Der kranke Mann am Orinoko – Seuchengefahr in Venezuela

Venezuela steckt nicht nur tief in einer ökonomischen und politischen Krise – jetzt besteht akute Gefahr, dass sich Infektionen zu Seuchen ausweiten.


Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch

Das staatliche Gesundheitssystem ist zerfallen, unzählige Ärzte sind aus dem Land geflohen, ehemalige Vorsorgeprogramme gegen Krankheiten existieren nicht mehr. Durch Insekten verbreitete Tropenkrankheiten explodieren: Malaria, Denguefieber und Zikavirus-Infektionen.

Venezeula war einst der Vorreiter Südamerikas im Kampf gegen die Malaria. Jetzt verbreitet sie sich wieder ungehemmt. Der Grund: Das öffentliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. (Bild: mycteria/fotolia.com)

Malaria-Infektionen mehr als verzehnfacht

2010 erkrankten 30.000 Venezolaner an Malaria, 2017 waren es 411.000. Wissenschaftler waren, dass die Malaria sich bald nicht mehr kontrollieren lasse.

Ursache: Zerfall der staatlichen Strukturen

Gründe für das Ausbreiten der Malaria sind der Mangel an Medikamenten sowie die ungenügende Bekämpfung der Mücken, die den Erreger übertragen – dies liegt daran, dass das staatliche Gesundheitswesen zusammengebrochen ist.

Vom Arzt des Südens zum kranken Mann am Orinoko

Venezuela galt in den 1960er als Superstar im Kampf gegen die Malaria. 1961 war die Krankheit in weiten Teilen des Landes ausgelöscht. Doch jetzt herrscht Hyperinflation und es fehlt an Devisen und in der Folge an allem: Lebensmittel sind ebenso Mangel wie Arzneimittel und Hygieneprodukte.

Ärzteproteste

Heute protestieren Medizinerinnen und Ärzte gegen die Regierung von Nicolás Maduro. Der verweigert humanitären Organsationen, das Land zu betreten, während die Krankenhäuser kein Medikamente haben. Dabei stehen direkt an der Grenze Arzneimittel für die kranke Bevölkerung bereit. Maduro behauptet aber, dahinter verberge sich eine militärische Intervention.

Nicht einmal Chlor

In den Kliniken fehlen nicht nur Medikamente. Selbst Chlor, um die Krankenhäuser zu reinigen, ist nicht vorhanden. In den Hospitälern stecken sich Kranke mit weiteren Krankheiten an.

Problem für Südamerika

Die Infektionen bleiben nicht in Venezuela. Um der Katastrophe zu entkommen, verließen 2018 täglich 5.500 Menschen das Land – vor allem in Nachbarländer wie Brasilien und Kolumbien. Und im benachbarten Bundesstaat Roraima verdoppelten sich gleich die Malariafälle.

Klientelismus und Kleptokratie

Venezuela hat die größten Ölvorkommen der Welt und ist somit eigentlich eines der reichsten Länder. Doch es ertrinkt in seinem Öl und verhungert an seinem Reichtum. Der Ölreichtum bedingte eine Klientelwirtschaft und Rentenökonomie, in der die jeweiligen Machthaber ihre Anhänger mit Vergünstigungen überschütteten, während im Landesinneren kaum befestigte Straßen existierten.

Im Abgrund

Die „bolivarische Bewegung“, die Hugo Chávez an die Macht brachte und so auch indirekt den Kleptokraten Maduro, trat an, um die schreiende soziale Ungerechtigkeit zu ändern. Doch heute ist es schlimmer als je zuvor, und in diesem an sich überreichen Land sterben Kindern an Krankheiten, die es längst nicht mehr geben müsste. Medizin aus dem Regenwald wäre eine riesige Ressource, doch jetzt wird der Tropenwald zur Gefahr – als Brutstätte der Moskitos. (Dr. Utz Anhalt)