Medikamenten-Beipackzettel: Informationen zu Nebenwirkungen verwirren Patienten

Alfred Domke

Studie: Beipackzettel zu Nebenwirkungen von Arzneien verwirren Patienten

In einer aktuellen Studie hat sich gezeigt, dass die Beschreibungen von Nebenwirkungen in Beipackzetteln von Arzneien für Patienten häufig unverständlich sind. Und das obwohl laut den Forschern schon ein kleiner Zusatz helfen könnte.


Beipackzettel richtig lesen

Egal ob Schmerzmittel, Cholesterin- oder Blutdrucksenker: Vor der Einnahme von Medikamenten sollte stets der Beipackzettel richtig gelesen werden, um sich vor allem über die richtige Einnahme und mögliche Nebenwirkungen zu informieren. Doch Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Arzneimittel-Gebrauchsinformationen bei vielen Patienten zu Verunsicherung führen. Selbst manche Ärzte sind davon zunehmend überfordert. Doch schon ein kleiner Zusatz auf den Beipackzetteln könnte helfen, wie eine Studie nun zeigt.

Vor der Einnahme eines Medikaments sollte man stets den Beipackzettel lesen, um sich vor allem über die richtige Einnahme und mögliche Nebenwirkungen zu informieren. Doch die Beschreibungen sind für Patienten oft nicht zu verstehen. (Bild: Andrzej Tokarski/fotolia.com)

Wichtige Informationen über die richtige Medikamenteneinnahme

Der Beipackzettel von Medikamenten enthält wichtige Informationen über die richtige Einnahme und mögliche Nebenwirkungen.

Allerdings können viele Patienten diese Infos nicht richtig einschätzen, da vergleichende Angaben dazu fehlen, wie häufig unerwünschte Symptome, die als Nebenwirkungen aufgeführt werden, mit und ohne Arzneimitteleinnahme auftreten.

Solche vergleichenden Angaben sind aktuell aber weder auf Beipackzetteln in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern zu finden, berichtet das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin in einer Mitteilung.

In einer Onlinestudie des MPIB und der Universität Hamburg mit rund 400 Laien zeigte sich nun, dass schon ein kleiner Zusatz auf den Beipackzetteln zu einem bessern Verständnis beitragen könnte.

Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Selbst Ärzte und Apotheker irren sich

„Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den als Nebenwirkungen gelisteten Symptomen und der Arzneimitteleinnahme bestehen muss“, sagt Erstautorin Viktoria Mühlbauer, Apothekerin und Doktorandin an der Universität Hamburg.

„Eine frühe Studie zeigt, dass selbst Ärzte und Apotheker irrtümlicherweise denken, dass die gelisteten Nebenwirkungen in der genannten Häufigkeit durch das jeweilige Arzneimittel verursacht werden“, so die Expertin.

Ziel der Studie mit 392 Teilnehmern war es, zu untersuchen, ob alternative Beipackzettel mit ergänzten Vergleichsinformationen Fehlinterpretationen verringern.

Dafür zeigten die Wissenschaftler den Probanden jeweils einen von vier Beipackzetteln, die alle dieselben vier Symptome (Nebenwirkungen) auflisteten.

Drei der vier Beipackzettel waren dabei alternative Versionen, die die entsprechende Häufigkeit der Symptome sowohl mit als auch ohne Medikament aufführten und zusätzlich Erklärungen zur Kausalität zwischen dem Auftreten der Symptome und der Medikamenteneinnahme lieferten.

Der vierte genutzte Beipackzettel in der Studie entsprach dem gegenwärtig in der Praxis verwendeten Standardbeipackzettel. Dieser stellte – wie derzeit üblich – lediglich Informationen zur Häufigkeit der Symptome unter Medikamenteneinnahme dar.

Gefährdung der Patienten- und Arzneimittelsicherheit

Bei der anschließenden Befragung haben vor allem jene gepunktet, die einen alternativen Beipackzettel gelesen hatten.

Während lediglich zwei bis drei Prozent der Teilnehmer mit dem Standardbeipackzettel Fragen zu kausalen Häufigkeit korrekt beantworten konnten, waren es bei den alternativen Formaten bis zu 82 Prozent.

Die alternativen Beipackzettel führten somit zu weniger Fehlinterpretationen.

„Das nach wie vor Informationsformate in unserem Gesundheitssystem genutzt werden, die Patienten und praktizierende Ärzte verwirren, ist ein Gesamtproblem, welches die Patienten- und Arzneimittelsicherheit gefährdet“, sagt Seniorautorin Odette Wegwarth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich „Adaptive Rationalität“ des MPIB.

Es gäbe mittlerweile eine fundierte Studienlage dazu, welche Informationsformate Patienten und Ärzten im Verständnis von Nutzen und Schaden medizinischer Interventionen unterstützen und welche nicht.

„Was wir brauchen, um diese Erkenntnisse in der Realität umzusetzen, ist der Wille und die Anstrengung aller Beteiligten im Gesundheitswesen“, so Wegwarth. (ad)