Frauen mit einem erhöhten Endometriose-Risiko lassen sich mit einem neu entwickelten Test anhand sechs einfacher Fragen identifizieren, so dass frühzeitig eine fachärztliche Diagnose und eine entsprechende Therapie erfolgen kann.
Forschende der University of Queensland in Australien haben die mögliche Anzeichen für ein erhöhtes Endometriose-Risiko analysiert und auf Basis der sechs wichtigsten Faktoren einen Fragebogen entwickelt, um gefährdete Frauen frühzeitig zu identifizieren und so die Einleitung weiterer Untersuchungen zu beschleunigen. Die entsprechenden Studienergebnisse sind in dem Fachmagazin „eClinicalMedicine“ veröffentlicht.
Endometriose-Diagnose oft stark verspätet
Endometriose ist eine relativ weit verbreitete Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Nach Schätzungen sind zehn bis knapp 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen.
Dabei leiden die Frauen oftmals bereits seit Jahren an der Erkrankung, bevor eine entsprechende Diagnose erfolgt. Und da mit den bisherigen Behandlungsmethoden keine Heilung, sondern nur eine Verzögerung des Krankheitsverlauf möglich ist, sind die verspäteten Diagnosestellungen besonders kritisch.
Wichtigste Risikofaktoren ermittelt
Die Forschende suchten daher nach Möglichkeiten, um Frauen mit erhöhtem Endometriose-Risiko frühzeitig zu erkennen. Anhand der Daten von mehr als 9.000 Frauen aus einer australischen Längsschnittstudie mit Fokus auf Endometriose analysierte das Team verschiedene Risikofaktoren, die zur weiteren Einordnung beitragen könnten.
Auf Basis der sechs wichtigsten Faktoren entwickelten sie anschließend einen Fragebogen, mit dem sich der sogenannte SAFE-Score (Simplified Adolescent Factors for Endometriosis) ermitteln lässt.
„Der Test verwendet sechs Fragen, um Mädchen und junge Frauen mit einem erhöhten Risiko für Endometriose zu identifizieren, die einer weiteren Abklärung bedürfen“, erklärt die Studienautorin Professorin Gita D. Mishra von der University of Queensland in einer Pressemitteilung.
Die folgenden Fragen bilden dabei die Grundlage zur Berechnung des SAFE-Score:
- Wie häufig hatte/haben Sie Unterleibsschmerzen?
- Waren Sie bereits wegen Unterleibsschmerzen in Behandlung?
- Haben Sie schon einmal Schmerzmittel gegen Unterleibsschmerzen eingenommen ?
- Haben/hatten Sie besonders starke Menstruationsblutungen?
- Haben/hatten Sie auffällige Menstruationsschmerzen?
- Sind Frauen in ihrer Familie an Endometriose erkrankt?
Der SAFE-Score basiert auf einem Punktesystem und bietet eine gute Grundlage für die Identifizierung von Frauen, denen weitere fachärztliche Untersuchungen angeraten werden sollten, erläutert das Forschungsteam.
Der Test ziele darauf ab, die durchschnittliche Wartezeit von sechs bis acht Jahren bis zur Endometriose-Diagnose zu verkürzen, damit die Behandlung so früh wie möglich beginnen könne.
„Die Auswahl der Patientinnen, die überwiesen und behandelt werden sollten, ist eine Herausforderung, und die Verbesserung der Diagnoseverfahren hat höchste Priorität“, betont Prof. Mishra.
Zwar sei der Test so konzipiert, dass die altersgerechten Fragen gezielt auch Jugendliche ansprechen, doch könne er bei Frauen jeden Alters angewendet werden.
Frühere Diagnose & Behandlung das Ziel
„Wir müssen Endometriose frühzeitig erkennen können, denn unsere Forschung hat gezeigt, dass die meisten Frauen erst Ende zwanzig diagnostiziert werden, oft zu einem Zeitpunkt, an dem sie versuchen, schwanger zu werden“, ergänzt Prof. Mishra.
Die bisher zu verzeichnenden Verzögerungen bei der Diagnose seien unter anderem auf die unklare Symptomatik, mangelndes Bewusstsein und die Normalisierung von Menstruationsschmerzen zurückzuführen. Zudem bedürfe es häufig aufwendiger Untersuchungen inklusive einer Biopsie zur Bestätigung der Diagnose.
Der einfache Test könnte in Zukunft dabei helfen, gefährdeten Frauen frühzeitig weitere Untersuchungen anzuraten und den Zeitraum bis zur Diagnosestellung deutlich zu verkürzen, so die Hoffnung des Forschungsteams. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Gita D. Mishra, Mohammad Reza Baneshi, Sally Mortlock, Grant W. Montgomery,Jenny Doust, Annette J. Dobson, Jason Abbott: Development of an early prediction model for endometriosis risk: the simplified adolescent factors for endometriosis (SAFE) score; in: eClinicalMedicine (veröffentlich 09.03.2026), thelancet.com
- The University of Queensland: Simple test could transform time to endometriosis diagnosis (veröffentlicht 10.03.2026), news.uq.edu.au
- James H. Liu: Endometriose; in: MSD Manuals (Stand 10.03.2026), msdmanuals.com
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







