EKG in Uhren: Die neue Apple-Watch warnt frühzeitig vor Herzrhythmusstörungen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

EKG durch eine Apple-Watch?

Es ist wichtig, einen unregelmäßigen Herzschlag frühzeitig zu erkennen, bevor schließlich ernsthafte Erkrankungen auftreten. Bei einer Studie konnte jetzt festgestellt werden, dass die sogenannte Apple-Watch einen unregelmäßigen Herzschlag, der häufig auf ein ernsthaftes Herzrhythmus-Problem hinweist, verlässlich feststellen kann.


Ein Forschungsteam der Stanford University School of Medicine stellte bei der aktuellen Untersuchung fest, dass die Verwendung der Apple-Watch zu einer verbesserten Erkennung eines unregelmäßigen Herzschlags führen könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem diesjährigen Treffen des American College of Cardiology in New Orleans vorgestellt.

Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Die Herzrhythmusstörung kann unbehandelt lebensbedrohliche Folgen annehmen. (Bild: Sonja Calovini/fotolia.com)

Früherkennung von Vorhofflimmern durch eine Uhr?

Laut Daten aus einer von Apple Inc. finanzierten großen Studie konnte die Apple Watch unregelmäßige Herzschläge erkennen, welche eine weitere Untersuchung von möglichen Problemen mit dem Herzrhythmus erforderlich machen. Diese Technologie kann in Zukunft hoffentlich bei der Früherkennung von Vorhofflimmern eingesetzt werden, der häufigsten Form eines unregelmäßigen Herzschlags. Menschen mit Vorhofflimmern erleiden fünfmal häufiger einen Schlaganfall, verglichen mit normalen gesunden Personen.

Studie hatte über 400.000 Teilnehmende

An der aktuellen Studie nahmen über 400.000 Nutzerinne und Nutzer der Apple-Watches teil. Von diesen Teilnehmenden erhielten etwa 0,5 Prozent oder ungefähr 2.000 Probanden Benachrichtigungen über einen unregelmäßigen Puls. Diesen Menschen wurde ein sogenannter EKG-Patch (Elektrokardiographie) zur späteren Erkennung von Episoden des Vorhofflimmerns geschickt. Bei einem Drittel der Uhren verwendenden Teilnehmenden, bei denen ein unregelmäßiger Puls entdeckt wurde, konnte mithilfe der EKG-Technologie ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Die Ergebnisse zeigten auch, dass 57 Prozent der Teilnehmenden, welche eine Warnung auf ihrer Uhr erhalten hatten, danach einen Arzt aufsuchten.

In Deutschland ist die EKG-Funktion nicht verfügbar

Die Informationen aus der Studie können mit der Bewertung der Elektrokardiographie kombiniert und schließlich für klinische Entscheidungen genutzt werden, erläutern die Autoren. Bei der aktuellen Studie wurde noch nicht die neue Serie-4 der Apple-Watch verwendet, weil diese erst nach Beginn der Studie verfügbar war. Diese Uhr besitzt die Fähigkeit, ein Elektrokardiogramm zu erstellen, um Herzprobleme zu erkennen und erforderte zunächst die Genehmigung der US-amerikanischen Food and Drug Administration. Die Verfügbarkeit der neuen EKG-Funktion wird von Apple über die Einstellung zur Region gesteuert, zumindest wird dies so vermutet. In Deutschland ist die EKG-Funktion der Uhr bis auf weiteres nicht verfügbar.

Verwendung von tragbarer Technologie hat ein großes Potenzial

Die Studie ist ein wichtiger erster Schritt, um herauszufinden, wie solche Technologien auf evidenzbasierte Weise eingesetzt werden können. Die Verwendung der Daten von Alltagsgeräten bei der Behandlung von Patienten sollte jedoch mit Vorsicht geschehen, raten die an der Studie beteiligten Forschenden. Generell habe diese Art der Technologie aber ein großes zukünftiges Potenzial. Vorhofflimmern ist erst der Anfang, da diese Studie die Tür für weitere Untersuchungen über tragbare Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten öffnet. Wie diese Geräte Krankheiten verhindern können, noch bevor diese auftreten, wird die Zukunft zeigen. „Die Leistung und Genauigkeit, die wir in dieser Studie beobachteten, liefern wichtige Informationen, um die möglichen Auswirkungen von tragbarer Technologie auf das Gesundheitssystem zu verstehen”, erläutert Studienautor Professor Marco Perez von der Stanford University in einer Pressemitteilung. (as)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.