Bestimmte Bakterien der Darmflora produzieren Substanzen, die das Risiko für Allergien und Asthma signifikant senken. Gezielte Modulationen der Darmflora und Präparate auf Basis dieser bakteriellen Stoffwechselprodukte könnten demnach einen wesentlichen Beitrag zu Prävention und Therapie der Erkrankungen leisten.
Ein internationales Forschungsteam unter Federführung von Fachleuten der Technischen Universität Dänemark hat untersucht, wie die Besiedlung mit speziellen Bifidobakterien im Säuglingsalter das spätere Risiko für Asthma und allergische Erkrankungen beeinflusst. Die entsprechenden Studienergebnisse sind in dem Fachmagazin „Nature Microbiology“ veröffentlicht.
Einfluss der Darmflora auf das Allergie-Risiko
Mikrobielle Einflüsse in der frühen Kindheit prägen die Immunentwicklung und das Allergie-Risiko und verschiedene frühere Studien hatten bereits auf Zusammenhänge zwischen der Darmflora und allergischen Erkrankungen hingedeutet.
Um mögliche Verbindungen zwischen der Besiedlung mit bestimmten Darmbakterien im Säuglingsalter und dem späteren Asthma- und Allergie-Risiko genauer zu ermitteln, begleiteten die Forschenden 147 Kinder von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr
Der Fokus lag dabei auf bestimmten Bifidobakterien und die Forschenden analysierten Stuhlproben der Kinder auf deren bakterielle Zusammensetzung und die Konzentrationen bakterieller Metabolite. Außerdem wurden anhand von Blutproben die sogenannten IgE-Antikörper gegen Nahrungs- und Luftallergene ermittelt.
Bestimmte Bifidobakterien können schützen
Die Besiedlung mit bestimmten Bifidobakterien führte zu erhöhten Konzentrationen aromatischer Laktate im Darm der Säuglinge und korrelierte invers mit der Entwicklung von Nahrungsmittelallergen-spezifischem IgE bis zum fünften Lebensjahr und dem Auftreten atopischer Dermatitis (Neurodermitis) im Alter von zwei Jahren, berichtet das Forschungsteam.
Begünstigt werde die Besiedlung mit den Bifidobakterien durch natürliche Geburten (kein Kaiserschnitt), Kontakt zu älteren Geschwistern und das Stillen in den ersten zwei Lebensmonaten.
Natürlicher Schutzmechanismus
„Es ist bemerkenswert, dass vaginal geborene Kinder 14-mal häufiger Bifidobakterien von ihren Müttern erhalten“, betont der Studienautor Rasmus Kaae Dehli von der Technischen Universität Dänemark.
Dass auch das Stillen und der Kontakt mit anderen Kleinkindern in der frühen Kindheit zu einer erhöhten Anzahl dieser Bifidobakterien im Darm beitragen, deute auf natürliche Mechanismen hin, die dem Auftreten allergischer Erkrankungen entgegenwirken.
„Unser Lebensstil hat jedoch dazu beigetragen, dass diese Bifidobakterien deutlich seltener geworden sind. Daher ist es wichtig, auch andere präventive Maßnahmen zu untersuchen, die Säuglingen helfen können, die nicht mit ihnen besiedelt sind“, so Dehli.
Stoffwechselprodukt der Bakterien entscheidend
Verantwortlich für die Wirkung der Bakterien sei vor allem die Substanz 4-Hydroxyphenyllactat (4-OH-PLA). So konnten die Forschenden in Labortests mit menschlichen Immunzellen nachweisen, dass 4-OH-PLA die Produktion der IgE-Antikörper durch das Immunsystem hemmt, wobei IgE eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen spielt.
Durch Kontakt mit einem Allergen produzieren wir IgE-Antikörper, die Immunzellen aktivieren und allergische Symptome auslösen können, wenn sie an Allergene wie Pollen oder Nahrungsproteine binden und die Immunantwort des Körpers auslösen, erklären die Fachleute.
Die Folge seien Symptome wie Juckreiz, Ekzeme, Heuschnupfen und in manchen Fällen Asthma und je höher der IgE-Spiegel, desto größer sei das Allergie-Risiko.
In den Laboruntersuchungen war mit natürlichen Konzentrationen von 4-OH-PLA jedoch eine Senkung der körpereigene Produktion des IgE-Antikörpers um 60 Prozent erreichbar, ohne die Produktion anderer Antikörpertypen zu beeinflussen, so das Forschungsteam.
Vielversprechende Ansätze zu Prävention & Therapie
Damit erscheinen die Bifidobakterien und deren Metabolit 4-OH-PLA als vielversprechende Ansätze, um das Risiko für Asthma und allergische Erkrankungen deutlich zu senken. Die Möglichkeit, diese Erkrankungen durch Stärkung der Darmflora in den ersten Lebensmonaten zu verhindern, ist nach Ansicht des Teams äußerst vielversprechend.
„Der entscheidende Durchbruch besteht darin, dass wir nun einen spezifischen Mechanismus identifiziert haben, der die Entwicklung allergischer Reaktionen im Immunsystem bereits im Säuglingsalter unterdrücken kann“, betont die Studienleiterin Prof. Susanne Brix Pedersen von der Technischen Universität Dänemark.
Präventionsstrategie wie beispielsweise durch probiotische Präparate oder angereicherte Säuglingsnahrung könnten hier einen enormen Fortschritt im Kampf gegen Allergien und Asthma ermöglichen.
Aktuelle ist Prof. Pedersen auch an einer Studie am Universitätsklinikum Aarhus beteiligt, die sich mit der Früherkennung und Prävention von Asthma und Allergien befasst, und in deren Rahmen Säuglingen eine Variante der Bifidobakterien verabreicht wird.
Sollten sich die positiven Ergebnisse hier bestätigen, könnten innerhalb weniger Jahre neue Präventionsstrategie für Kleinkinder verfügbar sein und auch für die Behandlung von Allergien und Asthma könnten innerhalb von bis zu zehn Jahre entsprechende Medikamente bereitstehen, so Prof. Pedersen.
Die Technische Universität Dänemark hat zudem bereits ein Patent auf die Verwendung des Stoffwechselprodukts 4-OH-PLA in Arzneimitteln zur Prävention und Behandlung von Allergien und Asthma angemeldet. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Technical University of Denmark: Infant gut bacteria may be the key to preventing asthma and allergies (veröffentlicht 14.01.2026), eurekalert.org
- Pernille Neve Myers, Rasmus Kaae Dehli, Axel Mie, Janne Marie Moll, Henrik Munch Roager, Carsten Eriksen, Martin Frederik Laursen, Ellen Magdalena Staudinger, Ioanna Chatzigiannidou, Pi Lærke Johansen, Niels van Best, Martin O’Hely, Daniel Andersen, Nadja Lund Nørregaard, Mikael Pedersen, Eckard Hamelmann, Susanne Lau, Martin Iain Bahl, Maher Abou Hachem, Tine Rask Licht, Henrik Bjørn Nielsen, Anna Hammerich Thysen, Peter Vuillermin, John Penders, Karsten Kristiansen, Annika Scheynius, Johan Alm, Susanne Brix: Early-life colonisation by aromatic lactate–producing bifidobacteria lowers the risk of allergic sensitization; in: Nature Microbiology (veröffentlicht 12.01.2026), nature.com
Wichtiger Hinweis:
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