Biologisches Alter beeinflusst das Brustkrebsrisiko bei Frauen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie wirkt sich ein erhöhtes biologisches Alter auf das Brustkrebsrisiko aus?

Das sogenannte biologische Alter von Menschen, eine DNA-basierte Abschätzung des Alters einer Person, ist mit dem Risiko der Entwicklung von Brustkrebs verbunden. Wenn Frauen einer erhöhtes biologisches Alter von fünf Jahren haben, verglichen mit ihrem normalen Alter, erhöht dies ihr Brustkrebsrisiko bereits um 15 Prozent.


Die Wissenschaftler des National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Frauen mit einem für ihr Alter erhöhten biologischen Alter, ein stärkeres Risiko für Brustkrebs aufweisen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of the National Cancer Institute“.

Verstärkt ein erhöhtes biologisches Alter das Risiko für Brustkrebs? (Bild: Uwe Grötzner/fotolia.com)

Wie wurde das biologische Alter gemessen?

Das biologische Alter der Teilnehmerinnen wurde durch eine Messung der DNA-Methylierung bestimmt, einer chemischen Modifikation der DNA, die Teil des normalen Alterungsprozesses ist. Die Ergebnisse zeigen für alle fünf Jahre, welche das biologische Alter einer Frau älter war als ihr chronologisches oder tatsächliches Alter, ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Brustkrebs um 15 Prozent. Die Experten vermuten, dass das biologische Alter möglicherweise an Umweltexpositionen gebunden ist. Die Wissenschaftler verwendeten drei verschiedene Maße, die sogenannten epigenetischen Uhren, um das biologische Alter abzuschätzen. Die Uhren messen die Methylierung an bestimmten Stellen in der DNA. Die Forschenden verwendeten diese Uhren, um das biologische Alter zu ermitteln, welches dann mit dem chronologischen Alter verglichen wurde. Sie nutzten hierfür DNA aus Blutproben von mehr als 50.000 Frauen in den USA und Puerto Rico – aus einer anderen NIEHS-Studie. Die Studie wurde speziell entwickelt, um ökologische und genetische Risikofaktoren für Brustkrebs zu identifizieren. Die Mediziner maßen die Methylierung bei einer Untergruppe von 2.764 Frauen, die zum Zeitpunkt der Blutentnahme alle krebsfrei waren.

Was beeinflusst das biologische Alter?

Die Experten konnten so feststellen, dass, wenn das biologisches Alter der Frauen älter als ihr chronologisches Alter war, dies zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos beitrug. Das Gegenteil war überraschenderweise ebenfalls zutreffend, sagen die Mediziner. Wenn das biologische Alter jünger war als das chronologische Alter, erhöhte dies das Brustkrebs-Risiko ebenfalls. Es ist bisher noch unbekannt, wie Schadstoff-Expositionen und Lebensstilfaktoren das biologische Alter beeinflussen können oder ob dieser Prozess rückgängig gemacht werden kann.

Variabilität der Gesundheit durch biologisches Alter besser erfassbar

Die Autoren der Untersuchung hatten sich mit Studien befasst, bei denen epigenetische Uhren verwendet wurden, um die altersbedingte Mortalität vorherzusagen. Da das Alter einer der Hauptrisikofaktoren für Brustkrebs ist, vermuteten die Experten, dass die Beschleunigung der Alterung mit einem höheren Brustkrebsrisiko einhergehen kann. Menschen im gleichen Alter weisen eine unterschiedliche Gesundheit auf, manche sind möglicherweise vollkommen gesund, während andere unter verschiedenen Krankheiten leiden. Diese Variabilität der Gesundheit kann durch das biologische Alter besser erfasst werden als das chronologische Alter, erläutern die Mediziner. Die Verwendung der DNA-Methylierung zur Messung des biologischen Alters könnte dazu beitragen, besser zu verstehen, welche Menschen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Krebs und anderen altersbedingten Krankheiten haben. (as)