Haarausfall: Mit Hilfe elektrischer Stimulation Haare wieder wachsen lassen?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Kann Haarausfall rückgängig gemacht werden?

Eine neue nicht-invasive und kostengünstige Technologie zur Stimulation des Haarwachstums könnte eines Tages Schluss mit Haarausfall und der Bildung von Glatzen machen.


Bei der aktuellen Untersuchung der University of Wisconsin-Madison wurde festgestellt, dass eine Gerät, welches wie ein Hut auf dem Kopf getragen wird, Haarausfall und Glatzenbildung verhindern könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „ACS Nano“ veröffentlicht.

Kann eine neue Methode durch elektrische Stimulation zu einer Regeneration von Haaren bei Glatzenbildung führen? (Bild: Catalin Pop/fotolia.com)

Regeneration von verlorenen Haaren

Wenn bei Menschen Haarausfall vorliegt oder sich bereits eine Glatze bildet, ist dies für betroffene Personen oft ein Problem. Doch wenn es nach den Forschenden der University of Wisconsin-Madison geht, könnte die Regeneration der Haare bei einer sich bildenden Glatze so einfach sein, wie einen Hut zu tragen. Die neue Methode wäre eine sehr praktische Lösung zur Regeneration von verlorenen Haaren.

Wie funktioniert die neue Technologie?

Basierend auf Geräten, die Energie aus der täglichen Bewegung des Körpers gewinnen, stimuliert die neu entwickelte Haarwachstumstechnologie die Haut mit sanften, niederfrequenten elektrischen Impulsen, die ruhende Follikel zur Reaktivierung der Haarproduktion bewegen, erklärt die Forschungsgruppe. Da die Geräte von der Bewegung des Trägers angetrieben werden, benötigen sie keinen sperrigen Akku oder komplizierte Elektronik. Tatsächlich sind sie so unauffällig, dass sie beispielsweise diskret unter einer Baseballmütze oder einem Hut getragen werden können.

Für welche Menschen wäre das neue Gerät geeignet?

Das Gerät lässt die Haarfollikel in der Haut nicht erneut wachsen, stattdessen reaktiviert es sozusagen inaktive, das Haar produzierende Strukturen. Dies bedeutet, dass solche Geräte als Intervention für Menschen in den frühen Stadien der Glatzenbildung genutzt werden könnten. Sie würden aber keinen Menschen, welche bereits seit mehreren Jahren eine Glatze haben, zu extremem Haarwachstum verhelfen.

Ruhende Follikel wurden durch Elektrizitätsimpulse aktiviert

Die neu entwickelte Haarwachstumstechnologie umfasst kleine Geräte, sogenannte Nanogeneratoren, welche passiv Energie aus alltäglichen Bewegungen ansammeln und dann niederfrequente Elektrizitätsimpulse auf die Haut übertragen. Diese sanfte elektrische Stimulation bewirkt, dass ruhende Follikel aktiviert werden. Elektrische Stimulationen können viele verschiedene Körperfunktionen unterstützen, vor der aktuellen Forschungsarbeit gab es jedoch keine wirklich effektive Lösung für Geräte mit niedrigem Profil, die sanfte, aber wirksame Stimulationen bieten, berichten die Forschenden.

Keine unangenehmen Nebenwirkungen

Da die elektrischen Impulse sehr sanft sind und nicht tiefer als in die äußersten Schichten der Kopfhaut eindringen, scheinen die Geräte keine unangenehmen Nebenwirkungen zu verursachen. Dies ist ein deutlicher Vorteil gegenüber anderen Behandlungen des Haarausfalls, wie dem Medikament Propecia, welches Risiken für sexuelle Funktionsstörungen, Depressionen und Angstzustände mit sich bringt. In Versuchen an Mäusen stimulierten die Geräte bei haarlosen Mäusen das Haarwachstum genauso effektiv wie zwei verschiedene Wirkstoffe, welche in Arzneimitteln gegen Haarausfall enthalten sind. Die Forschenden hoffen bereits in naher Zukunft mit Tests an Menschen beginnen zu können. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Guang Yao, Dawei Jiang, Jun Li, Lei Kang, Sihong Chen et al.: Self-Activated Electrical Stimulation for Effective Hair Regeneration via a Wearable Omnidirectional Pulse Generator, in ACS Nano (Abfrage: 23.09.2019), ACS Nano

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.