Bluthochdruck kann offenbar im Zusammenhang mit dem Nervensystem stehen und durch hyperaktive Neuronen ausgelöst werden. Eine Hemmung der neuronalen Aktivität könnte demnach auch neue Behandlungsoptionen eröffnen.
Forschende der University of Missouri und der University of Oxford haben mögliche Zusammenhänge zwischen der Aktivität bestimmter Neuronen im Hypothalamus und der Pathogenese der primären Hypertonie untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Cardiovascular Research“ veröffentlicht.
Welchen Einfluss hat das Nervensystem?
Bluthochdruck ist weit verbreitet und ein bekannter Risikofaktor für zahlreiche weitere Gesundheitsprobleme bis hin zu Schlaganfällen und Herzinfarkten, erläutern die Forschenden.
Als mögliche Ursachen gelten zum Beispiel Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder chronischer Stress, aber auch Nierenerkrankungen, Hormonstörungen und verschiedene weitere Faktoren können nachweisbar zu Bluthochdruck beitragen. Welchen Einfluss das Nervensystem hat, ist bisher allerdings weitgehend unklar.
Zwar hatten frühere Studien bereits darauf hingedeutet, dass bei Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck tendenziell mehr Neuronen in dem Hypothalamus aktiviert sind, jener Hirnregion, die die neuroendokrinen Funktionen und das sympathische Nervensystem steuert, doch blieb unklar, wie dies den Blutdruck beeinflusst, so das Forschungsteam.
Welchen Einfluss hat das Nervensystem?
In der aktuellen Studie überprüften die Forschenden nun an Ratten, inwiefern die Neuronen im sogenannten paraventrikulären Kern des Hypothalamus, die die Freisetzung des Hormons Corticotropin regulieren, auch zu Bluthochdruck beitragen können.
Corticotropin hat als Hormon bekanntermaßen wichtigen Einfluss auf die Funktion des neuroendokrinen und autonomen Nervensystems und ist auch essenziell für die Stressreaktion.
Erhöhte Aktivität von Neuronen
„In dem Tiermodell für primären Bluthochdruck stellten wir eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems fest, das die Kampf-oder-Flucht-Reaktion und viele automatische Körperfunktionen steuert“, berichtet der Studienautor Dr. De-Pei Li von der University of Missouri.
Bei den Ratten mit primärer Hypertonie habe sich nicht nur eine erhöhte Aktivität der Corticotropin-regulierenden Neuronen, sondern auch eine Interaktion mit Neuronen in einer Region des Hirnstamms gezeigt, die für die Regulierung der Herz-Kreislauf-Funktionen entscheidend ist, so das Forschungsteam.
Des Weiteren beobachteten die Fachleute bei den Tieren eine erhöhte Aktivität neuroendokriner Zellen, die die Kommunikation zwischen dem Nervensystem und dem endokrinen System ermöglichen.
Hoffnung auf neue Therapien
Mittels einer Unterdrückung der Aktivität neuroendokriner Zellen konnten die Forschenden den Blutdruck der Ratten erfolgreich senken und sie identifizierten auch einen Rezeptor, der die Kommunikation zwischen den neuroendokrinen Zellen und Neuronen des sympathischen Nervensystems ermöglicht.
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ein Wirkstoff, der diesen Rezeptor blockiert, eine neue Behandlungsmöglichkeit für primären Bluthochdruck darstellen könnte“, ergänzt Dr. Li. Nun gelte es in weiteren Forschungsarbeiten einen solchen Wirkstoff zu finden.
Insgesamt verdeutlichen die Studienergebnisse, dass die hyperaktiven Neuronen im Hypothalamus einen wesentlichen Einfluss auf den Blutdruck haben und zum Ausbruch und Fortbestehen der primären Hypertonie beitragen können. Dies eröffnet jedoch auch neue Ansätze zur Therapie. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- University of Missouri-Columbia: Neuron hyperactivity linked to high blood pressure (veröffentlicht 11.02.2026), missouri.edu
- Hua Zhang, Cody Carter, Marc A. Augenreich, Xunlei Kang, Zhenguo Liu, Daniel J. Davis, Paul R. Carney, Luis A. Martinez-Lemus, Sridhar R. Vasudevan, Ming Lei, De-Pei Li: Unrevealing the role of hypothalamic corticotropin-releasing hormone neurons in blood pressure regulation in hypertension Get access Arrow; in: Cardiovascular Research (veröffentlicht 06.11.2025), academic.oup.com
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