Das Risiko zukünftiger Asthmaattacken lässt sich bereits Jahre vorher relativ verlässlich anhand bestimmter Biomarker vorhersagen. So sind Hochrisikopatientinnen und -patienten offenbar mit einer Genauigkeit von 90 Prozent identifizierbar.
Forschende des Karolinska Institutet und von Mass General Brigham haben in einer aktuellen Studie mögliche Biomarker für die Vorhersage des Risikos von Asthma-Exazerbationen analysiert. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse sind in dem renommierten Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.
Risiko für Asthmaanfälle schwer abschätzbar
Weltweit ist Asthma mit über 500 Millionen Betroffenen eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, wobei die akuten Asthmaanfälle (Asthma-Exazerbationen) einen maßgeblichen Faktor für die gesundheitlichen Folgen bilden, erläutern die Forschenden.
Bislang waren allerdings keine Biomarker bekannt, um Patientinnen und Patienten mit einem hohen Risiko für zukünftige Asthmaanfälle zu identifizieren, und es fehlte damit an Möglichkeiten, um zwischen stabilen Betroffenen und solchen mit Neigung zu schweren Exazerbationen zu unterscheiden, so die Fachleute weiter.
„Eine der größten Herausforderungen bei der Asthmabehandlung besteht darin, dass wir derzeit keine zuverlässige Methode haben, um vorherzusagen, welcher Patient in naher Zukunft einen schweren Anfall erleiden wird“, betont die Studienautorin Prof. Jessica Lasky-Su von Mass General Brigham.
Können Biomarker das Risiko vorhersagen?
Anhand der Daten von über 2.500 Teilnehmenden aus drei Asthma-Kohortenstudien für einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren versuchten die Forschenden daher nun, Biomarker zur Vorhersage zukünftiger Asthmaanfälle zu bestimmen.
Dabei konnten sie einen Zusammenhang zwischen zwei Metabolit-Klassen und dem Risiko für Asthma-Exazerbationen nachweisen. Konkret war das Verhältnis von Sphingolipiden zu Steroiden ein verlässlicher Indikator zur Vorhersage der Asthmaanfälle über einen Zeitraum von fünf Jahren, berichtet das Forschungsteam.
Genauigkeit von 90 Prozent
„Unsere Ergebnisse schließen eine wichtige Lücke. Durch die Messung des Gleichgewichts zwischen spezifischen Sphingolipiden und Steroiden im Blut können wir Hochrisikopatienten mit einer Genauigkeit von 90 Prozent identifizieren und Ärzten so ermöglichen, vor einem Anfall einzugreifen“, betont Prof. Lasky-Su.
„Wir haben festgestellt, dass die Wechselwirkung zwischen Sphingolipiden und Steroiden das Risikoprofil bestimmt. Dieser Verhältnisansatz ist nicht nur biologisch aussagekräftig, sondern auch analytisch robust und eignet sich daher hervorragend für die Entwicklung eines praktischen, kosteneffektiven klinischen Tests“, ergänzt der Studienautor Craig E. Wheelock vom Karolinska Institutet.
Die Fachleute betonen jedoch, dass die Ergebnisse zunächst weiter validiert werden müssen, bevor ein entsprechender Test in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann. Sollte dies positiv verlaufen, könnten sich die Behandlungsperspektiven für Betroffene in Zukunft deutlich verbessern. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Yulu Chen, Pei Zhang, Mengna Huang, Priyadarishini Kachroo, Antonio Checa, Qingwen Chen, Kevin Mendez, Meryl Stav, Nicole Prince, Sofina Begum, Andrea Aparicio, Tao Guo, Rinku Sharma, Su H. Chu, Rachel S. Kelly, Julian Hecker, Ayobami Akenroye, Amber Dahlin, Scott T. Weiss, Michael McGeachie, Craig E. Wheelock, Jessica A. Lasky-Su, The ratio of circulatory levels of sphingolipids to steroids predicts asthma; in: Nature Communications (veröffentlicht 19.01.2026), nature.com
- Karolinska Institutet: New method predicts asthma attacks up to five years in advance (veröffentlicht 19.01.2026), eurekalert.org
Wichtiger Hinweis:
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