Medizinischer Durchbruch: Mann wurde zu 100 Prozent vom HI-Virus geheilt

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Neue Therapie zur Heilung von HIV in Sicht?

Ein Ärzteteam berichtete kürzlich, einen Mann aus England vom HI-Virus geheilt zu haben. Der englische Patient zeigt bereits seit 18 Monaten keine nachweisbaren Anzeichen der Viren mehr. Weltweit ist er somit die zweite bekannte Person, die von HIV geheilt werden konnte. Der Virus löst im Endstadium die tödliche Krankheit AIDS aus.


Ein Team aus Medizinerinnen und Medizinern in England hat kürzlich einen Patienten von dem gefährlichen Humane Immundefizienz-Virus (HIV) befreit. Offenbar war die Heilung eine positive Nebenwirkung einer Krebs-Therapie. Der Mann litt unter Morbus Hodgkin, einem bösartigen Tumor des Lymphsystems. Zur Behandlung erhielt er eine Stammzellentransplantation, die ihn gleichzeitig von dem HI-Virus befreite. Der Grund: Der Spender hatte eine natürliche Mutation, die ihn vor einigen HIV-Typen schützt. Diese Mutation übertrug sich durch die Spende auf den Patienten und heilte ihn so. Der außergewöhnliche Fall wurde kürzlich in dem Fachjournal „Nature“ vorgestellt.

Ein großes Problem bei der Behandlung von HIV ist, dass sich die Viren direkt in den weißen Blutkörperchen einnisten. (Bild: Ezume Images/fotolia.com)

Seltene Mutation unterdrückt HI-Viren

Wie die Ärzte mitteilen, ist dies nun schon der zweite Fall dieser Art. Vor zehn Jahren sei bereits ein Berliner auf die gleiche Weise von HIV geheilt worden. Beide Patienten wurden mit Stammzelltransplantaten von Spendern behandelt, die eine genetische Mutation in sich trugen, die den HIV-Rezeptor CCR5 unterdrücken.

Seit 18 Monaten ohne Anzeichen von HIV

Der englische Patient hat bereits seit 18 Monaten seine antiretrovirale Therapie gegen HIV abgesetzt und zeigt keine nachweisbaren Anzeichen der Erkrankung mehr. Trotzdem zeigen sich die Ärzte vorsichtig: „Es ist noch zu früh, um mit Sicherheit sagen zu können, dass er von HIV geheilt wurde und sein Zustand wird weiterhin überwacht“, schreiben die Mediziner des University College London zu dem seltenen Fall.

Es gibt derzeit keine Heilung von HIV

„Im Moment ist der einzige Weg zur Behandlung von HIV die Einnahme von Medikamenten, die das Virus unterdrücken“, erläutert Professor Ravindra Gupta in einer Pressemitteilung. Menschen mit HIV seien derzeit ihr ganzes Leben lang auf Medikamente angewiesen. Insbesondere in Entwicklungsländern stelle dies eine große Herausforderung dar. Nahezu 37 Millionen Menschen leben weltweit mit HIV, jährlich sterben immer noch rund eine Million Personen daran. „Einen Weg zu finden, um die HI-Viren vollständig zu eliminieren, ist besonders schwierig, da sich das Virus in die weißen Blutkörperchen des Wirts integriert“, erklärt der Professor.

Über den außergewöhnlichen englischen Patienten

Der englische Patient, der auf eigenen Wunsch hin lieber anonym bleiben möchte, leidet seit dem Jahr 2003 unter einer HIV-Infektion. Im Jahr 2012 wurde bei ihm zusätzlich ein fortgeschrittenes Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Neben einer Chemotherapie unterzog er sich dann im Jahr 2016 einer Stammzellentransplantation. Durch diese Transplantation gelangte die Mutation in den Körper des Patienten. Die Mutation mit dem komplizierten Namen CCR5 Δ32-Allele sorgt dafür, dass HIV-1 Erreger nicht mehr in die Wirtszellen eindringen können, da der benötigte Rezeptor CCR5 nicht zugänglich ist.

35 Monate nach der Transplantation

Der Patient nahm nach der Transplantation zunächst 16 Monate lang weiter die HIV-Medikamente. Dann beschloss das klinische Team gemeinsam mit dem Patienten, die ARV-Therapie zu unterbrechen, um zu testen, ob tatsächlich eine HIV-1-Remission vorliegt. Seit nun 18 Monaten nimmt er keine Medikamente mehr und regelmäßige Tests bestätigten, dass keine Viren mehr nachweisbar sind.

Neuer Ansatz für eine HIV-Therapie

„Durch die Remission bei einem zweiten Patienten unter Verwendung eines ähnlichen Ansatzes haben wir gezeigt, dass der Berliner Patient keine Anomalie war“, betont Professor Gupta. Dennoch sei dieses Verfahren nicht als Standard-HIV-Behandlung geeignet. Die Nebenwirkungen der Therapie seien zu gravierend. Nichtsdestotrotz sei durch weitere Forschung eine Gentherapie zur HIV-Behandlung vorstellbar. „Wenn wir unsere Forschung fortsetzen, müssen wir verstehen, ob wir diesen Rezeptor bei Menschen mit HIV ausschalten könnten“ resümiert Professor Gupta. Der offensichtliche Erfolg der Stammzelltransplantation biete neue Hoffnung bei der Suche nach einem lang erwarteten Heilmittel gegen HIV und AIDS. Weitere Informationen über HIV finden Sie in dem Artikel „sexuelle Krankheiten“. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.