Körpereigene Wirkung sowohl gegen Virus-Infektionen als auch gegen Krebs

Krebserkrankungen: Forscher haben körpereigenen Tumorblocker entdeckt

Deutsche Wissenschaftler haben neue Eigenschaften eines menschlichen Proteins entdeckt: Es wirkt gegen Virusinfektionen und Krebs. Künftige Forschungsarbeiten sollen zeigen ob dieser körpereigene Tumorblocker als Ansatzpunkt für Therapien gegen die schweren Erkrankungen dienen kann.


Zahl der Krebserkrankungen steigt

Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut (RKI) erkranken derzeit weltweit jedes Jahr über 14 Millionen Menschen an einer Krebserkrankung, mehr als acht Millionen Personen versterben daran. Auch hierzulande gibt es immer mehr Krebsneuerkrankungen. Die Zahl der Neudiagnosen in Deutschland hat sich seit 1970 fast verdoppelt. Behandelt werden Patienten meist mithilfe von Operationen, Chemotherapie und /oder Bestrahlung. Möglicherweise könnte in Zukunft auch ein neu entdeckter körpereigener Tumorblocker bei der Therapie von Krebs helfen.

Deutsche Forscher haben entdeckt, dass ein bestimmtes menschliches Protein gegen Virusinfektionen und Krebs wirkt. Der körpereigene Tumorblocker könnte womöglich als Ansatzpunkt für Therapien gegen solche Krankheiten dienen. (Bild: science photo/fotolia.com)

Neuer Faktor der körpereigenen Immunabwehr identifiziert

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz haben einen neuen Faktor der körpereigenen Immunabwehr identifiziert: MYPOP – ein bislang wenig bekanntes Protein.

Wie es in einer Mitteilung heißt, unterdrückt MYPOP die Bildung neuer viraler Bausteine und wirkt als Tumorsuppressor.

Es verhindert die Teilung der Tumorzelle und tötet Krebszellen ab. Dies stellten die Mainzer Forscher im Rahmen von Untersuchungen zur Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) fest.

Onkogene HPV-Typen sind ein wichtiger Faktor für das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs und weiteren Tumoren im Genital-, Mund- und Rachenbereich.

Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Oncogene“ der Nature Publishing Group veröffentlicht worden.

Gefährlichste Auslöser für Gebärmutterhalskrebs

Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Luise Florin vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz untersucht, wie eine Infektion durch Humane Papillomviren (HPV) abläuft.

Den Angaben zufolge sind Humane Papillomviren vom Typ 16 (HPV16) der gefährlichste Auslöser für Gebärmutterhalskrebs.

Wie die Wissenschaftler im Rahmen ihrer jüngsten Studie feststellten, besitzt MYPOP, ein Myb-verwandter Transkriptionsfaktor, zentrale antivirale Eigenschaften: Es erkennt eindringende Papillomviren inklusive ihrer DNA.

Daraufhin bindet es sich an das virale Kapsidprotein und die virale Kontrollregion der DNA. Dies hat eine verminderte Expression der viralen Gene zur Folge, wodurch wiederum sowohl die Infektion der Schleimhautzellen blockiert als auch langfristig die Tumorentstehung verhindert werden.

MYPOP besitzt somit antivirale und antitumor Eigenschaften. Damit haben die Mainzer Forscher einen neuen Faktor der zellulären intrinsischen Immunabwehr, einen sogenannten Restriktionsfaktor, identifiziert.

Möglicher Ansatzpunkt für Therapien

Zudem stellten die Forscher im Rahmen ihrer Studie fest, dass den HPV-Tumorzellen das normalerweise in Hautzellen in hohen Mengen vorhandene MYPOP fehlt.

Grund dafür ist ein virales, krebserzeugendes Protein, das den Abbau von MYPOP induziert. Wenn die Wissenschaftler allerdings MYPOP in die Tumorzellen wieder einbrachten, konnten sich die Zellen nicht mehr ungehemmt teilen.

Auch in anderen Krebszellen beobachteten die Wissenschaftler diesen Effekt. Ob MYPOP als Ansatzpunkt für Therapien gegen Virusinfektionen und/oder Krebs dienen kann, werden zukünftige Forschungsarbeiten zeigen müssen. (ad)