Jetzt Kassenleistung: Impfung schützt vor schmerzhafter Gürtelrose

Arzt macht einen Eintrag im gelben Impfpass

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Ansteckende Infektionskrankheit: Impfung schützt vor Gürtelrose

Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass etwa zwei von zehn Personen, die Windpocken hatten, im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose bekommen. Meist erkranken Menschen über 50 Jahre. Für diese Personengruppe ist die Schutzimpfung gegen Gürtelrose inzwischen eine Kassenleistung.


Windpocken und Gürtelrose werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst

Noch vor wenigen Jahren galten Windpocken als harmlose Kinderkrankheit. Doch viele Erwachsene, die diese Erkrankung durchgemacht haben, sind erschrocken, wenn sich die damalige Infektion Jahrzehnte später wieder in Erinnerung ruft und zwar in Form einer schmerzhaften Gürtelrose (medizinischer Fachbegriff: Herpes Zoster). Auslöser beider Krankheiten ist das Varizella-Zoster-Virus, das im Körper nur den Dornröschenschlaf schläft. Was den Erreger wieder erweckt und warum eine Impfung davor schützt, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Jan Ehrchen, Oberarzt der Hautklinik am UKM (Universitätsklinikum Münster), in einem Interview.

Arzt macht einen Eintrag im gelben Impfpass
Die Gürtelrose (Herpes Zoster) ist eine Erkrankung, die durch das Virus ausgelöst wird, das auch Windpocken verursacht. Eine Impfung kann davor schützen. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Erreger bleibt lebenslang im Körper

Laut Dr. Ehrchen kann jeder Gürtelrose bekommen, „der eine Windpocken-Infektion hat über sich ergehen lassen müssen. Meistens war das in der Kindheit und lief relativ harmlos ab.“

Der Erreger bleibt dann aber lebenslang im Körper und kann in bestimmten Situationen, beispielsweise wenn das Immunsystem geschwächt ist, reaktiviert werden.

„Das äußert sich dann darin, dass es zunächst in einem bestimmten Bereich der Haut weh tut, der Patient Schmerzen hat – meistens sieht man dann noch gar nichts an der Haut“, so der Mediziner.

„Später kommt es zu einer Rötung der Haut und es entwickeln sich gruppierte Bläschen – dann ist es für den erfahrenen Dermatologen ziemlich einfach, die Diagnose Gürtelrose zu stellen“, sagt Dr. Ehrchen.

Schwere Komplikationen möglich

Werden die juckenden Bläschen aufgekratzt, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen und es können Narben zurückbleiben, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf seinem Patienteninformationsportal „gesundheitsinformation.de“.

Folgen einer Gürtelrose können laut den Experten auch eine Überempfindlichkeit der Haut oder Pigmentstörungen sein.

Wenn die Gürtelrose im Gesicht auftritt, kann sie auf das Auge übergreifen und dort eine Hornhautentzündung verursachen.

Sind Hör- und Gesichtsnerven betroffen, kann es zu einer Hörminderung oder zu Lähmungen im Gesicht kommen. Diese Beschwerden verschwinden aber in der Regel nach dem Abheilen der Gürtelrose wieder.

Etwa zehn bis 20 von 100 Menschen haben durch die Nervenentzündung auch noch erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag bereits abgeheilt ist. Diese „Post-Zoster-Neuralgie“ oder „postherpetische Neuralgie“ kann mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre anhalten.

Personen mit stark geschwächter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen. Es können sich eine Lungen-, Leber- oder Hirnhautentzündung entwickeln.

Höheres Risiko bei geschwächtem Immunsystem

Besonders gefährdet, an Gürtelrose zu erkranken, sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.

„Das können Patienten sein, die ihr Immunsystem medikamentös unterdrücken müssen oder eine modulierende Therapie bekommen. Das sind heutzutage eine ganze Reihe von Patienten“, erklärt Dr. Ehrchen.

„Oder es betrifft Patienten mit Infektionen, die das Immunsystem angreifen – die HIV-Infektion wäre so ein Beispiel“, so der Experte.

Laut dem IQWiG geht man davon aus, dass etwa zwei von zehn Personen, die Windpocken hatten, im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose bekommen. Den Fachleuten zufolge erkranken meist Menschen über 50 Jahre.

Schutzimpfung ist nun Kassenleistung

Die Schutzimpfung gegen Gürtelrose ist seit Mai 2019 eine Regelleistung für Menschen ab 50 Jahren mit einer Immunschwäche oder einer Grundkrankheit – zum Beispiel Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauf- oder chronische Atemwegserkrankungen – und für alle Menschen ab 60 Jahren, erklärt die Techniker Krankenkasse (TK) auf ihrer Webseite.

„Es sollten sich eigentlich alle Menschen ab dem 60. Lebensjahr impfen lassen, weil alle Menschen, die ein gewisses Alter erreicht haben, auch wenn sie keine Schwächung des Immunsystems haben, ein gewisses Risiko tragen, Gürtelrose zu bekommen“, sagt Dr. Ehrchen.

Kein 100-prozentiger Schutz

Laut Dr. Ehrchen kann die Impfung aber keinen 100-prozentigen Schutz bieten.

„Aber der Impfstoff ist jetzt zugelassen und auch Kassenleistung geworden, weil er wesentlich effizienter ist als der Impfstoff, den wir vorher hatten“, so der Arzt.

„Also wir haben eine über 90-prozentige Erfolgschance, was schon sehr gut ist.“

Das IQWiG weist allerdings daraufhin, dass sich im Moment noch nicht sicher sagen lässt, ob der Impfschutz länger als vier Jahre anhält, weil der Totimpfstoff noch relativ neu ist. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen: