Auch das Gehirn nimmt Schaden bei einem überlebten Herzinfarkt

Neue Erkenntnisse: Herzinfarkt kann das Gehirn beeinträchtigen

Forscher haben herausgefunden, dass ein Herzinfarkt nicht nur eine Entzündung am Herzmuskel, sondern auch eine Entzündungsreaktion im Gehirn mit sich bringt. Die Auswirkungen von Herzerkrankungen auf die Gehirnfunktion müssen in Zukunft noch genauer betrachtet werden.


Herzinfarkt nicht isoliert betrachten

Jedes Jahr erleiden rund 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Die schwere Erkrankung darf aus medizinischer Sicht nicht isoliert betrachtet werden – der Myokardinfarkt ist eine „systemische“ Erkrankung, die für den gesamten Organismus Folgen hat und auch Reaktionen in anderen Organen, wie Leber und Milz, nach sich zieht. Dies zeigte sich in einer vor kurzem veröffentlichten Studie österreichischer Wissenschaftler. „Damit haben wir dargelegt, dass der allein aufs Herzen gerichtete Tunnelblick bei einem Herzinfarkt überdacht werden muss“, erklärte einer der Studienautoren. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stellten nun ebenfalls fest, dass dieser isolierte Blick falsch wäre. Sie fanden heraus, dass ein Herzinfarkt auch das Gehirn schädigen kann.

Ein Herzinfarkt bringt nicht nur eine Entzündung am Herzmuskel, sondern auch eine Entzündungsreaktion im Gehirn (Neuroinflammation) mit sich. Das haben Forscher nun herausgefunden. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Entzündungsreaktion im Gehirn

Ein sonst unkomplizierter Herzinfarkt kann auch das Gehirn beeinträchtigen. Das fanden Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) heraus.

Unter der Leitung von Professor Dr. Frank Bengel, Direktor der MHH-Klinik für Nuklearmedizin, konnten sie mit hochmodernen Bildgebungstechniken zeigen, dass ein Herzinfarkt nicht nur eine Entzündung am Herzmuskel, sondern auch eine Entzündungsreaktion im Gehirn (Neuroinflammation) mit sich bringt.

Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlicht.

Andere Organe scheinen nicht gleichermaßen betroffen zu sein

Die Entzündung am Herzmuskel, die nach Herzinfarkt stattfindet, soll zur Heilung beitragen. Sie führt aber bei einer überschießenden Reaktion zu einer weiteren Schädigung und Verschlechterung der Herzfunktion (Herzschwäche).

Bisher wurde angenommen, dass dieser Prozess im Wesentlichen auf das Herz beschränkt ist. Die Ergebnisse der MHH-Forscher zeigen nun jedoch, dass unmittelbar nach einem Infarkt sowie auch im Falle einer später entstehenden Herzschwäche das Gehirn mit einbezogen ist.

Diese Vernetzung zwischen Herz und Gehirn wird wohl über das Immunsystem vermittelt. Andere Organe wie Leber oder Nieren scheinen nicht gleichermaßen betroffen zu sein.

Auswirkungen von Herzerkrankungen auf die Gehirnfunktion

„Diese enge Verbindung zwischen der Entzündung von Herz und Hirn ist neu und wichtig, weil andere Studien gezeigt haben, dass eine Entzündungsreaktion im Gehirn Gedächtnisstörungen und die Entwicklung von Demenz fördern kann“, erläutert Professor Bengel.

Die Auswirkungen von Herzerkrankungen auf die Gehirnfunktion müssen deshalb in Zukunft noch genauer betrachtet und bei der Entwicklung von neuen Behandlungen, die auf eine verbesserte Heilung abzielen, eingeschlossen werden.

Professor Dr. Johann Bauersachs und Professor Dr. Kai Wollert aus der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie haben das Projekt unterstützt. Beide glauben, dass es künftig möglich sein wird, mit entzündungshemmenden Medikamenten nicht nur die Herzinfarktheilung, sondern auch die Entzündung im Gehirn günstig zu beeinflussen.

Entzündungen im ganzen Körper gleichzeitig analysieren

Der Schlüssel für die Studien war die nicht-invasive molekulare Bildgebung, die in der MHH-Klinik für Nuklearmedizin in den vergangenen Jahren erfolgreich ausgebaut und weiterentwickelt werden konnte.

„Mit unseren Techniken können biologische Mechanismen wie eine Entzündung im ganzen Körper gleichzeitig analysiert werden – also auch in Herz und Hirn. Zudem kann wiederholt gemessen werden, um den Zeitverlauf von Veränderungen am gleichen Organismus zu beschreiben“, berichtet Professor Bengel.

Die Forscher nutzten die Positronen-Emissions-Tomografie (PET), mit der sie die genaue Verteilung von sehr geringen Mengen kurzlebiger radioaktiver Substanzen im Körper, sogenannter Tracer, messen können.

Hierdurch werden die biologischen Abläufe sichtbar, an denen die Tracer teilnehmen. PET kann an der MHH in einem Speziallabor für Forschungsexperimente eingesetzt werden, aber auch im klinischen PET-Zentrum zur Versorgung von Patienten. (ad)