Erhöhte Konzentrationen an Gallensäuren, verursacht durch eine Dysbiose der Darmflora, können die Ausbreitung von Brustkrebs fördern und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit der Betroffenen stark beeinträchtigen. Eine Senkung des Gallensäurenspiegels und/oder eine Modulation der Darmflora erscheinen als vielversprechende Ansätze zur begleitenden Therapie.
Forschende der University of Virginia haben in einer aktuellen Studie die Mechanismen untersucht, über die eine Dysbiose der Darmflora die Metastasierung bei Brustkrebs begünstigt und erhöhte Konzentrationen primärer Gallensäuren als einen wesentlichen Faktor identifiziert. Die entsprechenden Studienergebnisse sind in dem Fachmagazin „Cancer Research“ veröffentlicht.
Zusammenhänge zwischen Darmflora & Krebs
Dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms auch bei Krebserkrankungen eine Rolle spielt, ist durch verschiedene frühere Untersuchungen bereits eindeutig belegt und schon vor rund vier Jahren berichteten Forschende der University of Virginia in dem Fachmagazin „Cancer Immunology Research“, dass die Darmflora das Risiko für Metastasen bei Brustkrebs beeinflusst.
Über welche Mechanismen eine Dysbiose des Darmmikrobioms die Ausbreitung von hormonrezeptor-positivem (HR+) Brustkrebs begünstigt, hat das Forschungsteam um Dr. Melanie Rutkowski nun zunächst an Labormäusen untersucht und die Ergebnisse anschließend an Brustkrebspatientinnen überprüft.
Ansammlung von Gallensäuren
Dabei zeigte sich, dass eine Dysbiose der Darmflora zu einer Ansammlung von Gallensäuren führt, die eine wichtige Rolle bei der Verdauung und dem Stoffwechsel spielen.
Diese Gallensäuren können allerdings auch schädliche Entzündungsprozesse in der Brust auslösen, die letztlich die Ausbreitung von Brustkrebszellen in andere Körperregionen vorantreiben, berichtet das Team.
„Wir haben festgestellt, dass bestimmte Gallensäuren, die bei einer Störung des Darmmikrobioms entstehen, Bedingungen schaffen können, die die Ausbreitung von Brustkrebszellen begünstigen“, betont die Studienautorin Dr. Audrey Putelo.
Eine gestörte Darmflora verliere ihre Fähigkeit, die Zusammensetzung von Gallensäuren zu regulieren und Gallensäuren seien wirkungsvolle Signalmoleküle, die bei mangelnder Regulierung verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit, den Stoffwechsel und das Immunsystem haben können.
Metastasierung begünstigt
So entsteht durch die Ansammlung der Gallensäuren im gesamten Körper ein Umfeld, das die Metastasierung von Brusttumoren begünstigt, ergänzt Rutkowski.
Dies lässt jedoch auch darauf schließen, dass das Risiko der Metastasierung bei Brustkrebs durch die Wiederansiedlung jener Bakterien, die die Zusammensetzung der Gallensäuren beeinflussen, oder durch die Anwendung sogenannter Gallensäurebinder reduziert werden kann.
Neue Ansätze zur Brustkrebs-Therapie
„Da Gallensäuren gemessen und beeinflusst werden können, eröffnet diese Erkenntnis spannende Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Ansätze, um Hochrisikopatientinnen zu identifizieren und die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung zu verringern“, betont Dr. Putelo.
Bei den Untersuchungen an Brustkrebspatientinnen habe sich bestätigt, dass erhöhte Gallensäurespiegel und Insulinresistenz mit einer geringeren Überlebensrate verbunden waren, und Patientinnen mit metastasiertem Krebs, die Medikamente zur Senkung des Gallensäurespiegels erhielten, lebten tendenziell länger, so die Forschenden weiter.
Auch wenn weitere Studien erforderlich seien, um zu klären, ob die Medikamente tatsächlich direkt für die beobachteten positiven Effekte verantwortlich sind, bestehe die Hoffnung, dass ein gezieltes Vorgehen gegen Gallensäuren oder die zugrundeliegende Dysbiose der Darmflora die Behandlungsergebnisse bei Brustkrebs signifikant verbessern kann.
Die Forschenden planen zudem bereits Untersuchungen, um zu ermitteln, ob die Gallensäurebinder eine Ausbreitung des Krebses von vornherein verhindern können, wodurch die Überlebenswahrscheinlichkeit der Betroffenen deutlich steigen würde. So eröffnen die neuen Erkenntnisse insgesamt äußerst vielversprechende Optionen im Kampf gegen Brustkrebs. (vb)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Audrey M. Putelo, Simona Bajgai, Mika K. Poblete, Gabrielle Guido, Mirna Perusina Lanfranca, Qingyi He, Tajbir Raihan, Cara N. Hatzinger, Akshita Mirani, Sree H. Kolli, Daniel S. Lank, Tzu-Yu Feng, Mitchell T. McGinty, Una Miagkov, Asal Pilehvari, Wen You, Thurl E. Harris, Melanie R. Rutkowski: Commensal Dysbiosis Alters Primary Bile Acid Signaling to Drive Mammary Gland Inflammation and Breast Tumor Dissemination Available to Purchase; in: Cancer Research (veröffentlicht 23.06.2026), aacrjournals.org
- University of Virginia Health System: Bile acid buildup drives spread of breast cancer, discovery reveals (veröffentlicht 15.07.2026), eurekalert.org
- Tzu-Yu Feng, Francesca N. Azar , Sally A. Dreger, Claire Buchta Rosean, Mitchell T. McGinty, et al.: Reciprocal interactions between the gut microbiome and mammary tissue mast cells promote metastatic dissemination of HR+ breast tumors; in: Cancer Immunology Research (veröffentlicht 02.11.2022), aacrjournals.org
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.









