Masern in der Schweiz – eine Ursache: Impfgegner

An der Rudolf-Steiner Schule in Biel gehen laut einem Bericht der Aargauer Zeitung. Zwölf Infektionen sind bekannt, und die Schüler sämtlicher Klassen müssen erst einmal zu Hause bleiben. Der Grund: Viele der Schüler sind nicht geimpft, weil ihre anthroposophischen Eltern Impfungen ablehnen.


Geringere Durchimpfung

Alle bekannt gewordenen Masernfälle im Bereich der Gesundheitsdirektion Bern kommen von der Steiner-Schule in Biel. Das Kantonsarztamt vermutet: „An dieser Steiner-Schule scheint die Durchimpfungsrate geringer zu sein als in der Gesamtbevölkerung, weshalb es zu mehr Ansteckungen kommt.“

Masern kosten viele tausend Menschen global das Leben. Mit Impfungen ließe sich die Krankheit ausrotten. Ein Hindernis dabei sind Impfgegner. (Bild: Stockfotos-MG/fotolia.com)

Neunzig Prozent geimpft

Im Kanton Bern waren zumindest 2014 über 90 Prozent der Kinder im Alter von zwei, acht und sechzehn Jahren mit einer Dosis gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft, 80 Prozent mit zwei Dosen.

Keine harmlose Kinderkrankheit

Das Bundesamt für Gesundheit der Schweiz schreibt, bei jeder zehnten Masernerkrankung komme es zu Komplikationen – besonders bei Erwachsenen. 2006 bis 2009 grassierten bei 4400 Menschen die Masern, bis zu fünf Prozent davon bekamen eine Lungenentzündung, ebenso viele eine Mittelohrentzündung, neun eine Hirnhautentzündung. 2009 starb ein Mensch in der Schweiz an den Folgen der Krankheit.

Ungeimpfte schützen

Die Schulsperre in Biel soll vor allem jene schützen, die sich nicht gegen Masern impfen lassen können: Schwangere, Säuglinge und Menschen mit schwachem Immunsystem.

Impfung nachholen

Drei Tage nach dem Kontakt mit Erkrankten ist eine Impfung noch wirksam. Manche Eltern rund um die Steiner-Schule ließen ihre Kinder nach dem Ausbruch kurzfristig impfen, nachdem sie dies vorher versäumt hatten.

Impfgegner

Andere Eltern sind nach wie vor Impfgegner. So lässt eine Mutter der Schule ihre Kinder auch nicht impfen, nachdem die Masern in der Klasse ihres Sohnes auftraten. Sie sagt: „Ich bin überzeugt, dass die Nebenwirkungen einer Impfung schlimmer sein können als die Krankheit selber.“

Anthroposophische Fantasien

Der Namensgeber der Schule, der Anthroposoph Rudolf Steiner, lehnte wissenschaftliche Erkentnisse über Krankheiten ab. Ihm zufolge entstünden Krankheiten durch negatives Karma, das abgetragen werden müsse und seien ein Erkenntnisprozess. Impfungen würden diesen Prozess blockieren. Auch die genannte Mutter hält das Durchstehen der Masern für einen wertvollen Schritt in der Kindsentwicklung.

Masernausbrüche an Anthroposphenschulen

Ihrem esoterischen Gründungsvater folgend, lassen viele anthropsophische Eltern ihre Kindern nicht impfen. Deshalb brechen Masernwellen immer wieder in Waldorfschulen aus: 2009 zum Beispiel an einer Waldorfschule in Hamburg-Harburg, wo weniger als die Hälfte der Schüler geimpft waren.

Weltweite Zunahme

Global sind die Masern wieder auf dem Vormarsch. 2018 erkrankten in Afrika 34.000 Menschen, in Südostasien über 70.000. Masernepidemien in Liberia, Madagaskar und den Philippinen kosteten viele hundert Menschen das Leben. In Europa verdreifachten sich die Masernfälle. 2017 starben weltweit 110.000 Menschen an den Masern.

Unzureichende Impfungen dort, Impfgegner hier

In Afrika und Südostasien breiten sich die Masern aus, weil die unzureichende medizinische Infastruktur bisher nur eine mangelhafte Durchimpfung erreicht hat. In West- wie Mitteleuropa bricht die potenziell tödliche Infektion hingegen meist aus, weil Angehörige religiöser Sekten und esoterischer Heilslehren wie der Anthroposophie aus ideologischen Gründen Impfungen ablehnen.

Argumente gegen das Masernimpfen?

Harte Impfgegner vertreten ein geschlossenes Weltbild, oft gepaart mit Verschwörungswahn, das wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnt. Wissenschaftliche Argumente, die allgemein gegen Impfungen sprechen, gibt es nicht. Impfungen sind vielmehr die medizinische Maßnahme, die global in der Geschichte des Menschen die meisten Leben gerettet hat.

Gefährliche Ideologie

Mehr noch als bei anderen „alternativen Fakten“ ist die Ideologie der Impfgegner gefährlich. Das Nichtimpfen führt dazu, dass sich schwere und sogar tödliche Krankheiten wieder und weiter ausbreiten können, die sich mittels Durchimpfung ausrotten ließen. (Dr. Utz Anhalt)