Hyalomma Zecke: Erstmals Fleckfieber-Übertragung in Deutschland nachgewiesen

Eine tropische Hyalomma-Zecke

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Tropische Zecke überträgt erstmals Fleckfieber in Deutschland

Schon seit längerem ist bekannt, dass sich die tropische Zecke Hyalomma auch hierzulande wohl fühlt. Nun hat die Riesenzecke offenbar erstmals einen Menschen in Deutschland mit Fleckfieber infiziert. Laut der Universität Hohenheim ist der betreffende Erreger in dem Krabbeltierchen nachgewiesen worden.


In den vergangenen Monaten wurde immer wieder festgestellt, dass sich die Hyalomma-Zecke verstärkt in Deutschland ansiedelt. Nun hat die tropische Riesenzecke wohl erstmals in Deutschland eine Form des Zecken-Fleckfiebers übertragen.

Eine tropische Hyalomma-Zecke
Die tropische Riesenzecke Hyalomma hat offenbar erstmals in Deutschland einen Menschen mit Fleckfieber infiziert. (Bild: Universität Hohenheim / Marco Drehmann)

Erreger in der Zecke nachgewiesen

Wie die Universität Hohenheim in einer Mitteilung berichtet, ist Anfang August hierzulande vermutlich erstmals ein Mann nach einem Stich der Hyalomma-Zecke erkrankt – mit den typischen Symptomen einer sogenannten Rickettsiose. In der betreffenden Zecke konnten Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München den Erreger Rickettsia aeschlimannii nachweisen.

Direktnachweis war nicht möglich

Den Angaben zufolge wurde Ende Juli ein Pferdebesitzer aus der Nähe von Siegen von einer Hyalomma-Zecke gestochen. Er schickte das Tierchen an die Zeckenforscherin Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim.

Nur wenige Tage später kam der Mann mit schweren Krankheitssymptomen ins Krankenhaus. Es bestand der Verdacht auf Zecken-Fleckfieber, verursacht vom Bakterium Rickettsia aeschlimannii. Die Zecke wurde an das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) nach München gesandt, wo der Erreger in der Zecke nachgewiesen werden konnte.

„Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch an Menschen geht“, erklärte die Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim, „sondern es besteht leider auch der dringende Verdacht, dass hier in Deutschland eine Übertragung des Zeckenfleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist.“

Der Patient wurde gezielt mit Antibiotika behandelt und die Symptome bildeten sich schnell zurück. Dass es einen Pferdebesitzer traf, war wohl kein Zufall: Zecken der Gattung Hyalomma saugen vor allem an großen Säugetieren.

„Dass wir von einem Verdachtsfall sprechen, liegt daran, dass ein Direktnachweis des Erregers am Patienten nicht möglich war“, erläuterte PD Dr. Gerhard Dobler, Mediziner am IMB. „Die Behandlung des Patienten stand einfach an erster Stelle. Doch der unmittelbar vorausgegangene Zeckenstich, die typischen Symptome und vor allem der Nachweis des Erregers in der Zecke legen den Schluss nahe, als dass es sich bei dem Fall um Zecken-Fleckfieber handelte.“ Unterstrichen werden dies auch durch die Tatsache, dass die Antibiotikatherapie sofort anschlug.

Hautausschlag gab dem Fleckfieber den Namen

Wie die Experten erklären, verursacht Rickettsia aeschlimannii einen fieberhaften Infekt mit Kopf- und Muskelschmerzen, extremen Gelenkschmerzen und einem Gefühl, als würde man verbrennen. Typisch für die Erkrankung ist aber der Hautausschlag, der dem Fleckfieber den Namen gab: Vor allem an den Extremitäten zeigt sich dieses klassische Zeichen. Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche.

„Bei Verdacht auf Fleckfieber nach einem Hyalomma-Stich sollte an der Stichstelle ein Wundabstrich genommen und zur Untersuchung eingeschickt werden“, so PD Dr. Dobler. „Wer unsicher ist, kann gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Ideal ist natürlich, wenn wir auch die Zecke untersuchen können.“

Überträger gefährlicher Infektionskrankheiten

Ursprünglich sind Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas beheimatet. In Mittel- und Nordeuropa kamen sie bis vor kurzem nicht vor. Mit ihren gestreiften Beinen sind sie eine auffällige Erscheinung, deutlich größer als der normale einheimische Holzbock.

Die erwachsenen Zecken, die Blut vor allem an großen Tieren saugen, sind aktive Jäger und bewegen sich rasch auf ihren Wirt zu. Sie legen dabei eine Strecke von bis zu 100 Metern zurück. Der Mensch ist ebenfalls ein potenzieller Wirt der Tiere. Larven und Nymphen dagegen sind vor allem an Vögeln sowie Kleinsäugetieren zu finden. Sie bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt und können so auch mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden.

Im eurasischen Raum gelten beide Hyalomma-Arten als Überträger des Virus des Krim-Kongo Hämorrhagischen-Fiebers und des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers (Alkhumra-Virus). Und sie übertragen auch das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, das eine Form des Zecken-Fleckfiebers auslöst.

Die Hälfte der Hyalomma-Zecken sind mit Rickettsien infiziert

Den Forschern zufolge sei etwa die Hälfte der Hyalomma-Zecken mit Rickettsien infiziert. Die Übertragung erfolge ausschließlich über die Zecke. „Auch die Zahl der Hyalomma-Zecken in Deutschland liegt in diesem Jahr deutlich höher als im Vorjahr“, berichtete Prof. Dr. Mackenstedt und verwies auf die Veröffentlichung, in der die Situation im Jahr 2018 dargestellt wurde.

Die Hohenheimer Parasitologin kooperiert nicht nur eng mit dem IMB in München, sondern auch mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christina Strube an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover. „2019 haben wir zusammen bis jetzt schon 50 Exemplare in Deutschland gefunden. Letztes Jahr waren es insgesamt 35, davon 17 als Exemplare.“ Vergangenen Winter hatten die Tiere erstmals in Deutschland überwintert.

Doch Überwintern heiße nicht notwendigerweise, dass Hyalomma in Deutschland bereits heimisch geworden ist. „Damit sich eine Population entwickeln kann, müssten sich Männchen und Weibchen finden“, erklärte Prof. Dr. Mackenstedt in einer früheren Pressemitteilung. „Das ist bei geringer Populationsgröße schwierig. Zudem müssten sich Larven und Nymphen entwickeln, die Vögel oder auch Hasen als Wirt benötigen. Ob und wie das hier funktioniert, wissen wir noch nicht. Das müssen wir weiter beobachten.“

PD Dr. Dobler hat aber auch beruhigende Nachrichten: „Rickettsien sind die einzigen Erreger, die wir bisher nachweisen konnten“, so der Experte. „Etwa das Virus, das das gefährliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber verursacht, oder die Krankheitserreger Theileria equi und Babesia caballi, die beide von Zecken auf Pferde übertragen werden können, haben wir bisher nicht gefunden.“

Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten

Das Forschungsteam bittet die Bevölkerung nach wie vor um Unterstützung, um die Ausbreitung und mögliche Gefahren weiter zu erforschen. Wer eine festgebissene Zecke findet, sollte sie am besten wie eine einheimische Zecke mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernen. Anschließend bitte das Tier in einem kleinen, festverschlossenen Behälter an die Universität Hohenheim, Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Fachgebiet für Parasitologie, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart, schicken. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Universität Hohenheim: Tropische Zecke: Erster Verdachtsfall auf Fleckfieber-Übertragung in Deutschland, (Abruf: 17.08.2019), Universität Hohenheim
  • Parasites & Vectors: Imported Hyalomma ticks in Germany in 2018, (Abruf: 17.08.2019), Parasites & Vectors
  • Universität Hohenheim: Tropische Zecken: Neu eingewanderte Art überwintert erstmals in Deutschland, (Abruf: 17.08.2019), Universität Hohenheim

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.