Herzinfarkt: Schleichende Symptome früh erkennen und den Notarzt rufen

Älterer Mann hält sich die Hände an die schmerzende Brust

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Herzinfarkt-Symptome können graduell oder abrupt auftreten

Herzinfarkt-Symptome können graduell oder abrupt auftreten; in beiden Fällen handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Doch Patienten, bei denen die Symptome langsam auftreten, brauchen deutlich länger bis sie den Notarzt rufen.


Gesundheitsexperten zufolge erleiden pro Jahr rund 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Zwar werden viele Menschen aus „heiterem Himmel“ von einem Infarkt getroffen, doch bei manchen Betroffenen treten die Symptome allmählich auf. Diese Patienten brauchen deutlich länger, um einen Notarzt zu rufen als Personen, bei denen die Beschwerden abrupt auftreten. Dies zeigt eine Studie, die im Fachmagazin „European Journal of Cardiovascular Nursing“, einer Zeitschrift der European Society of Cardiology (ESC), veröffentlicht wurde.

Älterer Mann hält sich die Hände an die schmerzende Brust
Schmerzen in der Brust können ein Hinweis auf einen Herzinfarkt sein. In solchen Fällen sollte umgehend ein Krankenwagen gerufen werden. (Bild: Rawpixel.com/fotolia.com)

Schnelle Hilfe kann Leben retten

Laut einer Mitteilung der ESC ergab die Studie, dass es bei Patienten mit allmählichem Auftreten von Herzinfarkt-Symptomen acht Stunden dauerte, bis sie medizinische Hilfe erhielten, verglichen mit 2,6 Stunden bei Patienten mit plötzlichen Symptomen. Es wird grundsätzlich empfohlen, Betroffene innerhalb von höchstens zwei Stunden zu versorgen, da danach schwerwiegende Komplikationen und Todesfälle deutlich wahrscheinlicher werden.

Graduelle Symptome beginnen mit leichten Beschwerden, die sich langsam verschlimmern, während ein plötzliches Einsetzen von Anfang an mit starken Schmerzen verbunden ist. „Beides sind medizinische Notfälle und bedürfen dringender Hilfe“, sagte der Studienautor Dr. Sahereh Mirzaei von der University of Illinois in Chicago, USA. „Aber unsere Studie zeigt, dass allmähliche Symptome nicht ernst genommen werden.“

Die Analyse, die in vier US-Regionen durchgeführt wurde, umfasste 474 Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die in die Notaufnahme einer Klinik kamen. Bei 56 Prozent der Patienten traten die Symptome abrupt auf und bei 44 Prozent graduell. Sowohl Frauen als auch Männer suchten bei plötzlichen Schmerzen schneller medizinische Hilfe.

„Fast die Hälfte der Patienten hatte einen langsamen Beginn, das ist also keine Seltenheit“, so Dr. Mirzaei. „Die Symptome des akuten Koronarsyndroms sind unspezifisch und die Interpretation ist für Patienten oft eine Herausforderung. Schmerzen in der Brust, Beschwerden in der Brust und Druck in der Brust sind Warnsignale dafür, dass eine Arterie blockiert sein kann, und Patienten sollten sofort den Rettungsdienst anrufen.“

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Sofort einen Krankenwagen rufen

Bei mehr als der Hälfte (54 Prozent) der Männer mit abruptem Beginn und diagnostiziertem ST-Streckung-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) wurden die Symptome durch Anstrengung ausgelöst. Den Angaben zufolge ist dies ein besonders schwerwiegender Herzinfarkt, der eine rasche Wiederherstellung des Blutflusses in verstopften Arterien erfordert. Zu den riskanten Aktivitäten gehörten Treppensteigen, Ziehen, Schieben, Schaufeln, schweres Gärtnern, Laufen und Joggen.

„Männer mit ischämischer Herzkrankheit oder mit mehreren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, hohem Cholesterinspiegel oder familiärer Vorbelastung sollten sich bewusst sein, dass Brustschmerzen oder Beschwerden nach körperlicher Anstrengung ein Herzinfarkt sein können“, sagte Dr. Mirzaei.

Die Studie zeigte auch, dass die Ankunft mit dem Krankenwagen mit einer kürzeren Zeitspanne zwischen dem Beginn der Schmerzen und der Ankunft im Krankenhaus verbunden war. Nur 45 Prozent der Patienten riefen einen Krankenwagen, während mehr als die Hälfte (52 Prozent) ihren Transport selbst organisierten. Drei Prozent wurden aus einem anderen Krankenhaus überwiesen.

„Schmerzen oder Beschwerden in der Brust, ob schwer und plötzlich oder leicht und langsam, sollten nicht ignoriert werden. Zu den Symptomen können auch Schmerzen in Hals, Nacken, Rücken, Bauch oder Schultern gehören, die von Übelkeit, kaltem Schweiß, Schwäche, Atemnot oder Angst begleitet sein können. Rufen Sie sofort einen Krankenwagen. Je schneller Sie Hilfe bekommen, desto besser ist Ihre Prognose“ so Dr. Mirzaei. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.