Bluthochdruck-Risiko als Folge von Vitamin-D-Mangel in der Kindheit

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Vitamin-D-Spiegel in der Kindheit hat langfristige Auswirkungen auf den Blutdruck

Bluthochdruck kann sich als mögliche Folge eines Vitamin-D-Mangels in der Kindheit entwickeln, so das Ergebnis einer aktuelle Studie amerikanischer und chinesischer Forschender. Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit könnte auch diesbezüglich eine vorbeugende Wirkung haben, berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) unter Berufung auf die Studienergebnisse.


Laut der aktuellen Studie des Forschungsteams um Guoying Wang von der Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health (Boston, USA) besteht ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel in der frühen Kindheit und dem Blutdruck im späteren Lebensalter. Ein anhaltender Vitamin-D-Mangel in der frühen Kindheit sei mit einer Verdopplung des Risikos für zu hohe Werte des systolischen Blutdrucks im späteren Lebensverlauf assoziiert, berichten die Forschenden. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in dem Fachmagazin „Hypertension“ veröffentlicht.

In der frühen Kindheit ist Vitamin D besonders wichtig und bei einem Mangel drohen lebenslange Folgen. Zu diesen zählt laut einer aktuellen Studie möglicherweise auch Bluthochdruck. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Blutdruck

Vitamin D kann nur sehr eingeschränkt über die Nahrung aufgenommen werden. Es wird jedoch im Körper gebildet, wenn die Haut Kontakt mit Sonnenlicht hat. Im Organismus erfüllt das Vitamin D zahlreiche wichtige Funktionen. So ist es beispielsweise erforderlich, um Kalzium für den Knochenaufbau nutzbar zu machen. Auch war aus früheren Studien bereits bekannt, dass ein Vitamin-D-Mangel bei Erwachsenen mit Bluthochdruck in Zusammenhang steht, berichtet das Forschungsteam. Bisher sei es jedoch nicht klar gewesen, ob der Vitamin-D-Status in jungen Jahren den Blutdruck im späteren Lebensalter beeinflussen kann.

775 Kinder untersucht

Das Forschungsteam um Guoying Wang hat im Rahmen der aktuellen Studie die Auswirkung der Vitamin-D-Spiegel im frühen Lebensalter auf den systolischen Blutdruck (SBP) im späteren Kindesalter anhand der Daten von 775 Kindern untersucht, die an einer prospektive Geburtskohortenstudie des Boston Medical Center teilgenommen haben. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr wurden die Teilnehmenden regelmäßig medizinisch untersucht. Dabei wurden auch der systolische Blutdruck und die Vitamin-D-Konzentrationen im Blutplasma gemessen.

Steigendes Risiko bei niedrigen Vitamin-D-Werten

Anschließend suchten die Forschenden nach möglichen Zusammenhängen zwischen niedrigen Vitamin-D-Werten (weniger als 11 ng / ml bei der Geburt; weniger als 25 ng / ml in der frühen Kindheit) und erhöhten Werten des systolischen Blutdrucks im späteren Lebensverlauf. So konnten sie nachweisen, dass ein niedriger Vitamin-D-Status bei der Geburt mit einem um 38 Prozent erhöhten Risiko für einen zu hohen systolischen Blutdruck im Alter von drei bis 18 Jahren verbunden war. Zeigte sich der Vitamin-D-Mangel erst in der frühen Kindheit, führte dies zu einem im fast 60 Prozent erhöhten Risiko.

Verdopplung des Risikos bei anhaltendem Vitamin-D-Mangel

Bestand der Vitamin-D-Mangel bereits bei der Geburt und hielt er anschließend bis in die frühe Kindheit an, verdoppelte sich das Risiko eines erhöhten systolischen Blutdrucks im Alter von drei bis 18 Jahren, berichten die Forschenden. Diese Ergebnisse zeigen, dass ein niedriger Vitamin-D-Status im frühen Leben mit einem erhöhten Risiko für systolischen Bluthochdruck im Kindes- und Jugendalter im Zusammenhang steht, betont das Forschungsteam.

Neue Strategien zur Vermeidung von Bluthochdruck möglich?

Zwar ist ein kausaler Zusammenhang bisher nicht nachgewiesen, da es sich lediglich um eine Beobachtungsstudie handelte. Dennoch könnten die Studienergebnisse dazu beitragen, Strategien für das Vitamin-D-Screening und die Supplementierung in der Schwangerschaft und Kindheit zu entwickeln, um das Risiko einer erhöhten Blutdruckrate über die Lebensdauer zu verringern, so die Hoffnung der Forschenden.

Vitamin-D-Tabletten für Kinder im ersten Lebensjahr empfohlen

Bisher wird in Deutschland die Verordnung von Vitamin-D-Tabletten bei gestillten und nicht-gestillten Säuglingen ab dem Ende der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres empfohlen, da es in dieser Zeit besonders wichtig für den Knochenaufbau ist und bei einem Mangel die Entwicklung einer Rachitis droht, berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) unter Berufung auf die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ). Die Prophylaxe könne bei Bedarf auch im zweiten Lebensjahr in den Wintermonaten fortgeführt werden.

Wie lässt sich der Vitamin-D-Mangel feststellen?

Ein bestehender Vitamin-D-Mangel kann laut Angaben des BVKJ durch die Untersuchung des Blutes relativ einfach festgestellt werden. Eine solche Untersuchung sei zum Beispiel bei Kindern mit bestimmten chronischen Erkrankungen (chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronische Nieren- oder Lebererkrankungen) sinnvoll oder wenn Medikamente eingenommen werden, die den Kalzium- oder Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen. Auch eine hohe Pigmentierung (dunkle Haut) und fehlender Kontakt mit Sonnenlicht seien jedoch als mögliche Gründe für einen Vitamin-D-Mangel zu nennen. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Guoying Wang, Xin Liu, Tami R. Bartell, Colleen Pearson, Tina L. Cheng: Vitamin D Trajectories From Birth to Early Childhood and Elevated Systolic Blood Pressure During Childhood and Adolescence; in Hypertension Vol. 74:421–430 (August 2019), ahajournals.org
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Niedriger Vitamin-D-Spiegel in der frühen Kindheit begünstigt möglicherweise späteren Bluthochdruck (12. August 2018), kinderaerzte-im-netz.de