Mit einem einfachen Bluttest lässt sich die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn offenbar bereits Jahre vor dem Auftreten erster Symptome vorhersagen. Damit besteht nicht nur die Möglichkeit einer sehr viel früheren Diagnose, sondern möglicherweise eröffnen sich auch neue Ansätze zur Prävention.
Forschende des Mount Sinai Hospital in Toronto haben einen Bluttest entwickelt, der Morbus Crohn Jahre vor dem Auftreten der typischen Symptome anhand des Proteins Flagellin vorhersagen kann. Den Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Darmkrankheit und dem Protein beschreiben sie in dem Fachmagazin „Clinical Gastroenterology and Hepatology“.
Ursachen von Morbus Crohn unklar
Die chronisch-entzündliche Darmkrankheit Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen und wird typischerweise mit Verdauungsbeschwerden, Bauchschmerzen und Durchfall (ggf. mit Blut im Stuhl) in Zusammenhang gebracht. Auch plagt die Betroffenen oftmals chronische Müdigkeit und ihre Lebensqualität ist erheblich beeinträchtigt, erläutern die Forschenden.
Obwohl in früheren Studien beispielsweise bereits ein Zusammenhang mit der Darmflora nachgewiesen wurde, bleiben die genauen Ursachen der Erkrankungen bisher unklar. Bekannt ist jedoch, dass lange vor dem Ausbruch von Morbus Crohn eine entzündliche Immunreaktion gegen Darmbakterien auftreten kann, so die Fachleute weiter.
Bei Morbus Crohn scheine das Immunsystem eine abnorme Reaktion gegen normalerweise nützliche Mikroben auszulösen. Zudem sei in einer früheren Studie mit einem Test zum Nachweis von Antikörpern gegen Flagellin deutlich geworden, dass Menschen mit Morbus Crohn erhöhte Antikörperspiegel gegen Flagellin von Lachnospiraceae-Bakterien aufweisen.
Welche Rolle spielt Flagellin?
Anhand der Daten aus dem Genetic, Environmental and Microbial (GEM)-Projekts, einer globalen Kohortenstudie mit über 5.000 gesunden Verwandten ersten Grades von Menschen mit Morbus Crohn, überprüften die Fachleute nun, ob ein Test auf Flagellin zur Vorhersage der Erkrankung dienen kann.
Von den anfangs gesunden Teilnehmenden mit erhöhten Erkrankungsrisiko entwickelten laut den Forschenden bislang 130 Morbus Crohn und die Daten bieten damit die seltene Gelegenheit, die frühesten Vorstadien der Erkrankung zu untersuchen, um Zusammenhänge mit Flagellin aufzudecken.
„Wir wollten wissen: Besitzen Risikopatienten, die aktuell gesund sind, diese Antikörper gegen Flagellin?“, erläutert der Studienautor Dr. Kenneth Croitoru vom Mount Sinai Hospital. Anhand der Daten 381 Teilnehmenden des GEM-Projekts, von denen 77 an Morbus Crohn erkrankten, versuchten die Forschenden dies nun zu klären.
Dabei zeigte sich, dass bei bei 28 dieser erkrankten Personen lange vorher erhöhte Antikörperwerte festzustellen waren. „Wir haben nachgesehen, gemessen, und tatsächlich, zumindest einige von ihnen hatten sie“, so Dr. Croitoru.
Bluttest auf Flagellin-Antikörper kann helfen
Damit könnte ein entsprechender Bluttest auf Flagellin-Antikörper bei einem durchaus relevanten Anteil der gefährdeten Personen zur Vorhersage der Erkrankung dienen.
Des Weiteren sei auch deutlich geworden, dass die prädisponierende Immunantwort auf das Flagellin der Lachnospiraceae mit Darmentzündungen und einer gestörten Darmbarriere verbunden ist, typischen Merkmalen von Morbus Crohn.
Und das Vorhandensein von Flagellin-Antikörpern Jahre vor dem Auftreten von Symptomen deute darauf hin, dass diese Immunreaktionen eher eine Ursache als eine Folge der Erkrankung sind, erklärt Dr. Croitoru.
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse das Zusammenspiel zwischen Darmbakterien und Immunreaktionen als entscheidenden Faktor bei der Entstehung von Morbus Crohn und sie verdeutlichen, dass ein Bluttest auf die Flagellin-Antikörper eine frühere Diagnose und damit auch neue Ansätze der Prävention ermöglichen kann. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Richard Y. Wu, Mingyue Xue, Qing Zhao, Sean Jeong, Anne M. Griffiths, Levinus A. Dieleman, A. Hillary Steinhart, Guy Aumais, Brian Bressler, Remo Panacionne, Colette Deslandres, David R. Mack, Charles N. Bernstein, John K. Marshall, Dan Turner, Wei Xu, Lennard W. Duck, Charles O. Elson, Williams Turpin, Sun-Ho Lee, Kenneth Croitoru: Serum IgG response to a Conserved Domain of Commensal Flagellins Predicts Future Risk of Crohn’s Disease in First-Degree Relatives; in: Clinical Gastroenterology and Hepatology (veröffentlicht 11.01.2026), cghjournal.org
- Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute: A simple blood test can predict Crohn’s disease years before symptoms appear (veröffentlicht 12.01.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









