Der Mensch vernichtete 60 Prozent aller Tiere in den letzten 50 Jahren

Volker Blasek

WWF warnt: Wirbeltierbestand um 60 Prozent gesunken

„Die Erde steht vor einem Burn-Out“, warnt eine der größten internationalen Natur- und Umweltschutzorganisationen. Aus einem aktuellem Report geht hervor, dass der Mensch den Bestand aller wildlebenden Wirbeltiere innerhalb der letzten 50 Jahre um 60 Prozent reduziert hat. Dies sei in erster Linie die Folge des menschlichen Raubbaus an der Natur.


Der World Wide Fund For Nature (WWF) veröffentlichte kürzlich einen erschreckenden Bericht, aus dem hervorgeht, dass der weltweite Bestand an Säugetieren, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fischen dramatisch gesunken ist. Der Mensch habe den Bestand aller Wirbeltiere um 60 Prozent reduziert. Bei den Süßwasser-Tieren sei der Bestand sogar um 83 Prozent gesunken. Zudem seien über die Hälfte aller Korallen innerhalb der letzten 30 Jahre vernichtet worden. Der „Living Planet Report 2018“ kann kostenfrei auf der WWF-Webseite eingesehen werden.

Es wird dunkel in der Tierwelt. Für viele Arten ist unklar, ob für sie die Sonne nochmal aufgeht. (Bild: delbars/fotolia.com)

Der Mensch schlägt Mutter Natur

„Der Druck auf die Tierbestände durch menschliche Aktivitäten hat weiter zugenommen“, schreiben die Umweltschützer des WWF. Die zunehmende Nutzung von naturbelassenen Flächen, Abholzung, illegale Jagd, Überfischung und nicht nachhaltiger Landwirtschaft haben in nur 50 Jahren dafür gesorgt, dass über die Hälfte aller wildlebenden Tiere verschwunden sind.

Schwindelerregende Statistiken

WWF bezeichnet die neusten Zahlen, die die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten auf die Tierwelt, Wälder, Ozeane und Flüsse beschreiben, als schwindelerregend. Die Umweltorganisation verglich die aktuellen Tierbestände von über 4000 Wirbeltierarten mit den Beständen vor 50 Jahren und stellte dabei einen dramatischen Verlust fest. Am schwersten sei der Rückgang bei den im Süßwasser lebenden Tierarten in Zentral- und Südamerika. Hier sei der Bestand um ganze 94 Prozent zurückgegangen. Außerdem wurden 20 Prozent des gesamten Amazonasgebiets und etwa die Hälfte aller Korallenbestände zerstört.

Wir nehmen mehr, als die Erde vertragen kann

„In den vergangenen 50 Jahren ist die Nachfrage nach Gütern aus der Natur enorm angestiegen“, schreiben die Umweltexperten der WWF. Derzeit verbrauche der Mensch die Ressourcen der Erde schneller als die Natur sie erneuern kann. Die WWF beruft sich auf Berechnungen, die zeigen, dass wir bei unserem jetzigen Verbrauch 1,7 Erden bräuchten, um diesen zu decken. Doch wir haben nur eine Erde.

Die Schweiz als negatives Beispiel

Nach Angaben der WWF braucht die Schweiz sogar ganze drei Erden, um den derzeitigen Ressourcenhunger langfristig zu stillen. In der Schweiz gebe es so viele bedrohte Tierarten, wie in kaum einem anderen Land. „Über ein Drittel der Pflanzen-, Tier- und Pilzarten gilt in der Schweiz als bedroht, 255 Arten sind bereits ausgestorben“, so die Bilanz der WWF. Die Qualität der natürlichen Lebensräume nehme fortlaufend ab, sogar in geschützten Gebieten.

Welchen Wert hat unsere Natur?

„Wir müssen dringend überdenken, wie wir die Natur nutzen und welchen Wert wir ihr beimessen – kulturell, wirtschaftlich und auf unserer politischen Agenda“, mahnt Thomas Vellacott, der Geschäftsführer des WWF Schweiz, in einer Pressemitteilung zu dem Report. Eine gesunde und nachhaltige Zukunft für alle sei nur auf einem Planeten möglich, auf dem die Natur gedeiht.

Umweltschutz ist auch Menschenschutz

Neben dem Rückgang der Wirbeltiere ist auch das stark zunehmende Insektensterben bedenklich. „In Wäldern, Ozeanen und Flüssen brauchen wir vielfältiges Leben mit gesunden Pflanzen und Tieren“, erläutert Vellacott. Die Natur sei für die Menschheit unverzichtbar! Die WWF setzt sich nun für einen neuen globalen Deal zwischen Mensch und Natur ein. Dieser Deal soll internationale politische Vereinbarungen enthalten und bis zum Jahr 2020 manifestiert sein.

Welche Zukunft wollen wir?

Nach allen diesen schwerverdaulichen Zahlen gibt es auch etwas Positives zu berichten. Änderungen zeigen Wirkung: Wie die WWF berichtet, haben sich aufgrund von Schutzmaßnahmen die Bestände der bedrohten Buckelwale, Pandas und Tiger in den letzten Jahren erholt. „Diese guten Nachrichten müssen zur Norm werden“, betont Vellacott. Doch dazu bräuchten wir eine vollständige Kehrtwende statt weiter wie bisher.

Im Jahr 2020 wird über die Natur gerichtet

Nach Angaben der WWF sind derzeit viele politische Prozesse im Gange, die eine einzigartige Gelegenheit bieten, den Verlust der biologischen Vielfalt einzudämmen. Im Jahr 2020 überprüfen führende Staats- und Regierungschefs die Fortschritte der nachhaltigen Entwicklung (SDG), des Übereinkommens von Paris (UNFCCC) und des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). „Deshalb rufen wir Menschen, Unternehmen und Regierungen dazu auf, zu mobilisieren und im Entscheidungsjahr 2020 einen umfassenden Deal für Natur und Menschen umzusetzen“, resümiert Vellacott. Hierbei seien alle gefordert: Staaten, Unternehmen, die Finanzwelt, die Wissenschaft, die Zivilgesellschaft sowie auch jede Einzelperson. (vb)