Krebs durch Giftstoffe und Umwelteinflüsse

Rund drei bis sechs Prozent aller Krebs-Fälle entstehen laut den Fachgesellschaften durch die regelmäßige Exposition gegenüber krebserregenden Substanzen. Oft geschehe dies am Arbeitsplatz. Hinzu kommen rund 500.000 jährliche Todesfälle durch Lungenkrebs, die der wachsenden Luftverschmutzung zuzuschreiben sind. Dieselabgase scheinen hier die Hauptauslöser zu sein.

Vorbeugung ist die beste Therapie

„Der Krebsatlas hat sich als eine hervorragende Publikation erwiesen, die der Gemeinschaft hilft, die Fortschritte, die wir gemacht haben oder nicht gemacht haben, die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, und die Schwerpunkte für die kommenden Jahre aufzuzeigen”, resümiert Cary Adams, der Vorstandsvorsitzender der UICC. „Ich hoffe, dass dieses Buch eine breite Anwendung finden wird, denn die Prävention ist und bleibt die erste und wichtigste Angriffslinie bei der Bewältigung der globalen Krebsepidemie“, ergänzt Elisabete Weiderpass, die Direktorin der IARC. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • American Cancer Society (ACS), Union for International Cancer Control (UICC), International Agency for Research on Cancer (IARC): The Cancer Atlas, 3rd Edition, 2019, canceratlas.cancer.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Multiresistente Bakterien in jedem zweiten Rohfleisch-Futter

Sogenannte BARF-Menüs sind bei fleischfressenden Haustieren wie Hunden sehr beliebt. Die Rationen bestehen aus frischem oder tiefgekühltem Fleisch, Innereien, Knochen und Fisch. Ein Schweizer Forschungsteam untersuchte nun verschiedene Rohfleisch-Futter und stellte bei jedem zweiten Artikel gefährliche multiresistente Bakterien fest, die zunächst die Haustiere und anschließend auch den Menschen befallen können.


Forschende der Universität Zürich machten einen erschreckenden Befund bei Tiernahrung mit Rohfleisch. Das Team stellte zunächst fest, dass Hunde und Katze besonders häufig Keime mit Antibiotika-Resistenzen tragen. Auf der Suche nach der Ursache dafür, stießen sie auf die Rohfleisch-Produkte, die besonders häufig mit solchen Bakterien kontaminiert sind. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden kürzlich in dem Fachjournal „Royal Society Open Science“ vorgestellt.

Zwei Hunde fressen Fleisch von einem Teller.
Bei einer aktuellen Untersuchung wurden in 61 Prozent der Tierfutter-Proben mit Frischfleisch multiresistente Erreger entdeckt. (Bild: manushot/fotolia.com)

Multiresistente Bakterien verbreiten sich zunehmend

„Die Situation mit den multiresistenten Bakterien geriet in den letzten Jahren immer mehr außer Kontrolle”, berichtet Professor Roger Stephan, ein Experte für Lebensmittelsicherheit an der Universität Zürich. Die „Wunderwaffe Antibiotika“ werde zunehmend stumpf. Durch übermäßige und falsche Anwendung von Antibiotika verbreiten sich immer mehr Keime, die das Enzym ESBL (Extended Spectrum Beta-Lactamasen) produzieren. ESBL schützt die Bakterien vor einer Vielzahl von Antibiotika. Besonders häufig findet man solche Keime in Hunden und Katzen.

Fleischfressende Haustiere tragen häufig ESBL-bildende Keime

„Gegen die Zunahme der Verbreitung ESBL-bildender Keime sind dringend Gegenmaßnahmen erforderlich”, betont der Professor. Dazu sei ein vertieftes Verständnis über die Aus- und Verbreitungswege solcher Keime erforderlich. Um dieses Verständnis zu vertiefen, untersuchte das Forschungsteam, warum resistente Keime so oft in fleischfressenden Haustieren zu finden sind. „Uns hat aufgeschreckt, dass diese Keime bei Hunden und Katzen so häufig nachgewiesen werden können”, erklärt der Lebensmittelexperte.

Mehr als jedes zweite Frischfleisch-Futter ist kontaminiert

„Als einen möglichen Übertragungsweg vermuteten wir die Verfütterung von rohem Fleisch“, so Stephan. Die Forschenden untersuchten verschiedene Futtermix-Produkte, die rohes Fleisch, Schlachtnebenprodukten oder Knochen beinhalten. Solche Produkte werden oft unter dem Kürzel „Barf (Biologically Appropriate Raw Food)“ angeboten. Insgesamt 51 verschiedene Proben von unterschiedlichen Anbietern wurden unter die Lupe genommen. Das erschreckende Ergebnis: In 61 Prozent der Proben wurden multiresistente Keime gefunden.

Die Ergebnisse der Untersuchung

„Dass wir bei über 60 Prozent der Proben ESBL-bildende Bakterien gefunden haben, ist wirklich erschreckend“, ergänzt Magdalena Nüesch-Inderbinen, die Erstautorin der Studie. Darüber hinaus überschritten 73 Prozent der Futterproben die Richtwert für Enterobakterien. In zwei Proben wurden zudem Salmonellen und in zwei weiteren Escherichia coli mit dem Colistin-Resistenzgen mcr-1 entdeckt. Dieses Gen wurde erst kürzlich zum ersten mal in China entdeckt – es überträgt Resistenzen gegen das Antibiotikum Colistin.

Auch für den Menschen eine Gefahr

Die Forschenden warnen, dass die resistenten Bakterien im Tierfutter auch für den Menschen zur Gefahr werden können. Zum einen kämen Tierbesitzer bei der Zubereitung des Futters mit den multiresistenten Bakterien in Berührung und zum anderen hätten die Haustiere engen Kontakt zu Menschen, wodurch das Risiko einer Übertragung von Tier auf Mensch steige. „Die Tierhalter sollten sich des Risikos bewusst sein, dass ihr Tier vielleicht multiresistente Bakterien in sich trägt und diese verbreiten kann“, so Nüesch-Inderbinen. Tierhalterinnen und -halter sollten vorsichtig mit Barf-Futter umgehen und strikte Hygiene bei der Fütterung einhalten. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Magdalena Nüesch-Inderbinen, Andrea Treier, Katrin Zurfluh, Roger Stephan: Raw meat-based diets for companion animals: a potential source of transmission of pathogenic and antimicrobial-resistant Enterobacteriaceae, Royal Society Open Science, 2019, royalsocietypublishing.org
  • Universität Zürich: Hundefutter mit Rohfleisch ist ein Gesundheitsrisiko (Abruf: 16.10.2019), uzh.ch

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Wenn Menschen glauben, dass eine Therapie ihre Krankheit heilt, und sich ihr Zustand daraufhin wirklich verbessert, obwohl die Behandlung aus wissenschaftlicher Sicht keine Wirkung haben kann, sprechen wir von einem Placebo-Effekt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine eingenommmene Tablette keinerlei medizinisch wirksame Substanzen enthält und der Patient oder die Patientin nach der Einnahme dennoch eine Besserung der Beschwerden verspürt.


Dieser Placebo-Effekt wurde in diversen Studien nachgewiesen. Heute wissen wir, dass der Körper die Betroffenen in solchen Situationen mit Neurotransmittern und Hormonen versorgt – der Glaube an die Wirkung einer an sich wirkungslosen Behandlung löst also eine Selbstheilungsreaktion des Körpers aus.

Tablettenpackung mit PLACEBO-Aufdruck
Placebo-Tabletten ohne arzneilich wirksame Inhaltsstoffe können viele Beschwerden lindern. (Bild: esoxx/fotolia.com)

Umgekehrt gibt es auch den Nocebo-Effekt: Wer davon überzeugt ist, dass eine Behandlung, ein Medikament oder eine Operation schlimme Auswirkungen hat, bei dem verstärkt sich der Schmerz, verzögert sich die Heilung, oder die Beschwerden verschlimmern sich sogar.

Wie funktioniert der Placebo-Effekt?

Wie der Placebo-Effekt Schmerzen lindert, kann die Neuromedizin heute gut erklären: Schmerz spüren wir nicht sofort an einer verletzten Stelle, sondern das periphere Nervensystem und das Rückenmark senden die Information „Schmerz“ zum Gehirn. Das Gehirn hat dabei ein Schmerzgedächtnis. Das heißt: Je nachdem, wie wir konditioniert sind, ordnet das Gehirn Schmerzen als stärker oder schwächer ein.

Der Körper kann Hormone und Neurotransmitter bilden und ausschütten, die das Signal „Schmerz“ regulieren. Die körpereigenen Opioide knüpfen dabei an den gleichen Schaltpunkten an wie künstliche Schmerzmittel. Das Glückshormon Dopamin lässt sich durch den Placebo-Effekt auslösen; Cholecystokinin hingegen löst Angst aus und wird durch den Nocebo-Effekt ausgeschüttet.

Normalerweise entsteht der Schmerz an der Wunde, und die Information wandert in kürzester Zeit zum Gehirn, das auf den Schmerz reagiert. Beim Placebo hingegen erwartet die Hirnregion des präfrontalen Cortex eine Linderung des Schmerzes. Deshalb sendet sie Signale an diejenigen Bereiche des Gehirns, in denen die Opioide gebildet werden. Die Betroffenen verdrängen den Schmerz also nicht etwa, sondern sie lindern ihn tatsächlich mit der Kraft ihrer Gedanken.

Scheinoperationen und Pillengröße

Sogar Scheinoperationen wirken bei manchen Menschen. Bei Pseudoarznei wirken viele kleine Pillen besser als eine große. Und es gilt die gleiche Regel wie bei Markenprodukten: Je teurer wirkungslose Pillen sind, desto höher schätzen Menschen ihre Wirksamkeit ein.

Außerdem wirken Placebos auch negativ. Zum Beispiel würgten Menschen ihren Mageninhalt heraus, nachdem sie ein angebliches Brechmittel zu sich genommen hatten.

Das emotionale Gehirn

Der Neurologe David Servan-Schreiber vermutet, dass mehr als die Hälfte aller Arztbesuche ihre Ursache in Stress haben, und die Mehrzahl aller Medikamente in den westlichen Ländern dienen dazu, stressbedingte Beschwerden zu beheben: Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Antacida bei Sodbrennen, Mittel gegen Bluthochdruck oder einen zu hohen Cholesterinspiegel. Auch Alkohol sei ein Mittel, mit Stress und Depressionen umzugehen.

Dabei regele das limbische System im Gehirn die Emotionen, und mit ihm der Mandelkern, von dem Angstreaktionen ausgingen. Dieses „emotionale Gehirn“ kontrolliere die Herzfunktion, den Blutdruck, die Hormone, das Verdauungs- und Immunsystem, die Atmung, den Appetit, den Schlaf und die Libido. Die „Killerzellen“ des Immunsystems würden ebenso vom emotionalen Gehirn gesteuert. Während also positive Gefühle wie Entspanntheit oder Wohlbefinden sie aktivierten, würden Angst, Stress und Depressionen sie hemmen.

Das Gehirn steuert die Immunzellen. (Bild: sdecoret/fotolia.com)

Dieses emotionale Gehirn verfüge über die Fähigkeit, den Körper selbst zu heilen, und es lasse sich dazu „programmieren“, so Servan-Schreiber. Zum Programmieren können auch altbekannte Methoden dienen: So würden die Stiche von Akupunkturnadeln die Schmerzzentren deaktivieren.

Der Neurowissenschaftler Benedetti sagt: „Die Interaktion mit dem Arzt, die Umgebung der Arztpraxis oder der Klinik mit ihren typischen Gerüchen und Geräuschen – all das sind starke sensorische Stimuli, die der Patient mit einer therapeutischen Handlung verbindet.“

Zwei Schmerzphasen

Der Placebo-Effekt verläuft in zwei Phasen: erstens Erwartung und zweitens erlernte Reaktion. Zuerst tritt das Netzwerk in Aktion, welches verhindert, dass der Schmerzreiz das Gehirn erreicht; anschließend bremst er die Aktivität von Schmerz verarbeitenden Hirnregionen.

Es gibt nicht einen Placebo-Effekt, sondern diverse, so Benedetti, und es hänge von der vorhergehenden Konditionierung ab, welche biochemischen Mechanismen abliefen. So setze ein Placebo-Schmerzmittel verschiedene Neurotransmitter frei, je nachdem, welches Analgetikum (Schmerzmittel) der Patient oder die Patientin zuvor erhalten hätte – waren die Betroffenen an Morphine gewöhnt, stieß der Körper Opioide aus. Bei an Parkinson Erkrankten steige freies Dopamin im Körper um bis zu zweihundert Prozent an, wenn sie Placebos nutzten.

Placebo-Effekt steigert die Wirkung realer Medikamente

Benedetti untersuchte auch, wie die Stimuli einer ärztlichen Behandlung die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. So erhielten Patientinnen und Patienten mit postoperativen Schmerzen Analgetika (Schmerzmittel) entweder offen von einem Arzt oder verdeckt über eine Computer-gesteuerte Injektionspumpe. Das Ergebnis war eindeutig: Bei allen getesten Schmerzmitteln war die Wirkung der verdeckten Injektion schwächer.

Bei der offenen Injektion setze bereits die Erwartung Botenstoffe frei, so Benedetti, und diese besetzten dieselben Rezeptoren wie die Analgetika. Das galt auch zeitlich: Bei der ärztlichen Injektion linderte sich der Schmerz sofort, bei der verdeckten dauerte es wesentlich länger. Benedettis Versuche ließen sich anwenden, um zu testen, wann Medikamente pharmakologisch und wann sie psychologisch wirken.

Ärztinnen und Ärzte und der Placebo-Effekt

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Medizinische Psychologie setzen den Placebo-Effekt gezielt ein. Die dort tätige Ärztin Karin Meissner ist sich zum Beispiel als Wissenschaftlerin bewusst, dass Akupunktur objektiv wenig nützt, setzt sie aber trotzdem erfolgreich gegen Beschwerden wie Heuschnupfen ein.

Studien am Institut ergaben, dass es egal ist, ob Ärztinnen und Ärzte die Nadeln nach den „Energiemeridianen“ der Traditionellen Chinesischen Medizin platzierten oder sie ohne Muster auf der Haut verteilten. Das Ergebnis verblüffte: Die Nadeln wirkten nämlich in beiden Fällen. Meissner erklärt das mit dem Placebo-Effekt. So wirkte die Erwartung der Patientinnen und Patienten und die Umstände, wie das Vertrauen und die beruhigenden Worte des Arztes oder der Ärztin.

Der amerikanische Medizinprofessor Ted Kaptchuk gab Patientinnen und Patienten 2010 Placebo-Pillen gegen das Reizdarmsyndrom und informierte sie sogar vorher darüber, dass es sich um Placebos handelte. Trotzdem verbesserten sich die Symptome der mit Placebos behandelten Erkrankten erheblich gegenüber denjenigen, die gar keine Behandlung erhielten.

Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen und Neurobiologinnen und Neurobiologen setzen deshalb darauf, die Patientinnen und Patienten einzubeziehen und aufzuklären. Die Neurologin Ulrike Bingel sagt: „Der Patient muss den Sinn einer Therapie verstehen.“ Statt Betroffenen also Placebos zu geben, ohne dass diese davon wissen, sollten Ärztinnen und Ärzte ihnen genau erklären, dass es sich um Placebos handelt, wie das Gehirn Botenstoffe und Hormone produziert, und warum die positive Haltung der Kranken das Ergebnis beeinflusst.

Die amerikanische Medizinerin Jo Marchant hält eine solche Selbstheilung für umso erfolgreicher, je genauer sich ein Mensch seine Heilung vorstellt. Er könne sich zum Beispiel im Wortsinn einbilden, wie eine Wunde sich schließt, wie Knieschmerzen enden oder wie er wieder laufen kann. Solche präzisen Heilbilder lehren auch Schamanen weltweit.

Als weiterer Faktor ist das Vertrauen zum behandelnden Arzt oder zur behandelnden Ärztin entscheidend. Deshalb sollten sich Patientinnen und Patienten auf ihr „Bauchgefühl“ verlassen. Wenn jemand aus dem Freundeskreis einem Mediziner oder einer Medizinerin vertraut, überträgt sich das auf die Betroffenen, weil das Gehirn nicht zwischen eigenen Erlebnissen und Informationen anderer Menschen unterscheidet. Wenn Freunde oder Angehörige den Patienten oder die Patientin unterstützen, fördert das den Placebo-Effekt. Das Gehirn schüttet dann nämlich Oxytocin aus, ein Bindungshormon.

Bei Placebo-Medikamenten, aber auch bei Arzneimitteln, die tatsächlich chemisch wirken, steigt die Wirkung durch Rituale. Das kann bedeuten, die „Medizin“ immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort einzunehmen, ein bestimmtes Glas zum Nachspülen zu benutzen oder gar einen „feierlichen“ Akt um die Einnahme zu kreieren.

Homöopathie und Placebo-Effekt

Ein vielfach angeführtes Beispiel für den Placebo-Effekt ist die Homöopathie. Hier werden Stoffe so stark verdünnt, dass sie chemisch betrachtet ab einer bestimmten Potenz nicht mehr vorhanden sind. Die Erfolge bei der Heilung von Krankheiten werden insbesondere von Kritikerinnen und Kritikern der Homöopathie auf den Placebo-Effekt zurückgeführt. Ein Vorwurf, dem praktizierende Homöopathinnen und Homöopathen energisch widersprechen, obwohl auch eine therapeutische Anwendung des Placebo-Effekts durchaus sinnvoll erscheinen kann.

Homöopathinnen und Homöopathen nehmen sich Zeit, hören zu und gehen auf die individuellen Beschwerden ihrer Patientinnen und Patienten ein. Es ist also ein besonderes Setting, das im besten Fall auch eine gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen Behandlerin oder Behandler und den Betroffenen umfasst, ergänzt durch den Glauben an die Wirkung der Homöopathie. Kritisch formuliert könnte man sagen, dass das Verfahren aus einer unstrukturierten Gesprächstherapie plus Placebos besteht. Die Frage ist, ob die Globuli dabei nicht ein symbolisches Medium darstellen, das die Kommunikation zwischen Homöopathin oder Homöopath und Patientin oder Patient wie das Ausschütten von Hormonen und Neurotransmittern erst in Fluss bringt.

Viele Menschen sind der Überzeugung, dass Homöopathie durch den Placebo-Effekt wirkt. (Bild: alimyakubov/fotolia.com)

Eine alte Geschichte

Schon Hippokrates nutzte in der Antike Placebos, also Methoden, von denen er wusste, dass sie wirkungslos sind; Schamanen inszenieren ein magisches Theater, bei dem sie Fremdkörper hervorzaubern, die angeblich im Körper der betroffenen Menschen die Krankheit verursachten und die sie mit „geistigen Operationen“ entfernen.

Manche missbrauchen so den Glauben ihrer Mitmenschen, um Scharlatanerie zu betreiben; meist verhalten sich die Heilenden traditioneller Kulturen aber nicht anders als heutige Ärztinnen und Ärzte, die wissen, wie der weiße Kittel, eine sanfte Stimme und Assoziationen zum Krankenhaus eine Heilung mitbedingen können.

Der Militärmediziner Henry Beecher stellte die Placebos im Zweiten Weltkrieg auf ein wissenschaftliches Fundament, nachdem er beobachtet hatte, wie eine Krankenschwester Kochsalz statt Morphium spritzte und es den Betroffenen trotzdem besser ging. Beecher inspirierte auch die Doppelblindstudien, mit denen wir heute die Wirksamkeit von Medikamenten bestimmen. Dabei wissen die Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht, ob sie eine reale Arznei oder Pseudomedizin bekommen.

Placebos gegen Phobien

Placebos wirken hervorragend gegen Phobien, denn diese bilden sich im Gehirn und lassen sich durch positive Suggestionen ändern. So unterzogen sich 34 Frauen mit übertriebenem Ekel vor Spinnen einer Studie, in der sie angeblich Angostura, eine Medizin aus Südamerika, verabreicht bekamen. In Wirklichkeit nahmen sie reine Kieselerde zu sich. Sämtliche Probandinnen empfanden nach dem Placebo viel weniger Ekel vor Spinnen als ohne das Scheinmittel.

Placebos können im Rahmen einer Therapie helfen, Phobien zu überwinden. (Bild: lucato/fotolia.com)

Forscherinnen und Forscher planen jetzt, Placebos als ersten Schritt in Psychotherapien gegen Phobien einzusetzen, insbesondere, um den Patientinnen und Patienten zu zeigen, wie wirkungsvoll ihre Selbstheilung ist, um die Beschwerden zu besiegen.

Religiöses Ritual und Placebo

Hindus reinigen sich rituell im Ganges, der in „heiligen Städten“ wie Vahranassi, der Stadt des Gottes Schiwa, chemisch betrachtet eine Kloake darstellt. Ein Bad im Wasser des Ganges müsste aus rein logischer Sicht also eher zu diversen Infektionskrankheiten führen, statt Menschen zu heilen. Doch die Hoffnung, dass Gebete und rituelle Handlungen hilfreich sind, führt ebenso zum Ausschütten von Hormonen und Botenstoffen, wie der Glaube an die Wirksamkeit einer Placebo-Pille. Eine Studie an der Universität Georgetown zeigte, dass der Glaube an übernatürliche Hilfe bei 75 Prozent der Patientinnen und Patienten die Heilung beschleunigte.

Diese positive Selbstsuggestion gilt für viele Bereiche des Lebens. Wenn ich glaube, dass die Frau meines Herzens mich ebenfalls liebt, erzeugt allein das positive Emotionen, auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht. Das gilt auch, wenn ich glaube, dass ein gütiger Gott mich liebt und mich nach meinem Tod in die Arme nehmen wird.

Dieser Anti-Realismus in Religionen ließe sich als Placebo für den Alltag bezeichnen: Ob jemand zum Regengott betet, dass die Ernte nicht verdorrt oder meint, dass Gott ihm beiseite steht, wenn er sich einer Herzoperation unterzieht, und daran glaubt, dass es einen positiven Sinn im Leben gibt. Das alles sind Selbstsuggestionen, die dazu führen können, dass der Körper die entsprechenden Opioide und Hormone produziert.

Religion lässt sich nicht auf das suggestiv erreichte Lindern von Schmerzen reduzieren, doch spielt dies eine erhebliche Rolle. Nicht von ungefähr bitten Christen beim Vaterunser „und erlöse uns von dem Bösen“, und das Ziel des Buddhismus besteht darin, das Leiden im Leben zu überwinden. Eine entscheidende Lehre im Buddhismus ist, Schmerz zu akzeptieren, statt ihn mental zu bekämpfen. Das ließe sich als Dämpfen des Schmerzbewusstseins beschreiben, was wiederum einen klassischen Placebo darstellt.

Leiden ist der Kern des Christentums. Der gekreuzigte Heiland nahm die Sünden der Menschheit und ihre Schmerzen auf sich, und Apostel Paulus lehrte: „Wir leiden, aber nicht wie es andere tun, die keine Hoffnung haben.“ Der Glaube selbst, und keine übernatürliche Macht, lindert die Schmerzen. So lässt sich auch verstehen, dass Menschen in schlimmen Phasen von Stress zum Glauben finden, sei es, dass eine Vierzehnjährige beginnt, an Gott zu glauben, während ihre Mutter mit Krebs in der Klinik liegt, oder ein Drogenkranker in der Religion seine letzte Chance sieht.

Solche Placebo-Effekte sind offensichtlich umso größer, je fundamentalistischer ein Mensch seine Religion praktiziert. Moderate Christen, die wissenschaftliche Theorien akzeptieren, produzieren demnach weniger körpereigene Schmerzdämpfer als Fanatiker, die darauf bestehen, dass Wunder geschehen. Umgekehrt führt diese spirituelle Begeisterung aber auch zu tiefster Verzweiflung, wenn ein erwartetes Wunder nicht eintrifft.

Gibt es auch eine rationale Alternative zur Religion, um die Macht des Placebos über physischen und emotionalen Schmerz zu nutzen? Das dürfte schwierig sein, denn Selbstsuggestionen wirken umso besser, je weniger die Betroffenen wissen, dass es sich um Suggestionen handelt. (Dr. Utz Anhalt)

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Matthias Zunhammer, Ulrike Bingel, Tor D. Wager, u.a.: Placebo Effects on the Neurologic Pain Signature, Jama Neurology, 2018, jamanetwork.com
  • Jens Gaab, Joe Kossowsky, Ulrike Ehlert, u.a.: Effects and Components of Placebos with a Psychological Treatment Rationale – Three Randomized-Controlled Studies, Scientific Reports, 2019, nature.com
  • Carvalho, Cláudia; Caetano, Joaquim Machado; Cunha, Lidia; u.a.: Open-label placebo treatment in chronic low back pain a randomized controlled trial, PAIN, 2016, Volume 157, Issue 12 , journals.lww.com
  • Regine Klinger: Placeboanalgesie - Faszination der körpereigenen Schmerzhemmung, Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. (Abruf: 18.09.2019), dgss.org
  • Harvard Health Publishing: The power of the placebo effect (Abruf: 18.09.2019), health.harvard.edu

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Todesfälle durch häusliche Unfälle stark angestiegen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

So schützen Sie sich vor tödlichen Unfällen im Haushalt

In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Todesfälle in Deutschland durch Unfälle in den eigenen vier Wänden fast verdoppelt. Starben im Jahr 2007 rund 6.300 Personen bei häuslichen Unfällen, waren es im Jahr 2017 schon über 11.000 Menschen. Häufigste Unfallursache ist ein Sturz durch Ausrutschen, Stolpern oder einen Fall von einer Leiter oder Treppe.


Die Aktion „Das sichere Haus (DSH)“ wertete die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes aus. Besonders auffällig war dabei der starke Anstieg der Todesfälle durch Unfälle im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung. Ein Grund sieht die DSH in der Zunahme von Seniorinnen und Senioren, denn mit steigendem Alter steigt auch die Gefahr eines häuslichen Unfalls mit Todesfolge. Ab einem Alter von 85 Jahren ist das Risiko am höchsten.

Unter den häuslichen Unfällen ist der Sturz die häufigste Ursache für Todesfälle. Das Risiko für Stürze steigt mit zunehmenden Alter. (Bild: 9nong/fotolia.com)

Stürze sind mit zunehmenden Alter besonders gefährlich

Wie sich bei der Auswertung der Statistik zeigte, starben im Jahr 2017 insgesamt 11.002 Menschen durch einen häuslichen Unfall. Der Sturz war dabei mit großem Abstand die Hauptunfallursache. 9.373 Personen starben allein an den Folgen eines Sturzes. Seniorinnen und Senioren waren besonders häufig betroffen. 7.990 Sturzopfer waren älter als 75 Jahre alt.

So können Stürze im Alter verhindert werden

Die DSH hält den schleichenden Abbau der Muskelkraft, das abnehmende Balancegefühl sowie die Selbstüberschätzung im Alter für die Ursachen der häufigen Stürze. Die Expertinnen und Experten empfehlen deshalb besonders im Alter gezielte Kraftübungen für Oberarme und Oberschenkelmuskulatur sowie regelmäßige Bewegung. Außerdem könne eine calciumreiche Ernährung helfen, die Knochen und Muskelfunktionen zu stärken. Ebenso wichtig sei die Beseitigung von Sturzfallen und eine gute Beleuchtung im Haushalt.

Diese Beschwerden und Erkrankungen erhöhen das Sturzrisiko

Auch andere Erkrankungen und Beschwerden erhöhen laut DSH das Risiko zu stürzen und sich dabei ernsthaft zu verletzen. Mögliche Risikofaktoren sind beispielsweise

  • ein vorheriger Sturz innerhalb der letzten sechs Monate,
  • ein Knochenbruch innerhalb der letzten fünf Jahren,
  • Osteoporose,
  • Sehbehinderungen wie grüner Star, grauer Star oder Netzhautdegeneration,
  • Parkinson,
  • ein vorheriger Schlaganfall mit Gehbehinderung als Folge,
  • Epilepsie,
  • Demenz,
  • Depression.

Diese Medikamente erhöhen das Sturzrisiko

Rund die Hälfe aller Menschen in Deutschland über 60 Jahre nehmen Medikamente ein. Einige gängige Arzneien wirken sich auch auf die Ballance und das Einschätzungsvermögen aus und erhöhen so die Sturzgefahr. Dazu gehören zum Beispiel

  • Schlafmittel,
  • Blutdrucksenker,
  • Beruhigungsmittel,
  • Antidepressiva.

Weitere Risikofaktoren und Sturzfallen

Neben den oben aufgeführten Risikofaktoren nennt die DSH auch Kleidung und Möbel als mögliche Sturzverursacher. Die Wohnungseinrichtung sollte so aufgestellt werden, dass keine Möbel im Weg stehen und man nicht an den Einrichtungsgegenständen hängen bleiben oder sich stoßen kann. Ebenso sollte die Kleidung so gewählt werden, dass man nicht darauf treten oder an Gegenständen wie Türklinken hängen bleiben kann. Ältere Personen sollten auch festsitzende Hausschuhe tragen, aus denen man nicht so schnell herausschlüpfen kann bzw. die nicht einfach von Fuß rutschen können. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Wie Lernen Babys?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Überraschungen beeinflussen das Lernen bei Babys

Wie Lernprozesse im Gehirn ablaufen, ist ein vielfach untersuchtes Phänomen, allerdings beschränken sich die meisten Forschungsarbeiten dabei auf Erwachsene. In einer aktuellen Studie haben Forschende des Instituts für Angewandte Psychologie der Universität Wien, der FU Berlin und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften nun untersucht, welche Prozesse im Gehirn von Babys bei Lernprozessen aktiviert werden.


Unser ganzes Leben lang nehmen wir ständig neue Informationen auf und fügen sie unserem Wissen hinzu. Welche Prozesse im Gehirn von Babys bei der Verarbeitung unerwarteter neuer Ereignisse ablaufen, blieb bislang jedoch weitgehend unklar. Das Forschungsteam um die Entwicklungspsychologin Stefanie Höhl von der Universität Wien hat in seiner aktuellen Studie nun wesentliche Aspekte der Lernprozesse bei Babys entschlüsselt. Ihr Fazit: Babys lernen durch Überraschungen! Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse in dem Fachmagazin „Psychological Science“.

Welche Prozesse beim Lernen im Gehirn von Babys aktiviert werden, war bislang weitgehend unklar. (Bild: Ramona Heim/fotolia.com)

Erwartbare oder überraschende Ereignisse

Im Rahmen der Studie haben die Forschenden 38 neun Monate alten Babys Bildergeschichten gezeigt, die entweder einen erwarteten oder einen unerwarteten Handlungsausgang hatten, berichtet die Universität Wien. Beispielsweise sei in einer Geschichte ein Mann zu sehen gewesen, der eine Brezel essen wollte und diese entweder zum Mund oder stattdessen auf den Kopf führte. „In anderen Szenen fiel ein Ball auf den Tisch – oder unerwartet durch die Tischplatte hindurch“, so die Forschenden weiter.

Elektroenzephalogramm zeigt die Informationsübertragung

Während den Babys die Bildergeschichten gezeigt wurden, erstellten die Forschenden ein Elektroenzephalogramm (EEG), welches die Signale der Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen untersucht. Das EEG zeigt verschiedene Frequenzen, die mit unterschiedlichen kognitiven Prozessen in Zusammenhang gebracht werden können. Bei Erwachsene ist beispielsweise der sogenannte Theta-Rhythmus typischerweise mit Lernprozessen assoziiert.

Theta-Rhythmus sensitiv für unerwartete Ereignisse

Das EEG zeigte bei den Kindern entweder eine Frequenz, die dem Theta-Rhythmus entspricht, oder eine schnellere Frequenz, die dem Alpha-Rhythmus entspricht. Letzterer ist „normalerweise immer dann aktiv, wenn wir gerade nicht aufmerksam sind, sondern uns entspannen“, erläutern die Forschenden. Anhand der Messungen sei deutlich geworden, dass der Theta-Rhythmus bei den Babys besonders sensitiv für unerwartete Ereignisse war – im Vergleich zu erwarteten Ereignissen.

Entscheidender Einfluss auf das Lernen

Auswirkungen auf den Alpha-Rhythmus, der ebenfalls untersucht wurde, waren laut Aussage der Forschenden jedoch nicht festzustellen. Insbesondere der Theta-Rhythmus spiele beim Lernen von Babys offenbar eine große Rolle, berichtet das Forschungsteam. Der Theta-Rhythmus sei schon sehr früh beim Beobachten von neuen, unerwarteten Informationen aktiv.

Lernprozesse im Gehirn stimulierbar?

Inwiefern eine visuelle Anregung des Theta-Rhythmus auch aktiv gefördert werden kann, um Lernprozesse bei Babys anzuregen, wollen die Forschenden nun in weiteren Studien untersuchen. „Die visuale Hirnstimulationstechniken bietet neue Möglichkeiten, die funktionelle Relevanz neuronaler oszillatorischer Dynamik in der frühen Gehirnentwicklung zu untersuchen“, betont das Forschungsteam. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Moritz Köster, Miriam Langeloh, Stefanie Hoehl: Visually Entrained Theta Oscillations Increase for Unexpected Events in the Infant Brain; in: Psychological Science (veröffentlicht 11.10.2019), journals.sagepub.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Naturheilmittel einfach und kostengünstig selbst anbauen
Ob Pfefferminze, Melisse oder Baldrian – Naturheilmittel bieten eine unkomplizierte und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Arzneimitteln und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Während Exoten wie Ingwer und Zimt aus der Ferne importiert werden müssen, können viele andere Naturheilmittel problemlos im heimischen Garten angebaut werden.


Salben, Tinkturen oder Tees

Die Naturheilkunde und ganzheitliche Medizin bieten oft eine alternative und kostengünstige Behandlungsmöglichkeit bei harmlosen Erkrankungen und viele sinnvolle Möglichkeiten zur Prävention. Neben physikalischen und manuellen Maßnahmen wie beispielsweise Yoga, Chi Gong oder Osteopathie zählen traditionell die Heilpflanzen dazu, die zum Beispiel als selbst hergestellte Salbe, Tinktur oder Tee oder aber in Form einer fertigen Arznei zum Einsatz kommen.

Zusammenstellung verschiedener Heilpflanzen.
Viele heimische Heilpflanzen lassen sich relativ einfach selbst anbauen. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Heilwirkung afrikanischer Pflanzen bei Krebs

Hierzu zählen zum einen exotische Pflanzen wie Teufelskralle oder Ingwer, wobei gerade afrikanischen Heilpflanzen häufig eine hohe Wirksamkeit zugesprochen wird. So haben beispielsweise Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in Laborversuchen herausgefunden, dass vier getestete Benzophenone aus kamerunischen Pflanzen die Ausbreitung der getesteten Krebszelllinien, einschließlich sensibler und resistenter Phänotypen, verhindern konnten. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse in dem Fachmagazin „Phytomedicine“.

Heimische Kräuter optimal abgestimmt

Trotz der Attraktivität der Exoten weisen Experten auch immer wieder explizit auf Heilkräuter hin, die hierzulande wachsen – denn schon der Volksmund sagt: „Ein Mensch heilt am besten durch das, was aus derselben Erde stammt wie er.” Dass Pflanzen in ihrer natürlich vorkommenden Umgebung am besten wirken, zeigt unter anderem das Beispiel Johanniskraut – denn die Pflanze aus der Familie der Hypericacea erhöht die Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht, sodass auch geringere Mengen an Sonnenlicht ausreichen, um das so genannte „Glückshormon“ Seretonin zu produzieren. Während die Kraft des Johanniskrauts hierzulande daher für viele Menschen sinnvoll erscheint, würde der Effekt in afrikanischen Ländern beispielsweise in Hinblick auf viele intensive Sonnenstunden schlichtweg verpuffen.

Neben dem Aspekt, dass Heilpflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum offenbar besonders wirksam sind, haben heimische Gewächse noch einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber den exotischen Varianten: Sie lassen sich ganz unkompliziert im eigenen Garten anbauen und sorgen so für eine alternative Hausapotheke direkt vor der Haustür.

Naturheilmittel in der Übersicht

Baldrian (Valeriana officinalis)
Baldrian besticht besonders durch sein intensives Aroma – welches Katzen angeblich mögen, für den Menschen hingegen aber eher unangenehm ist. Als Heilpflanze ist der „echte“ Baldrian schon seit jeher bekannt, schon im antiken Griechenland wurde er als Allheilmittel eingesetzt. Ende des 18. Jahrhunderts erkannten Mediziner die beruhigende und schlaffördernde Wirkung von Baldrian – in späteren Studien zeigte Baldrian ähnliche Effekte wie das bekannte Schlaf- und Beruhigungsmittel „Oxazepam“, wobei von der Heilpflanze allerdings deutlich weniger Nebenwirkungen ausgehen.

Wer Baldrian im eigenen Garten anpflanzen möchte, sollte ihm Sonne oder lichten Schatten bieten, der Boden sollte zudem locker und tiefgründig sein, ein humoser oder sandiger Untergrund stellt jedoch normalerweise auch kein Problem dar. Gesät wird entweder im März (unter Glas oder Folie) oder Spätsommer direkt dort, wo die Samen auch geerntet werden sollen.

naturmedizin
Auch eine Weiterverarbeitung der Heilpflanzen zu Tinkturen und Essenzen ist möglich. (Bild: Schlierner/fotolia.com)

Bärlauch (Allium ursinum)
Das Liliengewächs Bärlauch ist artverwandt mit Schnittlauch, Knoblauch und der Zwiebel und zählt als Wildgemüse eigentlich nicht direkt zu den (klassischen) Kräutern, obwohl es in der Küche meist als solches verwendet wird. Als Arzneimittel war Bärlauch schon den alten Germanen und Kelten bekannt – wobei die Heilwirkung insbesondere auf die überwiegend schwefelartigen ätherischen Öle in den Blättern der Pflanze zurückgeführt wird. Diese wirken sich zum einen positiv auf Verdauung, Atemwege, Leber, Galle, Darm und Magen aus, darüber hinaus zeigt sich häufig eine Heilwirkung bei Arteriosklerose, Bluthochdruck und Darmerkrankungen. Zudem soll sich Bärlauch insgesamt positiv auf den Stoffwechsel sowie den Cholesterinspiegel auswirken.

Bärlauch anzupflanzen stellt den Gärtner vor keine große Herausforderung – die Aussaat erfolgt im März und lediglich auf sandigen und trockenen Böden ist es empfehlenswert, ihn mit Kompost zu düngen. Geerntet werden die Blätter dann direkt vor der Blüte im Mai und Juni.

Beinwell (Symphytum officinale)
Beinwell, oder auch „der den Gebeinen gut tut“, ist schon seit über 2000 Jahren als Heilpflanze bekannt, bereits damals galt die Pflanze als hilfreich bei Knochenbrüchen, Verrenkungen und Gelenkbeschwerden. Darüber hinaus finden sich in den Wurzeln spezielle Schleimstoffe, die in Form von Salben und Umschlägen auf die Haut aufgetragen, leichte Entzündungen und Schmerzen lindern und die Wundheilung unterstützen können.

Für den Anbau im Garten werden Wurzelstücke ohne Sprossen im Abstand von einem Meter jeweils 5 bis 8 Zentimeter tief in den Boden gesteckt, wobei der Beinwell es gerne etwas schattig und feucht mag. Die beste Zeit zum Anpflanzen ist von April bis Mai.

Brennnessel (Urtica dioica)
Die Wurzel der Brennnessel erleichtert das Wasserlassen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung und hilft gegen leichte Harnwegsinfekte, die Blätter unterdrücken zudem entzündungsfördernde und knorpelabbauende Eiweiße und können dadurch hilfreich bei Arthritis sein. Darüber hinaus gilt die Brennesel generell als guter Vitamin C-Lieferant.

Da sie in vielen Gärten ohnehin schon vorhanden ist, muss sie nur selten extra angepflanzt werden – wenn doch, dann gedeiht sie optimal in feuchtem und stickstoffreichen Untergrund. Erntezeit ist für die Wurzeln im Spätsommer und für die Blätter der Zeitraum von Frühjahr bis Herbst.

Echte Goldrute / Riesengoldrute (Solidago virgaurea)
Die Goldrute ist seit etwa 700 Jahren als Heilpflanze gegen Harnwegsinfekte wie Beschwerden beim Wasserlassen bekannt, zudem wird ihr eine antientzündliche, leicht krampflösende und vorbeugende Wirkung gegen Blasensteine nachgesagt.

Auch die Goldrute ist ein recht unkompliziertes Gewächs – sie gedeiht sowohl bei viel Licht als auch im Halbschatten, besonders gerne hat sie allerdings lockeren und leichten Boden mit ausreichend Kalk.

Holunder (Sambucus nigra)
Als Heilpflanze ist schwarzer Holunder schon lange bekannt, schon Hippokrates, Arzt im antiken Griechenland, empfahl den Strauch als wassertreibendes Mittel – daher gelten Holunderblüten und -beeren auch heute noch als ein traditionelles Mittel gegen Fieber, Schnupfen und Husten.

Trotz seiner zahlreichen Qualitäten ist der Holunder beim Anbau anspruchslos und gedeiht im Prinzip auf jedem Boden – bevorzugt jedoch auf feuchtem, lehmigen Untergrund mit hohem Humus- und Kalkgehalt. Holundersträucher brauchen viel Platz und wachsen sowohl in der Sonne als auch im Halbschatten – die beste Zeit für die Pflanzung ist der Oktober.

Kamille (Matricaria chamomilla)
Schon von den Germanen als „heilige Pflanze“ verehrt, gilt die Kamille bis heute in der Naturheilkunde als Universalheilmittel: Ob bei Bauchschmerzen oder Halsschmerzen, Schnupfen, Husten oder auch bei Hautproblemen wie Akne – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und die Wirksamkeit in vielen Fällen sehr hoch.

Für den Anbau im eigenen Garten wird humusreicher, etwas lehmiger Boden und viel Sonnenlicht empfohlen. Die Aussaat findet von April bis Mai statt, idealerweise in Reihen mit etwa 30 Zentimeter Abstand – je mehr Abstand zwischen den einzelnen Kamillepflanzen besteht, desto besser können sie sich verzweigen und ihre Blüten ausbilden.

Pfefferminze (Mentha piperita)
Die Hauptwirkstoffe der Pfefferminze befinden sich im ätherischen Öl – dem Pfefferminzöl – welches entkrampfend und schleimlösend wirkt und dadurch beispielsweise bei Reizdarm helfen kann. Darüber hinaus kann Pfefferminze zum Beispiel äußerlich angewendet auch Kopfschmerzen lindern.

Für die Anpflanzung von Pfefferminze-Pflanzen eignen sich am besten feuchte Standorte mit lichtem Halbschatten, wobei entweder im Frühjahr oder im Herbst gepflanzt wird. Wichtig beim Anbau der Pfefferminze ist die Vermeidung von so genanntem „Pfefferminzrost“ – ein gefährlicher Schädling, der sich vor allem in eng stehenden Kulturen ausbreitet.

Salbei (Salvia officinalis)
Salbei ist schon seit langer Zeit als Heilpflanze gegen Heiserkeit, Halsschmerzen und Zahnfleischentzündungen bekannt, zudem kann Salbei in höherer Dosierung gegen übermäßiges Schwitzen helfen.

Da die Pflanze aus sonnigen, warmen, eher steinigen Umgebungen stammt, gedeiht der Salbei auch hier dementsprechend am besten an Plätzen mit viel Sonnenlicht und durchlässiger Erde. Am besten gelingt die Salbei-Zucht, wenn bereits vorgezogene Pflanzen beim Gärtner gekauft werden und diese dann Mitte Mai ins eigene Beet umgesetzt werden.

Beim Kauf der Pflanzen auf Bio-Qualität achten
Wer seine eigene alternative „Hausapotheke“ im eigenen Garten kultivieren möchte, der sollte jedoch laut Empfehlung des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) bei der Wahl der Bezugsquellen von Heilpflanzen und Heilsträuchern aufmerksam sein. Denn „Wildformen, dauerhafte Kräuter–Stauden und Kleingehölze auch für die Küche – sowie heimische Gehölze bieten nicht alle Baumschulen und Staudengärtnereien und schon gar nicht ein Baumarkt an“, so die Information auf der Website des BUND. Zudem sollten die Pflanzen im Sinne des ökologischen Gedankens „nach Möglichkeit in Bio-Qualität gekauft werden.“ (nr)

Autor:
Dipl. Sozialwiss. Nina Reese
Quellen:
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU): Substanzen aus afrikanischen Heilpflanzen können Tumorwachstum stoppen (veröffentlicht 05.06.2013), uni-mainz.de
  • Kuete, V.; Tchakam, P. D.; Wiench, B.; Ngameni, B.; Wabo, H. K.; Tala, M. F.; Moungang, M. L.; Ngadjui, B. T.; Murayama, T.; Efferth, T.: Cytotoxicity and modes of action of four naturally occuring benzophenones: 2,2',5,6'-tetrahydroxybenzophenone, guttiferone E, isogarcinol and isoxanthochymol; in: Phytomedicine, Volume 20, Issue 6, April 2013, sciencedirect.com
  • Roger Kalbermatten: Wesen und Signatur der Heilpflanzen Reading excerptWesen und Signatur der Heilpflanzen, AT Verlag AZ Fachverlage AG; Auflage: 10, Mai 2019
  • Heinrich Marzell: Geschichte und Volkskunde der deutschen Heilpflanzen, Reichl, Otto Der Leuchter, Januar 1996
  • Eva Fauma: Hausmittel aus Kräutertopf und Garten: Heilpflanzen einfach selbst anbauen, Facultas / Maudrich; Auflage: 1, März 2018

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Ganzheitsprinzip

Drei aufeinander gestapelte Steine auf denen die Elemente des Ganzheitsprinzips, Körper, Geist und Seele, geschrieben steht.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Ganzheitsprinzip: Körper-Geist-Seele

Dieser Artikel von Heilpraktiker Denis Tengler beschäftigt sich mit den Determinanten körperlich-geistig-seelischer Gesundheit gemäß dem Ganzheitsprinzip. Inhaltliche Schwerpunkte betreffen die Themen Ernährung, Bewegung und Einstellung. Ziel des Artikels ist es, dem Leser eine breite Grundlage über die zuvor genannten Themen zu verschaffen. Aufgrund des hohen Grades an Informationsbedarf im Ernährungsbereich soll dieser Teilbereich besonders ausführlich betrachtet werden.


Food can do that!

Wir sind verwirrt. Verwirrt über verschiedenste Ernährungsrichtlinien, die sich nicht selten etwas widersprechen oder sich gar gegenseitig ausschließen. Dieser Artikelabschnitt soll Ihnen einen objektiven Eindruck über die verschiedenen Ansichten dieser Thematik – und vor allem zur Entstehung dieser Ansichten – verschaffen.

Verschiedene einschlägige Thesen werden gestützt auf entsprechende Studien zu den Ernährungsgewohnheiten formuliert. Drei vielfach vertretene Thesen werden im Anschluss ausführlicher dargestellt und sollen einen Einstieg in die Problematik ermöglichen. Es wurden Thesen ausgewählt, die hervorragend demonstrieren, welche Probleme es mit sich bringt, wenn man den Menschen als ganzheitliches Geschöpf in Resonanz mit seiner Umwelt ausklammert und versucht, Modelle zu generieren, die es in der von uns geschaffenen Realität niemals geben kann.

Drei aufeinander gestapelte Steine auf denen die Elemente des Ganzheitsprinzips, Körper, Geist und Seele, geschrieben steht.
Aus ganzheitlicher Sicht kann Gesundheit nur entstehen, wenn die Bereiche Körper, Seele und Geist im Einklang stehen. (Bild: New Africa/fotolia.com)

These 1 besagt, dass genetisch determinierte Reaktionsweisen auf Stress unser Gewicht fast vollständig vorgeben, Änderungen der Ernährungsweise seien vernachlässigbar. Hierbei werden zwei Reaktionstypen definiert:

  • Typ 1 reagiert auf Stress mit einer Verlangsamung des Stoffwechsels und wird daher fett. Will dieser Typ eine Diät befolgen, entsteht noch mehr Stress und die Person nimmt weiter zu.
  • Typ 2 reagiert auf Stress mit einer Beschleunigung des Stoffwechsels und nimmt daher ab.

Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass der Mensch, der dem Typ 2 angehört, sich einfach nur mehr negativem Stress aussetzen müsste, um abzunehmen. Zugleich bedeutet dies, dass Typ 1 sämtliche Bemühungen um eine Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten sofort beenden könnte, weil keinerlei Hoffnung auf eine Gewichtsreduktion in Sicht sein kann. Sein Ziele müsste die Stressvermeidung sein, um auf diesem Wege auch überflüssige Pfunde zu verlieren.

Kritik:
Gesundheitsrelevante Aspekte der Ernährung in Bezug auf die einzelnen Organsysteme wurden nicht untersucht. Optimierungen des spezifischen Stoffwechsels unter angemessener Ernährungsumstellung ist nicht berücksichtigt. Veränderung des psychischen Befindens bei gesunder Ernährung werden nicht beachtet.Eine Veränderung der Körperzusammensetzung (Fett/Muskelmasse) bleibt unberücksichtigt. Körperliche Parameter außer dem reinen Körpergewicht in Kilogramm wurden zur Überprüfung der These bislang nicht herangezogen.

These 2 kommt aufgrund entsprechender Statistiken aus verschiedenen Ländern weltweit zu dem Schluss, dass – in Bezug auf die Lebenserwartung – es eher gesund ist, dick zu sein. Als Datengrundlage dient eine nicht weiter definierte Sterbezahl verschiedener Regionen, die anschließend ins Verhältnis zum Körpergewicht der Todesopfer gesetzt wird. Das Ergebnis: Weltweit sterben mehr dünne, als dicke Menschen.

Kritik: Die bisher vorgelegten Studien besitzt keinen wissenschaftlichen Wert, denn es handelt sich nicht um einen aussagekräftigen Vergleich.Die Lebensqualität der Gestorbenen wurde in den Statistiken nicht berücksichtigt. Ob beispielsweise auszehrende Grundkrankheiten, Bettlägerigkeit etc. vorhanden waren, wurde nicht beachtet.

These 3 geht davon aus, dass man dem Abbruch einer Diät automatisch zunimmt und dass der (Diät-)Effekt etwas größer ist, wenn man parallel zur Umstellung der Ernährung Sport treibt.

Hier stellt sich dir Frage, ob es nicht vielmehr so ist, dass Alltagsbemühungen im Diätbereich nur dadurch von Erfolg gekrönt werden, dass man es langfristig schafft, eine für sich selbst passende Ernährung zu finden, ohne dabei einen spezifischen Gewichtsverlust realisieren zu wollen? Eine „Diät“ kann nur dann motivierend befolgt werden, wenn es sich um eine auf Dauer zu verwirklichende Anpassung hin zu einer gesünderen Lebensweise handelt. Hiermit steigen wir in die Kernthematik dieses Artikels im Ernährungsabschnitt ein.

Einer gesunden Lebensweise entspricht es nicht, den Bedarf des Menschen anhand einer bestimmten Kalorienzahl zu ermitteln und diesen mit Schokolade und Chips zu decken. Dadurch verlieren wir im besten Fall nur wertvolle Muskulatur, während parallel dazu unser Körper seine eigenen Vitamin- und Mineralspeicher aufbrauchen wird und die Verdauungsorgane auf Höchstleistung arbeiten müssen.

Ernährung und Gesundheit

Gesunde Ernährung ist keine Therapie an sich, sondern überhaupt erst die Basis, um therapierbar zu werden. Passend weist eine neue, bahnbrechende Studie nach, dass Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs unter gesunder Ernährung eine verbesserte Therapierbarkeit aufweisen. Gleiches gilt für Patienten mit Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Diabetes Mellitusanderen Erkrankungen. Der Einstieg ins Ganzheitsdenken? Was hier als neue Erkenntnis präsentiert wird, wusste die Erfahrungsheilkunde seit tausenden von Jahren und die forschende Ernährungsmedizin, die damals vielleicht noch nicht so genannt wurde, seit hunderten von Jahren.

Hierzu ein Praxisbeispiel aus der Naturheilpraxis: Ein Kollege aus dem Sportbereich wird von einer Osteoporose-Patientin besucht. Ihr Zustand, vor allem im Rückenbereich ist so miserabel, dass keine schmerzlose Bewegung mehr möglich ist. Langfristige Bemühungen mit den gängigen hormonellen Behandlungsformen und anderen Therapien mit dem Ziel der Verbesserung der Kalziumaufnahme in das Skelett, schlugen leider fehl, der Zustand verschlechterte sich zusehends. Der neu hinzugezogene Therapeut begann mit einem systematisch progressivem Krafttraining, das zu Beginn so minimal ausfiel, dass quasi kein Widerstand gegeben war. Zudem wurde die Ernährung auf naturbelassene Lebensmittel umgestellt.

Nach wenigen Wochen war die Patientin fast schmerzfrei und eine weitere ärztliche Untersuchung sollte sich anschließen. Die Untersuchungen beim Facharzt wiesen auf eine signifikante Verbesserung der Kalziumaufnahme und auf einen deutlichen Rückgang der osteoporotischen Veränderungen hin. Auf die Frage der Patientin, ob es daran liegen könne, dass sie ein Krafttraining aufgenommen und Ihre Ernährung umgestellt habe, antwortete der Facharzt: „Nein, das ist nicht möglich, es muss daran liegen, dass nach so vielen Jahren doch noch eine Wirkung aus der Medikation entstanden sein muss.“

Die sportwissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen schon lange, dass sich mit angemessenem körperlichem Training auch gezielt in lokalen Bereichen des Körperskeletts der Calciumstoffwechsel positiv beeinflussen lässt. Dies stellt nichts weiter als die reine Funktion des Bewegungsapparats als Reaktion auf die physiologische Nutzung dar. Wird die Funktion nicht genutzt, ist Denaturierung in Form von Atrophie die Folge. Entsprechende Medikationen können also ohne die Wiederherstellung der Funktion als solche durch körperorientierte Therapie nicht ideal wirken. Der Ernährung und Bewegung muss bei Gesunden wie Kranken der Stellenwert beigemessen werden, der ihnen zusteht. Entsprechende Ansätze sollten mindestens als Ergänzung gesehen werden und können im Einzelfall auch die Primärbehandlung bilden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen ist hier das Stichwort.

Aufgrund unserer ungesunden Lebensweise wird eine vernünftige Ernährung zunehmend zur Ausnahme statt zur Regel. Die folgenden Richtlinien werden Ihnen dabei helfen, eine für Sie selbst passende, gesunde und schmackhafte Ernährung zusammenzustellen. Im eigentlichen Sinne geht es aber darum, „Diät“ als dauerhafte Lebensweise zu verstehen, und nicht um kurzfristige Gewichtsregulation. Mit einer für Sie passenden Kombination aus Ernährung und Bewegung kommen Sie automatisch in die für Sie persönlich beste Form mit niedrigem Körperfettgehalt und ausreichend Muskelmasse. Möglich ist es jedoch, dass aufgrund von Drüsenfehlfunktionen und starken Stoffwechselbelastungen eine Gewichtsabnahme zunächst nur bedingt erfolgreich sein kann. Dann ist therapeutische Hilfe notwendig, um die Körperfunktionen wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen.

Verzicht, auch auf denaturierte Lebensmittel

Eine angemessene Basiskost ist immer einfach. Stark weiterverarbeitete und genetisch veränderte Lebensmittel kommen darin nicht vor. Grund dafür ist, dass ein natürliches Lebensmittel genug oder sogar mehr von dem mitliefert, was unser Körper benötigt, um die zugeführten Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette auch tatsächlich verarbeiten zu können; also Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme, Hormonvorstufen, Biophotonen etc. Je weiter ein Lebensmittel verarbeitet wurde, desto mehr eigene Reserven muss der Körper aufbrauchen, um die Verdauung aufrecht zu erhalten. Auch vernünftige Lebensmittel sollten nicht im Übermaß konsumiert werden. Die Dosis ist entscheidend. Der Körper benötigt circa 70 Prozent seiner täglich verbrauchten Energie zur Aufrechterhaltung einer regelmäßigen Verdauung.

Regelmäßiges Fasten im Jahresrhythmus unterstützt die Heilung und fördert die innere Reinigung. Generell sollten Sie sich leicht unterkalorisch ernähren, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Lieber etwas zu wenig, als etwas zu viel, dabei aber nicht untertreiben. Achten Sie auf den „Wohlfühlfaktor“ beziehungsweise entwickeln Sie ein Gefühl dafür, wie viel von welchen Lebensmitteln Ihnen gut tut. Einmal pro Woche bis alle zehn Tage sollten Sie zudem einen Entlastungstag durchführen, an dem Sie vor allem auf tierische Lebensmittel verzichten und leichter verdaubare Lebensmittel in den Vordergrund stellen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie es in Ihrer Basisernährung noch nicht schaffen, sich dauerhaft gut zu ernähren.

Im Lebensmittelgeschäft

Bevorzugen Sie Bioprodukte! Der verminderte Gehalt an Pestiziden und weiteren toxischen Substanzen rechtfertigt den höheren Preis. Verzichten Sie allgemein auf Lebensmittel, denen Stoffe zugesetzt wurden, die mit dem eigentlichen Lebensmittel nichts zu tun haben (Zucker, E-Stoffe, Schwermetalle etc.) Lesen Sie die Zutatenlisten aufmerksam durch! Sie werden merken, dass einige Hersteller selbst Lebensmittel zuckern, von denen Sie dies nie erwartet hätten, wie beispielsweise Fleisch und den größten Teil der Lebensmittel in Konserven. Wenn Sie, um dabei zu bleiben, Gemüse kaufen, sollte auch nichts außer Gemüse enthalten sein. Bereiten Sie Ihre Lebensmittel möglichst frisch und schonend zu (zum Beispiel Dünsten von Gemüse, Rohkost bei Verträglichkeit), damit nur wenige Nährstoffe verloren gehen.

Tierische Lebensmittel als Eiweißspender

Verzichten Sie insbesondere auf Wurstwaren, die meist aus „Abfallprodukten“ bestehen. Auch Schweinefleisch ist für den Körper eher problematisch zu verarbeiten und kann zu verschiedenen pathologischen Erscheinungen führen. Übrigens scheinen diese Probleme weniger bei Pferde- und mehr bei Schweinefleisch zu entstehen; dies nur am Rande für den zuletzt erlebten Pferdefleischskandal. Wild, einschließlich Hase und Pferd, wird vom Körper saurer verstoffwechselt als andere Fleischsorten, weshalb Sie den Konsum einschränken sollten.

Weitestgehend verzichten sollten Sie auf Lebensmittel aus Masttierhaltung/ Massentierhaltung – egal um welches Fleisch oder Tierprodukt es sich handelt. Tierische Lebensmittel sollten Sie, wenn Sie solche konsumieren möchten, vornehmlich in Form von Geflügel, Eiern, Käse und Fisch konsumieren – und zwar in nicht zu großen Mengen. Fügen Sie diesen Lebensmitteln großzügig Kräuter und Gewürze zu, um das Verdauungssystem nach der Aufschlüsselung der Nahrungsbestandteile bei der Passage zu unterstützen. Essen Sie vorher einen kleinen Salat, auch dieser wirkt sich positiv auf die folgende Verdauung tierischer Lebensmittel, insbesondere von Fleisch, aus. Mischen Sie keine tierischen Lebensmittel miteinander (z. B. keine Sahne zum Fisch etc.)

Milchprodukte

Viele Menschen vertragen Milchprodukte nicht gut oder gar nicht. Einige neigen zudem zu immunologischen Fehlreaktionen. Wenn Sie Milchprodukte vertragen, wählen Sie stets Frischmilchprodukte mit dem höchstmöglichen Fettgehalt oder, falls für Sie verfügbar, Rohmilch. Wenn Sie Milchprodukte bisher nicht gut vertragen, probieren Sie dasselbe, denn viel Menschen zeigen keine Unverträglichkeit gegen die Milchprodukte, sondern gegen das, was im Supermarkt davon noch zurückgeblieben ist. Die weite Milchproduktpalette ist leider durch die Pasteurisierung, Ultrahocherhitzung und Homogenisierung an Beistoffen verarmt, sodass ein echter Wert dieser Produkte nicht gegeben ist. Niemand kann ernsthaft behaupten dass ein ursprünglich natürliches Lebensmittel deshalb gesünder wird, weil man ihm einen Bestandteil (i. d. F. das Fett) entzieht und damit eine Reduktion der Kalorienzahl bewirkt. Zudem kann sich eine gesunde Ernährung nicht daran bemessen, möglichst kalorienarme Lebensmittel vorzuziehen, damit die Gesamtzufuhrmenge in Gramm pro Tag erhöht werden kann, wie so oft empfohlen.

Qualität geht vor Quantität. Das Milchfett, um dabei zu bleiben, hat sich als antiarteriosklerotisch (= Gefäß schützend) und lipolytisch (=Fettstoffwechsel anregend) erwiesen. Die Auswahl von Magerprodukten bringt also nicht nur in geschmacklicher Hinsicht keine Vorteile, sondern wirkt sich weniger förderlich auf unsere Gesundheit aus. Übertreiben sollten Sie es aber auch mit frischen Milchprodukten nicht. Probieren Sie stattdessen gelegentlich Alternativen aus Schafs- oder Ziegenmilch. Auch etwas natürlicher, kalt geschleuderter Bio-Honig kann die Verträglichkeit verbessern.

Kohlenhydratquellen

Gute Kohlenhydratquellen sind Naturreis, Trockenfrüchte, kalt geschleuderter Honig, Kartoffeln, Hülsenfrüchte sowie Vollkornprodukte und natürlich(!) auch Obst, obwohl es einen eher geringen Kohlenhydratanteil besitzt. Selbstverständlich vorausgesetzt, Sie vertragen das jeweils genannte Lebensmittel. Verzichten Sie auf Produkte, die mit ausgemahlenem Mehl und Zucker verarbeitet werden. Orientieren Sie Ihren Konsum an Ihrem Verbrauch. Je aktiver Sie sind, desto mehr Kohlenhydrate benötigen Sie wahrscheinlich. Je Sportlicher Sie sind, desto effektiver Verbrennt der Körper Fettreserven und schont die Kohlenhydratspeicher auf der anderen Seite. Hier geht es also vor allem nicht darum, sich an einem Schema wie;

(Körpergewicht x X-Gramm Kohlenhydrate) +
(Körpergewicht x X-Gramm Eiweiß) +
(Körpergewicht x X-Gramm Fett)] =
———————————————————–
Individueller Bedarf

zu orientieren. Wenn Sie schwer körperlich arbeiten oder viele Gewichte im Sport bewegen, brauchen Sie wahrscheinlich etwas mehr Eiweiß. Wenn Sie Kohlenhydrate sehr gut verdauen können, benötigen Sie parallel dazu vielleicht etwas weniger Eiweiß, weil dadurch der Eiweißbedarf gesenkt wird. Orientieren Sie sich bei Bedarf zunächst etwas an einer gegebenen Tabelle, aber passen Sie diese nach und nach an Ihrem persönlichen Bedarf an. Wenn Sie Ihre Ernährung auf natürliche Lebensmittel umstellen, wird Ihre somatische Intelligenz sich mitentwickeln und Ihnen bessere Einblickmöglichkeiten darin ermöglichen, was Sie tatsächlich brauchen. Was für ein Gesamtkollektiv angemessen erscheint, kann – das liegt in der Natur der Sache – nicht für alle Einzelindividuen absolute Gültigkeit haben.

Fettressourcen

Fett ist ein essenzieller Nährstoff in unserer täglichen Kost; gerade auch für Typ II Diabetiker, bei denen jedoch durch eine komplexe Stoffwechselstörung nicht nur vornehmlich der Kohlenhydrat- sondern sekundär auch der Fett- und Proteinstoffwechsel betroffen sind. Dies ergibt sich aus der komplexen Funktion des so wichtigen, häufig unterschätzten, Pankreas in seiner synergistischen Arbeitsweise mit dem Leber-Galle-System. Gute Fettquellen stellen einige kaltgepresste Öle, Nüsse, Sahne, Eier und in kleinen Mengen auch Butter dar. Butter wird den gesättigten Fettsäuren zugerechnet. Wie weiter oben gezeigt, stellt dies kein Problem dar, die schematische Einteilung in „gesättigt = schlecht“ und „ungesättigt = gut“ hat nie wirklich existiert. Margarine, die pflanzliches Fett in gehärteter Form sowie häufig diverse weitere Zusatzstoffe enthält und somit kein natürliches Lebensmittel darstellt, ist eher ungünstig. Eine Erhöhung des Cholesterinspiegels durch Fettkonsum ist nur bei Personen mit genetisch bedingter Hypercholesterinämie zu erwarten und zudem bei solchen, die an einer, leider meist selbstverschuldeten, totalen Entgleisung des Stoffwechsels leiden.

Der Körper stellt pro Tag circa ein bis drei Gramm Cholesterin selbst her. Führen wir Cholesterin mit der Nahrung zu, so senkt der Körper seine eigene Cholesterinproduktion, was wir als negative Rückkopplung bezeichnen. Pro Tag kann der Körper 0,5 Gramm Cholesterin aufnehmen, maximal jedoch ein Gramm. Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel sind also, wenn wir vernünftige Fettquellen konsumieren, nicht gegeben. Höchstens kann und wird es so sein, dass sich das Gesamtcholesterin zu Gunsten des gesunden, kardioprotektiven HDL-Cholesterins verschiebt.

Wenn Sie Ihr Cholesterin bestimmen lassen, sollten Sie immer nach HDL und LDL aufschlüsseln lassen. Anderweitig ist die Aussage zwar statistisch verwertbar, da bei den meisten Menschen aufgrund schlechter Ernährung, mangelnder Bewegung sowie dem Konsum von Zigaretten, Alkohol und/oder einer Polymedikation tatsächlich das negative Cholesterin soweit überwiegt, dass eine weitere Aufschlüsselung der Cholesterinwerte nicht erforderlich erscheint. Wer sich damit identifizieren kann, benötigt also keine weitere Aufschlüsselung. Für den Einzelfallmenschen, der seine Lebensweise ändert, wird die genauere Aufschlüsselung indes nötig. Eine Erhöhung der Eigenproduktion von Cholesterin geschieht übrigens durch zu hohe Kohlenhydratzufuhr, durch Alkohol und Zigaretten und durch Bewegungsmangel. Wenn Sie in der Werbung zum Kauf von cholesterinsenkenden Produkten animiert werden sollen, informieren Sie sich vorab, welches Cholesterin denn eigentlich gesenkt wird.

Ballaststoffe

Wichtige Ballaststoffe und weitere relevante Substanzen beziehen wir unter anderem aus frischem Gemüse, Kleie, Leinsamen und auch aus Obst. Natürlich ebenso aus Vollkornprodukten. Gesunde Kohlenhydratquellen, die weiter unten aufgelistet werden, enthalten auch einen hohen Anteil an Ballaststoffen. Die beiden Gruppen Obst und Gemüse sollten den Hauptteil Ihrer täglichen Kost ausmachen, da diese die Verdauung begünstigen und zudem eine Fülle an essenziellen Stoffen liefern, mit denen der Körper seine Vitamin- und Mineralspeicher füllen kann. Ein hoher Ballaststoffgehalt in der Nahrung bindet zudem unerwünschte Nahrungsbestandteile und hilft bei der Ausscheidung derselben. Auch hiervon kann es natürlich in besonderen Krankheitsfällen Ausnahmen geben. Insbesondere im Leistungssport muss die Ballaststoffaufnahme differenzierter betrachten werden, denn wer eine riesige Nahrungsmenge jeden Tag aufnehmen muss und dabei zu viele Ballaststoffe zuführt, legt seine Verdauung möglicherweise lahm.

Jahreszeitliche Ernährung

Zwar leben wir in einer zivilisierten Gesellschaft in Häusern, besitzen Heizungen und Klimaanlagen, dennoch leben wir auch immer im Kontext der Jahreszeiten, an die sich unser Stoffwechsel anpasst. Dies sollte sich, zumindest in einem gewissen Rahmen, in Ihrer Ernährung widerspiegeln. Wird es wärmer, wächst draußen mehr Obst (= etwas kohlenhydratreichere Lebensmittel), wird es kälter, wachsen mehr Nüsse (= fettreichere Lebensmittel).

Auch unser Hungergefühl symbolisiert uns den Wechsel. So haben wir im Warmen ein größeres Bedürfnis nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln und im Winter mehr Lust auf deftigere, fettreiche Lebensmittel, bei einem generell stärkeren Hungergefühl im Sommer (Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit mit einem ursprünglichen Mangel an Nahrung, sodass der Körper von den eigenen Reserven zehren musste). Hören Sie auf Ihren Instinkt und stellen Sie Ihre Lebensmittelauswahl danach zusammen. Das Hungergefühl ist hier ausschlaggebend, denn bei Verlangen in eine gewisse Ernährungsrichtung, wird sich der Körper auch genau darauf eingestellt haben, anderweitig wäre das Bedürfnis objektiv nutzlos.

Die Zusammensetzung der Ernährung

Die prozentuale Zusammensetzung Ihrer Kost nach Inhaltsstoffen kann Ihnen niemand exakt vorgeben. Gängige Diätmodelle versuchen zumeist, alle Menschen in das gleiche Ernährungsschema zu pressen. Dass dies nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand. Was Ihnen bisher in diesem Beitrag an Informationen an die Hand gegeben wurde, möchte ich hier noch einmal kurz zusammenfassen: Wenn Sie beispielsweise viel Ausdauersport treiben, werden Sie möglicherweise mehr Kohlenhydrate benötigen. Bei einem extremen Sportpensum rücken vielleicht die Fette wieder in den Vordergrund, da ansonsten Ihr Nahrungsmittelvolumen zu sehr ansteigt. Wenn Sie eher weniger Sport treiben, wird Ihre Energiequelle vornehmlich eine angemessene Menge gesundes Fett darstellen. Wenn Sie schwere Belastungen mit Ihrer Muskulatur, sei es in Sport oder Beruf, erbringen müssen, wirkt sich dies sehr wahrscheinlich auf Ihren Eiweißbedarf aus, welcher sich entsprechend erhöhen wird.

Allgemeines zum Stoffwechsel

Unser Ruhestoffwechsel wird zu rund 70 bis 80 Prozent aus Fettsäuren versorgt. Schlafen, Wachen, normales Arbeiten, Hausarbeit, langsames Spazierengehen und vieles mehr sind zum Hauptteil Leistungen, die aus Fettsäuren bestritten werden. Dass unser Gehirn pro Tag 120 bis 150 Gramm Glucose benötigt, dass der Körper nur um die 70 Gramm Leberglycogen speichert und dass die Muskulatur über dies nur 400 bis 600 Gramm Glucose in Form von Muskelglycogen (welches übrigens nur an Ort und Stelle verwendet werden kann, was aber nicht geschieht, wenn man die Muskulatur nicht intensiv nutzt) anreichert, verleitet zu dem unglücklichen Trugschluss, diesen Bedarf durch den Konsum von Einfachzucker ausgleichen zu müssen. Der Körper synthetisiert sich die benötigte Glucose im Rahmen diverser Stoffwechselzyklen auch aus kohlenhydratarmen Lebensmitteln selbst und bezieht sie zudem natürlich aus vollwertigen, kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Dass der Mensch puren Zucker in Form von Glucose aufnehmen soll, ist schlicht falsch. Glucose hat indes freilich absolute Relevanz in der Notfallmedizin.

Ihre individuelle Konstitution bestimmt in Ihrem genetischen Programm, welche Lebensmittel für Sie persönlich geeigneter erscheinen, als andere. Dieses Programm hat sich über viele, viele Jahre aus genetischen, sozialen und auch kulturellen Einflüssen in den jeweiligen Herkunftsbereichen der Erde entwickelt und wird gegebenenfalls von Ihnen selbst durch ungünstige Auswahl von Lebensmitteln negativ beeinflusst. Warum sollten alle Menschen die gleiche Nahrung benötigen? Jede Baumsorte benötigt Ihren speziellen Boden, jede Hunderasse ein spezielles Futter, genauso wie jeder Mensch eine individuell passende Ernährung benötigt, um gesund zu bleiben beziehungsweise wieder zu werden. Denn es gibt nicht nur DEN Menschen, wie es auch nicht DEN Baum oder auch nicht DEN Hund gibt.

Bezüglich der individuellen Konstitution können wir in der Heilkunde wichtige Hinweise auf Verträglichkeiten aufzeigen. Ein Beispiel: Bis heute rätselt „die Wissenschaft“, warum Menschen südlicherer Herkunft häufiger an Erkrankungen des Blutes leiden, als wir Menschen im mitteleuropäischen Bereich, während bei uns häufiger andere Erkrankungen vorliegen. Die Lösung liegt in der seit vielen, vielen Jahren bekannten Konstitutionslehre (natürlich nicht in der rein schulmedizinische Konstitutionslehre nach Körpertypen), die den ganzen Menschen mit seinen (Organ-)Schwächen, die nicht nur Schwächen eines Organs beziehungsweise Organsystems, sondern der Gesamtpersönlichkeit darstellen, reflektiert und weitreichende Prophylaxemöglichkeiten bietet.

Allgemeines

Ernähren Sie sich vornehmlich von Gemüse und Obst. Wählen Sie Ihre weiteren Lebensmittel nach Bedarf aus und entwickeln Sie eine eigene somatische Intelligenz. Reagieren Sie auf bestimmte Lebensmittel mit besonderer Müdigkeit, Schmerzen, Blähungen, Nervosität oder anderen Auffälligkeiten, so ist dies ein sicherer Hinweis darauf, dass Sie das bestimmte Lebensmittel nicht vertragen oder aber zumindest zu viel davon gegessen haben. Ernährung ist immer auch kultur-evolutionär determiniert. Farbige und Asiaten vertragen zu einem höheren Prozentsatz keine Milchprodukte, als Weiße. Europäer können meist kein Soja verdauen, Asiaten dagegen meistens schon. Finden Sie Ihre eigene passende Ernährung und halten Sie sich dabei an die oben genannten Richtlinien. Genießen Sie Ihr Essen! Selbst das gesündeste Mahl kann nicht optimal vom Körper verwertet werden, wenn Sie das ausgewählte Gericht nicht mögen. Verzichten Sie auf Hast und Hektik beim Essen und entspannen Sie sich. Nehmen Sie Ihre Mahlzeiten bevorzugt warm ein, egal ob es sich um Flüssigkeit oder feste Nahrung handelt. Eine Mikrowelle ist zwar praktisch, aus gesundheitlicher Sicht jedoch eher ungünstig.

Essenszeiten

Starten Sie nüchtern in den Tag. Das bedeutet nicht, dass Sie auf Ihr Frühstück verzichten sollen, wenn es Ihnen gut tut. Beginnen sollten Sie den Tag aber mit einem halben Liter lauwarmer bis warmer Flüssigkeit (Wasser, Tee), um Ihre Ausscheidung zu fördern. Probieren Sie aus, wie viele Mahlzeiten zu welchen Uhrzeiten Ihnen am besten bekommen. Vielleicht fühlen Sie sich mit vielen kleinen Mahlzeiten wohler oder aber das genaue Gegenteil ist der Fall und wenige, dafür größere Mahlzeiten wirken sich positiv auf Ihre Leistungsfähigkeit aus.

Möglich ist auch, dass Sie mit nur einer geringen Kalorienzufuhr am besten über den Tag kommen und abends den Hauptteil Ihrer Nahrung konsumieren. Manch einer schläft schlecht mit vollem Magen, ein anderer dafür umso besser. Fühlen Sie sich mit Obst morgens wohl oder machen Ihnen die Gärungsprozesse zu schaffen? Vielleicht ist dann ein kleiner Salat für Sie morgens günstiger? Jede strikte Ernährung, die von uns fordert, genau das Lebensmittel X zur Uhrzeit Y zu essen, ist in Wirklichkeit nur Illusion und ein Hineinsteigern des jeweiligen Verfassers in unobjektive Dogmen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Allerdings weisen bestimmte Organe bei den meisten Menschen zu bestimmten Uhrzeiten höhere Funktionen im zirkadianen Rhythmus auf, als andere. Hierbei wird es schon interessanter und vor allem nachvollziehbar.

Wenn Sie deutlich an Gewicht verlieren wollen, sollten Sie dies im Übrigen nicht während einer Schwangerschaft anstreben. Im Fettgewebe werden verschiedenste Produkte zwischengespeichert beziehungsweise abgelagert. Wird das Fettgewebe mobilisiert, gehen auch die besagten Produkte wieder in das Blut über. Insbesondere bei Stoffwechselendprodukten und aufgenommenen Giftstoffen kann dies zu Problemen für Sie und Ihr ungeborenes Kind führen.

Der Flüssigkeitshaushalt

Täglich benötigen Sie mindestens 1,5 bis 3 Liter reines Mineralwasser ohne Kohlensäure. Kohlensäure reagiert sauer. Wenn Sie Wasser ohne Kohlensäure trinken, kann sich der Körper aussuchen, ob er Wasser sauer oder basisch verstoffwechselt – eine einzigartige Eigenschaft dieser flüssigen Basis unseres Lebens, von der Fähigkeit der Informationsübermittlung aufgrund des halbkristallinen Zustands ganz zu schweigen. Je nach Wetterlage, Bewegungspensum usw. benötigen Sie vielleicht auch mehr als die oben genannte Menge.

Gutes Wasser kommt aus der Glasflasche und nicht aus Plastikflaschen, aus denen sich chemische Substanzen mit östrogenartiger Wirkung lösen. Aktuelle Untersuchungen weisen nach, dass diese Chemikalien in der entsprechenden Menge als nicht schädlich aufzufassen sind. Nun nehmen wir aber nicht nur Chemikalien aus Wasserflaschen zu uns und zudem stellt dies nicht die einzige Chemikalie dar, die wir aufnehmen. Betrachten Sie die Gesamtbelastung und Sie kommen zu einem anderen Ergebnis. Die (Leitungs-)Wasserqualität in Deutschland schwankt erheblich von Region zu Region und nicht nur nach verwendetem Rohrleitungsmaterial. Internationale Studien lassen uns aufgrund des eingeschränkten nationalen Testverfahrens leider nicht so toll abschneiden, wie oftmals vermutet. Hier sind massive Untersuchungsdefizite vorhanden, die ausgebessert werden müssen. Zusätzliche Filtermaßnahmen für das Leistungswasser sind unter Umständen also nicht weit hergeholt.

Weiterhin sind ungesüßte Tees und in geringen Maßen auch Kaffee empfehlenswert. Beachten Sie jedoch, dass Kaffee die Aufnahme sämtlicher Mineralien hemmt und gleichzeitig deren Ausscheidung fördert. Der entwässernde Effekt des Kaffees ist nur gering ausgeprägt; stärker entwässernd wirkt Tee.

Gegen das gelegentliche Gläschen Wein ist natürlich nichts einzuwenden. Auch ausgemahlene Gemüsesäfte sind sehr gut, durch die industrielle Verarbeitung werden jedoch sehr viele Inhaltsstoffe zerstört. Besorgen Sie sich einen Entsafter, der das Gemüse nicht mit zigtausend Umdrehungen zerstört, sondern es sanft ausmahlt oder wählen Sie Gemüsesäfte aus schonender Herstellung. Mit dem Überschuss können Sie lecker weiterkochen. Verzichten Sie auf Fruchtsäfte, da diese den Insulinspiegel negativ beeinflussen oder trinken Sie frisch gepressten Saft in nur kleinen Mengen bzw. als Zusatz in Ihr Mineralwasser. Trinken Sie nicht (zu viel) zum Essen, damit Sie die Verdauungsenzyme nicht sehr weit verdünnen, was die Aufspaltung der Nahrung beeinträchtigen würde.

Das Salz
Salz, der weiße Tod? Ein Mineral, das essentiell im Körper vorkommt und so weitreichende Funktionen erfüllt, kann zunächst nicht so schlecht sein, wie teilweise behauptet wird. Es macht keinen Sinn, den Salzkonsum auf null herunterzufahren, in der Hoffnung, damit irgendetwas zu erreichen, außer Gegenwehr des Körpers mit Fehlreaktionen. Neben dem gesunden Menschenverstand belegen dies auch aktuelle Studien, die bei totalem Salzverzicht eine Erhöhung des Blutdrucks und eine verminderte Lebensdauer nachweisen, denn nur ein kleiner Teil der Menschen mit Bluthochdruck ist salzsensibel und kommt damit für eine drastische Reduktion in Frage.

Aber: In der Praxis können wir ohne invasive Methoden Personen beschreiben, die den Salzkonsum so stark übertrieben haben, dass das Salz in den Arterien stecken bleibt, deren Gefäßwände buchstäblich wie die biblische Salzsäule erstarren. Auch solche Menschen, die mit Salz völlig unterversorgt sind, obwohl Sie übermäßig viel Salz zuführen. Daher vielleicht auch die vielen widersprüchlichen Studienergebnisse der Vergangenheit. Alles wird immer dualistisch in gut oder böse, in gesund oder krank, in möglich oder unmöglich klassifiziert, statt die Zwischenbereiche zu beachten. Häufig liegt das Problem an der Art des zugeführten Salzes. Sie benötigen natürliches Salz aus Kräutersalzmischungen, aus Meersalz und vielleicht auch aus gewissen Stein/Kristallsalzen und weniger Kochsalz, um eine optimale Versorgung zu erreichen, dann klären sich die meisten „Studienlücken“ ganz von selbst. Übertreiben sollten Sie es mit keinem der Mineralien, wie ich weiter unten noch erläutern werde – aber das wissen Sie sicher schon selbst.

Übersäuerung

Übersäuerung ist aus meiner medizinisch-naturheilkundlichen Sicht ein häufig missverstandenes Wort. Das Blut zum Beispiel kann nicht übersäuern; eine Übersäuerung des Blutes ist mit dem Leben nicht vereinbar. Der Körper verfügt über wirksame Puffer-Mechanismen, um der oft zitierten Übersäuerung entgegenzuwirken. Beispielsweise den Bikarbonatpuffer und sogar die Atmung, über die durch verstärkte Aktivität der Ph-Wert reguliert werden kann.

Statt von Übersäuerung zu sprechen, sollten wir lieber von Überlastungen sprechen. Es liegt auf der Hand, dass einzelne Organsysteme bei einseitiger Dauerüberlastung kollabieren können. Aussagen, dass zum Beispiel für die Zufuhr von Eiweiß keine Obergrenze existiere, da die gängigen Untersuchungen mit einem Nachweis von Nierenschäden durch hohe Eiweißzufuhr sich auf renal vorgeschädigte Patientenkollektive stützten, vernachlässigen die individuellen Unterschiede der spezifischen Stoffwechselleistungsfähigkeit. Ist ein Filterorgan überlastet, müssen weitere Organe einspringen und den vermehrten Anfall von Stoffwechselendprodukten kompensieren. Dass eine Überlastung der Filterorgane nun auch generelle Leistungsminderungen nach sich ziehen kann, wird hier deutlich, denn der Körper funktioniert als Einheit. Was wir aber nicht sagen können, ist wie viel jemand verträgt, bevor die Überlastung eines jeweiligen Organsystems stattfindet. Diagnostizieren lassen sich in der Praxis aber sowohl die Anlage zur Organüberlastung als auch die manifeste Störung.

Abwechslung

Suchen Sie sich einen großen Pool leckerer Lebensmittel, aus denen Sie abwechselnd wählen. Auf diese Weise sinkt das Risiko, durch einseitige Ernährung Mangelerscheinungen zu entwickeln. Gleichzeitig minimieren Sie das Allergierisiko, da Lebensmittelallergien häufig gegen Lebensmittel entstehen, die wir ständig konsumieren, natürlich die Allergieveranlagung vorausgesetzt.

Nahrungsergänzungsmittel

In der heutigen Zeit ist unser Körper (Umwelt-)Belastungen ausgesetzt, die häufig nur schwer kompensiert werden können. Eine zeitweise treffend ausgewählte Ergänzung der Nahrung kann sehr sinnvoll sein, gerade um einen eventuell starken Mangel zu beseitigen, die Verdauung zu entlasten oder eine pharmakologische Wirkung zu erzielen. Auch können gespeicherte Toxine, wie Schwermetalle, durch geschickte Supplementation, ausgeleitet werden. Beachten Sie aber: Die Menge macht auch hier das Gift. Billigprodukte können eventuell nicht verwertet werden und stellen oft eine zusätzliche Belastung dar. Hierzu gibt es übrigens eine sehr gute aktuelle Studie, die den langfristigen, hochdosierten „Missbrauch“ von Calciumpräparaten untersucht hat. In diesem Zusammenhang komme ich wieder auf den Mineralüberschuss von weiter oben zurück. Wen, der auch nur etwas Ahnung von der menschlichen Physiologie besitzt, wundert es, dass sich das Calcium in Organen und Arterien abgelagert und zu arteriosklerotischen Krankheitsbildern, Thrombose und Apoplex geführt hat.

Süßigkeiten, Gebäck, Fastfood

Dass diese in der Basisernährung nichts verloren haben, heißt nicht, dass Sie niemals solche Mittel (denn es sind keine „Lebensmittel“) konsumieren dürfen. Sehen Sie das so genannte Junk-Food als besonderen Bonus, von dem Sie sich von Zeit zu Zeit eine angemessene Menge gönnen. Dann darf das schlechte Gewissen gerne ausbleiben. Die Basisernährung muss stimmen, totaler Verzicht wird den meisten von uns nicht nur keine Vorteile bringen, sondern zusätzlichen Stress generieren.

Die Psyche in der Oecotrophologie

In psychiatrischen Kliniken wurde der Einfluss einer natürlichen Ernährung auf den Therapieerfolg untersucht. In Gefängnissen wurde der Einfluss einer natürlichen Ernährung auf das Aggressionspotenzial und auf Depressionen während der Gefangenschaft untersucht. In Schulen wurde der Einfluss der Ernährung auf das Lernverhalten der Kinder untersucht. Die Resultate sind so klar, wie auch absehbar und müssen daher nicht weiter erwähnt werden.

Wie soll es dem Menschen in seiner Psyche gut ergehen, wenn die Nahrung nicht liefert, was der Organismus benötigt? Wie soll es dem Menschen psychisch wohl ergehen, wenn Stoffwechselendprodukte nicht mehr über die Eliminierungsorgane ausgeschieden werden können und der Organismus sich selbst vergiftet. Wie soll sich eine stabile Psyche entwickeln, wenn diese Basis nicht gewährleistet ist? Wie soll der Mensch sich zu Höherem, Großartigem entwickeln, wenn die untersten Bedürfnisse nicht befriedigt sind?

Pharmaindustrie – Ernährung und Medikamente

Der Pharmaindustrie verdanken wir teils wunderbare Möglichkeiten, sowohl in schulmedizinischer, als auch in naturheilkundlicher Therapie. Betrachtet man auch nur als kleinen Ausschnitt die Substitutionsmöglichkeiten bei Funktionsverlust einzelner Drüsen oder die Optionen der durch Medikamente häufig erst möglich werdenden Organtransplantationen, so kann man weder Schulmedizin noch pharmazeutische Industrie entbehren. Einige gängige Notfallmedikamente sind, berechtigter Weise, auch mir als Heilpraktiker zugänglich – sicher möchte ich zum Wohle meiner Patienten nicht darauf verzichten. Viele rezeptpflichtige und auch frei verkäufliche Medikamente werden aber immer noch völlig falsch verschrieben (Antibiotika bei viralen Infektionen/ vorschnell ohne Antibiogramm, Blutdrucksenker ohne vorhergehende Änderungen der Lebensweise, oder auch nicht verschreibungspflichtige Substanzen wie Eisen bei Eisenmangel ohne die Ursache abzuklären) – das liegt aber nicht an den Produzenten, sondern an den Negativbeispielen derer, die die entsprechenden Verordnungen durchführen, obwohl es in der Universitätsliteratur explizit anders gelehrt wird. Denn die Pharmaindustrie gibt die Medikamente nicht an den Patienten ab. Die bekannte Argumentation mit dem Zeitmangel als Rechtfertigung ist natürlich absurd. Zudem stellt die pharmazeutische Industrie eine Vielzahl relevanter frei verfügbarer Medikamente in Form von beispielsweise Phytotherapeutika, (Multi-)Vitamin- und Mineralprodukten für besondere Ernährungszwecke zur Verfügung.

In der heutigen Zeit der „zweiten Meinung“, in der uns sämtliche Informationswege zu jeder Zeit offen stehen, kann von jedem mündigen Erwachsenen erwartet werden – und das gilt insbesondere für die Angehörigen der Heilberufe – sich selbst ausreichend über eventuelle Nebenwirkungen, die bei Eigenmedikation und bei Abgabe an Patienten vorkommen können, vorab zu informieren, das Risiko einzuschätzen, eine begründete Entscheidung zu fällen und die Verantwortung nicht von sich zu weisen.

Zudem soll sich die Behandlung auch an den Bedürfnissen des Patienten orientieren. Viele Patienten wollen aber gar nicht gesund werden beziehungsweise wollen Ihren Lebensstil nicht ändern, um Gesundheit wieder herzustellen. Für mich liegt es auf der Hand, dass dann schulmedizinische Medikamente nötig sind (die eigentlich nicht gebraucht würden), um das Leben des Patienten, wenn auch auf niedrigerem Niveau, zu sichern. Der Arzt hat in diesen häufigen Fällen keine andere Wahl, um die entstehenden Schäden zumindest hinauszuzögern. Absolut vertretbar aus meiner Sicht. Allerdings bitte nicht auf Kassenrezept zu Lasten aller übrigen Versicherten, sondern mindestens mit Eigenanteil.

Bewegung

Sportliche Betätigung ist für unser Wohlbefinden notwendig. So ermöglicht ein regelmäßiges Bewegungstraining neben dem Erhalten oder Wiedergewinnen der körperlichen Leistungsfähigkeit das Abreagieren von aufgestauten Aggressionen und trägt so zu Ihrer Entspannung bei. Langfristig stabilisiert sich Ihr Immunsystem und das Hungergefühl wird reguliert. Im Folgenden werden speziell das Ausdauer- sowie das Krafttraining für beide Geschlechter erwähnt, da hier jeweils eine sehr sichere und gleichzeitig effektive Trainingsform vorliegt. Natürlich sind auch andere Sportarten beziehungsweise Bewegungsformen sehr gut dafür geeignet, etwas zu Ihrer körperlichen Fitness und Gesundheit beizutragen. Entscheiden Sie sich für etwas, das Ihnen dauerhaft Freude bereitet.

Ausdauersport

Bewegen Sie sich ausreichend im Freien, durch Spaziergänge und/ oder ein adäquates Ausdauertraining (Fahrradfahren, Joggen etc.) mit einer Dauer von 30 bis 60 Minuten. Die Kombination von 2x Krafttraining und 2x Ausdauertraining pro Woche zeigt sich hier als besonders günstig für Ihre Leistungsfähigkeit. Laufen Sie häufig Barfuß. Ausdauersport hat sich als Hirnsubstanzsteigernd und -ökonomisierend erwiesen; ein besonders wichtiger Hinweis als Prophylaxe für Krankheitserscheinungen, die mit einer Degeneration des Gehirns einhergehen.

Krafttraining

Ideal ist zusätzlich ein zwei Mal pro Woche durchgeführtes Krafttraining für 30 bis 45 Minuten mit ausschließlich freien Gewichten, also Kurz- und Langhanteln und entsprechenden Steck- oder Schraubhantelscheiben, die Sie für wenig Geld für zuhause kaufen können. Bestens bewährt haben sich Übungen, bei denen Sie möglichst viele Muskelgruppen gleichzeitig beanspruchen. Diese Übungen können Sie relativ einfach erlernen. Führen Sie die Übungen mit einer Geschwindigkeit aus, die Ihnen jederzeit die volle Kontrolle über das verwendete Gewicht belässt. Pro Übung führen Sie ein bis drei Sätze, bei einer Wiederholungszahl von ein bis 20, aus. Wechseln Sie zwischen mehrwöchigen Trainingsphasen mit höheren (bis 20), mittleren (bis 12) und geringeren (bis 6) Wiederholungen. Entsprechend variieren sie Ihr Trainingsgewicht.

Steigern Sie sich regelmäßig. Durch das oben beschriebene Krafttraining stimulieren Sie optimal die körpereigene Synthese anaboler (= Körpergewebe aufbauender), antikataboler (= Muskelabbau verhindernder) und stoffwechselanregender (= Fett verbrennender) Hormone und weiterer Substanzen wie Testosteron, Wachstumshormon, Insulin, Schilddrüsenhormon, IGF-1 etc.. Trainieren Sie hingegen zu lange und zu häufig bei geringerer Intensität, übertrainieren Sie eher, was die körpereigene Stresshormonproduktion zu stark anregt und Ihre Trainingseffekte mindert. Probieren Sie aus, bei wie vielen Trainingseinheiten Sie sich am besten fühlen. Passen Sie die Intensität Ihrer sportlichen Betätigung Ihrem momentanem Leistungsvermögen an und überfordern Sie sich nicht – fordern sollen Sie sich hingegen schon. Suchen Sie sich einen kompetenten Trainer, der Ihnen die Freigewichtsübungen demonstrieren kann, damit Sie von ihm oder ihr die biomechanisch korrekten Bewegungsabläufe erlernen können.

Entspannung

Sorgen Sie für ausreichend Eustress. Dies ist der positive Stress, den wir durch mentales Training, weitere aktive Entspannungsmaßnahmen und das Aufgehen in Tätigkeiten, die uns Freude bereiten, täglich erleben sollten. Im Gegensatz dazu steht der als Disstress bezeichnete negative Stress, der durch Überforderung im psychischen und physischen Bereich gekennzeichnet ist und sich ungünstig auf unser Befinden auswirkt, was langfristig Krankheitsprozesse begünstigen kann. Wenn Sie nicht gerne in die Sauna gehen, dann sind vielleicht Massagen oder Yoga besser ür Sie geeignet? Nicht jede „Freizeitbeschäftigung“ ist für jeden gleichermaßen empfehlenswert, so wie nicht für jeden Kurpatienten die See oder das Hochland geeignet ist. Ein anstrengendes Basenbad, bei dem der Körper gezwungen wird, den Ph-Wert des Wassers durch Abgabe von H+Ionen zu kompensieren, ist vielleicht nicht das Richtige, wenn die Betroffenen an Säuremangel im Magen leiden, kann ansonsten jedoch zur Entspannung beitragen.

Legen Sie besonderen Wert auf Ihre persönliche Entwicklung in körperlicher, geistiger und seelischer Hinsicht. Gewinnen Sie Freude am Lernen und neuen Erfahrungen. Sehen Sie Herausforderungen und Belastungen als Chance und gestalten Sie Ihren Alltag nach Ihren persönlichen Bedürfnissen. Ihnen stehen jederzeit alle Möglichkeiten in jeglicher Hinsicht offen. Nutzen Sie diese – Sie haben es selbst in der Hand. Was wollten Sie schon immer lernen? Was schon immer machen? Richten Sie Ihr Konsumverhalten danach aus, was Ihnen das Leben leichter macht und nicht danach, was Sie am meisten leiden lässt, weil Sie nur für andere und nicht für sich selbst konsumieren. Wir leben in einer konsumierenden Gesellschaft, also wollen wir auch daran partizipieren – aber bitteschön für uns selbst, um unser Leben angemessen damit zu begleiten. (Denis Tengler, Heilpraktiker)

Autor:
Redaktion Heilpraxis.de
Quellen:
  • Sha, Dr. Zhi Gang: Seele Geist Körper Medizin - Anleitung zur Selbstheilung durch Seelenkraft, KOHA Verlag, 2014
  • Bannasch, Lutz: Die Körper-Geist-Seele-Formel: Ganzheitliche Heilung aus dem Immunsystem, Gräfe und Unzer Verlag, 2009
  • Rosenberg, Kerstin: Die Ayurveda-Ernährung: Heilkunst und Lebensenergie mit wohltuenden Rezepten zur Gesundheitsstärkung, Südwest Verlag, 2011
  • Klemme, Felix: Natürlich sein: Das ganzheitliche Life-Coaching-Programm, Knaur MensSana TB Verlag, 2018
  • Harald Zycha: Natur Ganzheit Medizin, Books on demand, Auflage: 1., 2011

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Gewicht bei der Geburt beeinflusst das Allergie-Risiko

Immer mehr Kinder leiden an Allergien, wobei die Ursachen hierfür vor allem in den Genen und in Umwelteinflüssen gesehen werden. In einer aktuellen Studie wurde nun deutlich, dass auch das Geburtsgewicht einen erheblichen Einfluss auf das Allergie-Risiko von Kindern hat.


Welche Auswirkungen das Geburtsgewicht auf das Allergie-Risiko bei Kindern hat, haben Forschende der University of Adelaide in ihrer aktuellen Studie untersucht. Dabei wurde deutlich, dass vor allem die Wahrscheinlichkeit für Nahrungsmittelallergien und allergische Dermatitis bei höherem Geburtsgewicht deutlich steigt. Schon vor der Entbindung scheinen somit wesentliche Grundlagen für die Entwicklung dieser Allergien gesetzt. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse in dem Fachmagazin „Journal of Allergy and Clinical Immunology“.

Das Geburtsgewicht hat erheblichen Einfluss auf das Allergie-Risiko im Kindesalter. (Bild: freepeoplea/fotolia.com)

Zusammenhang zwischen pränatalen Wachstum und Allergien

Bereits in früheren Untersuchungen hatten sich Hinweise darauf ergeben, dass das Geburtsgewicht im Zusammenhang mit Allergien steht, berichten die Forschenden. In der aktuellen Studie haben sie nun mehr als 15.000 Publikationen durchforstet, knapp 1.900 vollständige Beiträge ausgewertet und darunter 42 Studien identifiziert, anhand derer objektive Aussagen zu Zusammenhängen zwischen dem pränatalen Wachstum und allergischen Erkrankungen möglich sind.

Risiko für Nahrungsmittelallergien und allergische Dermatitis

„Die analysierten Studien umfasste Daten für über 2,1 Millionen Personen mit allergischer Dermatitis, allgemein bekannt als Ekzeme, fast 70.000 Menschen mit Lebensmittelallergien und über 100.000 Menschen mit allergischer Rhinitis oder Heuschnupfen“, berichten die Forschenden. Die Datenauswertung habe gezeigt, dass ein höheres Geburtsgewicht mit einem erhöhten Risiko für Nahrungsmittelallergien und allergische Dermatitis – aber nicht für allergische Rhinitis – in der Kindheit verbunden war.

Nur bei manchen Allergien steigt das Risiko

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein schnelleres fetales Wachstum, das zu einem höheren Geburtsgewicht (bezogen auf die Dauer der Schwangerschaft) führt, ein Risikofaktor für einige, aber nicht für alle Allergien im Kindesalter ist, berichten die Forschenden. Um die Zusammenhänge zwischen dem fetalen Wachstum und der Häufigkeit vieler Allergien bei Erwachsenen zu beurteilen, seien nicht ausreichend Daten verfügbar gewesen. Hier seien nun weitere Studien zur Bewertung des Allergie-Risikos im späteren Lebensverlauf erforderlich, so das Fazit der Forschungsgruppe. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Amy L. Wooldridge, Mark McMillan, MClin, Manpreet Kaur, Lynne C. Giles, Helen S. Marshall, Kathryn L. Gatford: Relationship between birth weight or fetal growth rate and postnatal allergy: A systematic review; in: ournal of Allergy and Clinical Immunology (veröffentlicht 12.10.2019), jacionline.org
  • University of Adelaide: Does growth before baby alter allergy risk in humans? (veröffentlicht: 14.10.2019), blogs.adelaide.edu.au

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.