Bluthochdruck: Diese Fehler bei der Blutdruckmessung unbedingt vermeiden

Ausgestreckter Arm mit Blutdruckmanschette und Blutdruckmessgerät

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Bei Bluthochdruck frühzeitig gegensteuern: Auf was ist bei der Blutdruckmessung zu achten?

Gesundheitsexperten zufolge leiden in Deutschland etwa vier Millionen Erwachsene an einem zu hohen Blutdruck (Hypertonie), ohne dies zu wissen. Für diese Personen steigt das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Nierenschädigung zu erleiden erheblich, weil Bluthochdruck die Organe meist unbemerkt schädigt. Fachleute empfehlen, den Blutdruck regelmäßig zu messen und dies zu protokollieren.


In Deutschland sind insgesamt etwa 20 Millionen Erwachsene von Hypertonie betroffen. Viele ahnen allerdings nichts von ihrem hohen Blutdruck. Das kann gefährliche Folgen haben, denn unbehandelter Bluthochdruck steigert das Risiko für zahlreiche weitere Erkrankungen. Ein Experte der Deutschen Herzstiftung empfiehlt die regelmäßige Messung und Protokollierung in einem Blutdruck-Pass.

Ausgestreckter Arm mit Blutdruckmanschette und Blutdruckmessgerät
Unbehandelter Bluthochdruck steigert das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Daher wird dazu geraten, den Blutdruck regelmäßig zu messen. Experten erklären, worauf dabei zu achten ist. (Bild: Antonio Gravante/fotolia.com)

Blutdruck frühzeitig und regelmäßig messen

„Man sieht ihn nicht und spürt ihn nicht, dies ist das Tückische am hohen Blutdruck. Deswegen wird der Bluthochdruck auch ‚stiller Killer‘ genannt“, erklärt Prof. Dr. med. Heribert Schunkert vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung und Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums München in einer Mitteilung. „So ist es besonders wichtig die eigenen Blutdruckwerte zu kennen, denn nur so lässt sich ein bis dahin unerkannter Bluthochdruck aufdecken“, sagt der Kardiologe.

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Dem Experten zufolge sollte der Blutdruck frühzeitig und regelmäßig gemessen werden – ab Schuleintritt beim Kinderarzt und später im Rahmen der Routineuntersuchung beim Hausarzt. „Die Werte sollten in einem Blutdruck-Pass protokolliert werden, damit der Verlauf dokumentiert ist und beim nächsten Arztbesuch besprochen werden kann“, empfiehlt Schunkert. Um festzustellen, ob ein erhöhter Blutdruck vorliegt, ist eine sorgfältige Messung erforderlich. Folgende Punkte sind hierbei zu beachten:

  • Die Messung frühestens nach fünf Minuten im entspannten Sitzen (ohne körperliche und seelische Belastungen, keinen Kaffee oder Schwarztee trinken) vornehmen, dabei den Unterarm auf einer Unterlage lagern, sodass die Blutdruckmanschette am Oberarm auf Herzhöhe liegt.
  • Bei der ersten Messung an beiden Armen messen; maßgeblich für die Diagnose
    ist der Arm mit den höheren Messwerten. Im Folgenden sollte immer an diesem Arm gemessen werden.
  • Der Blutdruck sollte zwei- oder dreimal hintereinander, jeweils mit einer halben Minute Pause, gemessen werden. Erfahrungsgemäß kommt es mit der Zeit zu einem gewissen Blutdruckabfall. Maßgeblich für die Diagnose ist der Durchschnittswert der letzten beiden Messungen.
  • Bei erhöhten Blutdruckwerten ist es ratsam den Blutdruck mehrmals am Tag und an mehreren Tagen in der Woche zu messen und die Werte zu protokollieren. Dieses Blutdruck-Protokoll (Blutdruck-Pass) sollte mit zum Arzt genommen werden, um die Problematik zu besprechen.
  • Auch wenn nur der obere oder der untere Wert (systolisch, diastolisch) erhöht ist, spricht man von Bluthochdruck.

Der Blutdruck kann grundsätzlich auch am Handgelenk gemessen werden. Hierzu sollten Geräte verwendet werden, deren Messgenauigkeit geprüft und durch ein Siegel beispielsweise der Hochdruckliga dokumentiert ist.

Nach der Diagnose ist eine konsequente Therapie erforderlich

Wenn die Blutdruckwerte zu hoch sind, müssen sie unbedingt konsequent behandelt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Gesamtsituation des Patienten, die sich aus Blutdruck, Risikofaktoren und den bereits vorhandenen Organschäden ergibt. Die Therapie beruht auf einer Doppelstrategie bestehend aus Lebensstiländerungen (zum Beispiel gesunde Ernährung, gegebenenfalls Gewichtsabnahme, regelmäßige Bewegung, wenig Salz und Alkohol) und einer medikamentösen Behandlung mit Blutdrucksenkern.

Psychische Faktoren können einen Einfluss haben

Psychische Faktoren können die Blutdruckwerte ebenfalls beeinflussen. Beispielsweise bei der Messung in der Arztpraxis, wenn medizinisches Fachpersonal im weißen Kittel den Blutdruck misst, kann es schon zu erhöhten Blutdruckwerten kommen und das Ergebnis verfälscht werden. Mediziner sprechen in solchen Fällen vom sogenannten „Weißkittelhochdruck“. Dann ist eine 24-Stunden Blutdruckmessung hilfreich, bei welcher durch ein tragbares Gerät der Blutdruck alle 15-30 Minuten gemessen wird.

Wie hoch dürfen die Werte sein?

Doch wie hoch darf der Blutdruck eigentlich sein? Wie es in einer Mitteilung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. heißt, liegt ein Bluthochdruck vor, wenn die Blutdruckwerte bei 140 zu 90 oder höher liegen; bei Menschen ab 80 Jahren über 160 zu 90. Blutdruckwerte darunter werden – bis auf wenige Ausnahmen für Patienten mit Begleiterkrankungen – nicht medikamentös behandelt. Optimalerweise liegt der Blutdruck unter 120 zu 80.

„Das heißt aber nicht, dass der Blutdruck durch Arzneimittel so tief gesenkt werden muss“, so Prof. Dr. med. Martin Middeke vom Hypertoniezentrum München. „Im Gegenteil, das wäre für viele Patienten nicht gesund. Eine Senkung unter 140 zu 90 reicht oft aus. Gerade bei Patienten zwischen 65 und 80 Jahren hat der Arzt bei den Therapiezielen einen großen Ermessensspielraum“, erklärte der Experte. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.