Bei Leberfibrosen und Leberkrebs könnte ein pflanzlicher Wirkstoff aus der Färberdistel einen effektiven Beitrag zur Prävention und Behandlung leisten. Das Flavonoid Hydroxysafflor-Gelb A (Hydroxysafflor Yellow A, HSYA) wirkt auf verschiedenen Wegen Leberschäden entgegen.
Ein chinesisches Forschungsteam hat in einer aktuellen Studie die Wirkmechanismen untersucht, über die HSYA Leberfibrosen und hepatozellulären Karzinomen beeinflusst. Die vielversprechenden Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Phytomedicine“ veröffentlicht.
Leberfibrose: Wenn die Leber vernarbt
Während sich die Leber bei vereinzelten Schädigungen wie einer akuten Hepatitis durchaus selbst reparieren kann, führen wiederholte Leberschädigungen zum Beispiel durch Viren, Alkohol oder Fettlebererkrankungen zur krankhaften Vermehrung von Bindegewebe (Narbengewebe), erläutern die Forschenden.
Dieser Prozess wird als Leberfibrose bezeichnet, wobei das Narbengewebe die Leberzellen ersetzt, aber im Gegensatz zu den Leberzellen keine Funktionen ausübt, so die Fachleute weiter. Die Leberfibrose stehe dabei oft am Anfang der Entwicklung einer Leberzirrhose, die letztendlich zu Leberkrebs führen könne.
Behandlungsoptionen stark beschränkt
Die therapeutischen Optionen zur Behandlung der Leberfibrose bleiben bisher sehr begrenzt und es sind keine Medikamente verfügbar, die die Bildung des Narbengewebes effektiv stoppen können.
Das gelbe Pigment der Färberdistel hat in früheren Studien allerdings eine potenzielle biologische Aktivitäten bei der Verzögerung von Leberfibrosen und eine Wirkung gegen hepatozelluläre Karzinome gezeigt, berichten die Forschenden.
Kann der Pflanzenwirkstoff helfen?
In der aktuellen Übersichtsarbeit versuchten sie daher die Wirkmechanismen zu identifizieren, über die HSYA der Leberfibrose und Leberkrebs entgegenwirkt.
Die Auswertung der verfügbaren Forschungsarbeiten ergab, dass HSYA durch eine Reduzierung von oxidativem Stress und Entzündungen, die Regulierung des Leberstoffwechsels und die Beeinflussung der sogenannten hepatischen Sternzellen die Vernarbung der Leber reduziert.
Wirkung gegen Leberfibrose & Leberkrebs
„Bei Leberfibrose hemmt HSYA primär die Aktivierung von hepatischen Sternzellen, induziert deren Seneszenz und Apoptose und moduliert den Leberstoffwechsel sowie die Immunmikroumgebung über Signalwege wie PPARγ/p38 MAPK, miR-29a-3p/PDGFRB und TGF-β1/Smad3“, so das Forschungsteam.
Seine Wirkung gegen hepatozelluläre Karzinome entfalte HSYA unter anderem durch die Induktion der Apoptose in hepatozellulären Karzinomzellen, die Regulation der Autophagie in diesen Zellen, die Hemmung der Tumorinvasion und die Modulation der Immunmikroumgebung.
Hoffnung auf neue Behandlungsoptionen
Insgesamt erscheint das Flavonoid aus der Färberdistel damit als vielversprechender natürlicher Wirkstoff, der über verschiedene Zielstrukturen und Signalwegen zur Verzögerung der Leberfibrose sowie zur Prävention und Behandlung von Leberkrebs beitragen kann.
Die bisherigen Erkenntnisse stammen allerdings vor allem aus In-vitro- und In-vivo-Studien, so dass weitere klinische Studien erforderlich bleiben, um die Wirkung am Menschen zu überprüfen. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Yuyan Yang, Lvchen He, Wenfei Yang, Yujing Feng, Ruping Li, Yanxin Wu, Ruotong Yang, Wenjuan Xiao, Yao He: Hydroxy Safflower Yellow A: A Natural Compound from Carthamus tinctorius L. with Potent Activity Against Liver Fibrosis and Cancer; in: Phytomedicine (veröffentlicht 19.01.2026), sciencedirect.com
- Tae Hoon Lee: Hepatische Fibrose; in: MSD Manual (Stand 23.01.2026), msdmanuals.com
Wichtiger Hinweis:
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