Dauerhaft hohe Stressbelastungen sind mit einem verstärkten Rückgang der kognitiven Fähigkeiten verbunden, wohingegen soziale Unterstützung offenbar kognitiven Beeinträchtigungen vorbeugt. Beide Aspekte könnten neue Ansätze zur Prävention von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen eröffnen.
Welche Zusammenhänge zwischen chronischem Stress, sozialer Unterstützung und dem Abbau der kognitiven Fähigkeiten bestehen, hat ein US-Forschungsteam in einer aktuellen Studie untersucht und dabei auch soziodemografische Faktoren berücksichtigt. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Alzheimer’s & Dementia” veröffentlicht.
Stress belastet die Gesundheit
Dass chronischer Stress äußerst nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, ist durch zahlreiche früher Studien hinlänglich belegt und auch Zusammenhänge mit den kognitiven Fähigkeiten wurden bereits nachgewiesen.
So kam beispielsweise eine Studie aus dem vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass das Stresshormon Cortisol das Alzheimer-Risiko bei Frauen erhöht und auch andere Untersuchungen deuteten auf einen Zusammenhang zwischen chronischem Stress und Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten hin.
Welchen Einfluss haben Stress & soziale Unterstützung?
Anhand der Daten von 3.873 Personen im Alter ab 50 Jahren analysierten die Forschenden analysierten nun, inwiefern chronischer Stress und soziale Unterstützung den Abbau der kognitiven Fähigkeiten in verschiedenen Bevölkerungsgruppen beeinflusst.
Die Stressbelastung ermittelte das Team über Fragebögen, in denen Faktoren wie finanziellen Schwierigkeiten, beruflicher Druck, Beziehungsprobleme, gesundheitliche Sorgen und Pflegeverpflichtungen erfasst wurden. Hier gaben die Teilnehmenden auch an, wie sie ihre soziale Unterstützung wahrnahmen.
Im Verlauf der Studie wurden Veränderungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der Sprache und der exekutiven Funktionen mittels kognitiver Tests erfasst und Nachuntersuchungen erfolgten etwa alle zwei Jahre, erläutern die Forschenden.
Aufmerksamkeit, Sprachfähigkeit & Gedächtnis betroffen
Bei der Datenauswertung zeigte sich, dass höherer chronischer Stress zu Studienbeginn mit einem stärkeren Rückgang der Aufmerksamkeit und der Sprachfähigkeit verbunden war – insbesondere bei Frauen. Bei hispanischen Erwachsenen war der höherer chronische Stress zudem mit einem stärkeren Rückgang des Gedächtnisses verbunden, berichtet das Team.
Einen höhere soziale Unterstützung zu Studienbeginn war allerdings laut den Fachleuten unabhängig von dem Geschlecht und der ethnischen Zugehörigkeit mit einem geringeren Rückgang der Aufmerksamkeit verbunden.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass chronischer Stress und soziale Unterstützung wichtige Faktoren sind, die bei der Betrachtung eines gesunden Alterns des Gehirns berücksichtigt werden sollten“, fasst die Studienautorin Prof. Dr. Michelle M. Mielke von der Wake Forest University School of Medicine zusammen.
Auch sei deutlich geworden, dass der Zusammenhang zwischen Stress und kognitiven Veränderungen nicht bei allen Menschen gleich ist. Bei dem Nutzen sozialer Unterstützung durch Familie, Freunde und das soziale Umfeld profitierten allerdings alle gleichermaßen, ergänzt Dr. Mielke.
Nun seien weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um zu verstehen, wie diese Faktoren den kognitiven Alterungsprozess und das Risiko für Alzheimer und andere Demenzformen beeinflussen können.
„Künftige Studien können Aufschluss darüber geben, ob Programme, die chronischen Stress reduzieren oder tragfähige Unterstützungsnetzwerke stärken, dazu beitragen können, die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter zu erhalten“, resümiert Dr. Mielke. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Jillian K. Lee, Leigh Johnson, James R. Hall, James R. Bateman, Michelle M. Mielke: Chronic stress, social support, and domain-specific cognitive decline in HABS-HD; in: Alzheimer’s & Dementia (veröffentlicht 25.08.2026), alz-journals.onlinelibrary.wiley.com
- Wake Forest University School of Medicine: Chronic stress linked to differences in cognitive decline across certain demographic groups, study finds (veröffentlicht 24.09.2026), eurekalert.org
- Arash Salardini, Jayandra J. Himali, Muhammad S. Abdullah, Rima Chaudhari, Vanessa Young, et al.: Elevated serum cortisol associated with early-detected increase of brain amyloid deposition in Alzheimer's disease imaging biomarkers among menopausal women: The Framingham Heart Study; in: Alzheimer’s & Dementia (veröffentlicht 24.04.2025), alz-journals.onlinelibrary.wiley.com
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