Alkoholallergie oder nur ein heftiger Kater?

Haben Sie eine Alkoholallergie – oder „nur“ zu viel getrunken? So erkennen Sie den Unterschied

Erbrechen, Kopfschmerzen und Übelkeit nach einem durchsumpften Wochenende kennen viele – es handelt sich beim Kater um eine (leichtere) Alkoholvergiftung. Wer ständig zu viel trinkt oder sogar unter Alkoholismus leidet, bei dem gesellen sich Leistungsabfall, Herz-Kreislaufprobleme, kognitive Beschwerden und diverse andere Symptome hinzu. Manche verspüren Beschwerden aber auch, wenn sie nur ein Gläschen trinken. Dann leiden Sie vielleicht an einer Alkoholallergie.


Die Alkoholvergiftung am Wochenende

Was wir als Kater bezeichnen ist nichts anderes als eine Alkoholvergiftung. Durch Flüssigkeit, Vitamine und Mineralien kriegen wir diese wieder in den Griff. Bei der Alkoholallergie ist die Situation jedoch eine andere.

Übelkeit nach übermäßigem Alkoholkonsum ist die normale Folge einer (leichteren) Alkoholvergiftung. Stellen sich aber Magenbeschwerden, Fieber und andere Symptome bereits nach geringem Alkoholgenuss ein, kann es sich um eine Alkoholallergie handeln. (Bild: motortion/fotolia.com)

Alkoholallergie

Wenn Sie die Nacht zum Tag machen und einen Drink nach dem anderen in sich hinein schütten, dann ist der sogenannte Kater normaler Ausdruck einer Vergiftung. Wenn Sie aber nach geringem Alkoholgenuss bereits stark leiden, dann haben Sie vielleicht eine Alkoholallergie.

Was sind die Symptome?

Die Symptome einer Alkoholallergie sind unspezifisch. Sie reichen von Magenbeschwerden über Hautausschlag bis zu Schwellungen im Gesicht und Atemproblemen. Fieber, Niesen und Schluckbeschwerden treten häufig auf.

Analgetika-Asthma-Syndrom

Der Begriff Alkoholallergie ist verbreitet, medizinisch gesehen kann es sich um das Analgetika-Asthma-Syndrom handeln. Alkoholkonsum verstopft die Nase und es kommt zu Atembeschwerden, da der Alkohol die Blutgefäße weitet und die Schleimhäute anschwellen.

Überempfindlichkeit

Von einer Alkoholallergie Betroffene reagieren überempfindlich auf Alkohol, weil ihnen ein Enzym fehlt, das den Abbau des Alkohols im Körper reguliert.

Andere Allergien

Oft haben die Betroffenen indessen gar nicht das Problem mit dem Alkohol, sondern leiden unter anderen Allergien. Sie reagieren also nicht auf den Alkohol, sondern auf andere Stoffe in alkoholischen Getränken. Das können Geschmacksstoffe sein, aber auch Fruchtsäuren. Im Rotwein, Sekt, Branntwein, Bier und Likör ist zum Beispiel Histamin enthalten, und darauf reagieren viele Menschen allergisch. Es handelt sich dann um eine Histamin-Allergie – nicht um eine Alkoholallergie.

Was enthält Histamin?

Wer unter einer Histamin-Allergie leidet, muss nicht nur Rotwein meiden, sondern Schinken, Innereien, Salami, geräuchertes Fleisch, Fisch, Meeresprodukte und lang gereiften Käse.

Abbauprodukte

Bei einer „echten“ Alkoholallergie reagieren die Betroffenen überempfindlich auf Acetaldehyd wie Essigsäure, also Bestandteile und Abbaustoffe des Alkohols. Das lässt sich mit einem Pricktest nachweisen, bei denen die medizinische Fachkraft eine kleine Dosis des Stoffes auf eine offene Hautstelle streicht.

Wie kommt es zu der Reaktion?

Acetaldehyd geht im Organismus Verbindungen mit Eiweiß ein. Bei einer Allergie greift die Immunabwehr jetzt diese Verbindungen an. Ein Problem dabei ist, dass viele Betroffene die Reaktion nicht mit dem Alkoholgenuss in Verbindung bringen, da sie verspätet einsetzt.

Behandlung

Je nach Auslöser verschreiben Arzt oder Ärztin Antihistamika oder Cortisonprodukte. Bis die Ursache geklärt ist, sollten Sie auf Alkohol in jeder Form verzichten.

Asiaten häufiger betroffen

Unter Alkoholallergie leiden mehr Menschen in Ländern Asiens als in Europa. Medizinhistoriker vermuten, dass dies am historisch großen Konsum von Alkoholika in Europa liegt. Im Mittelalter tranken die Menschen in Deutschland zum Beispiel jeden Tag Bier oder Wein, da Gären zu den wenigen Methoden gehörte, Getränke haltbar zu machen. Beweisen lässt sich der Zusammenhang mit dem historischen Alkoholkonsum jedoch nicht, allzumal frühe Nachweise für Bierbrauen aus Regionen stammen, in denen seit langem der Islam Alkoholkonsum verbietet.

Unverträglichkeit

Wenn Sie unter Alkoholunverträglichkeit leiden, gibt es auf Dauer nur eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen: Vermeiden Sie Alkohol. Das gilt auch für Pralinen oder Saucen mit Alkohol.

Was können Sie tun?

Wenn Sie nach mäßigem Alkoholkonsum wiederholt Beschwerden haben, suchen Sie einen Arzt auf, um zu klären, ob es sich um eine Alkoholallergie handelt. (Dr. Utz Anhalt)