Wer regelmäßig abends lange wach bleibt und morgens später aufsteht, hat tendenziell ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Effekt wird dabei offenbar vor allem über eine Neigung zu ungesunden Angewohnheiten vermittelt.
Forschende der Harvard Medical School und des Brigham and Women’s Hospital haben den Einfluss des sogenannten Chronotyps auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht und die Ergebnisse in dem „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht.
Nachteulen mit schlechterer Gesundheit
Zahlreiche frühere Studien belegen, dass der Schlaf-Wach-Rhythmus weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit hat und schon 2023 berichtete ein schwedisches Forschungsteam 2023 in dem Fachmagazin „Sleep Medicine“, dass das Risiko für Arterienverkalkung bei Nachtmenschen stark erhöht ist.
So scheint die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Nachteulen gefährdet, doch bislang blieb unklar, ob allein der Schlaf-Wach-Rhythmus hierfür verantwortlich ist oder ob andere Faktoren eine maßgebliche Rolle spielen.
Wie wird die kardiovaskuläre Gesundheit beeinflusst?
Anhand der Daten vo 322.777 Teilnehmenden der UK Biobank-Studie im Alter von 39 bis 74 Jahren überprüfte das US-Forschungsteam daher nun den Einfluss des Chronotyps auf das Auftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Herzinfarkte und Schlaganfälle) und auf den sogenannten Life’s Essential 8-Score.
Die Life’s Essential 8 beschreiben wesentliche Faktoren zur Stärkung der kardiovaskulären Gesundheit und umfassen eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Nichtrauchen, gute Schlafqualität sowie gesunde Werte für Gewicht, Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck.
Einen höheren Life’s Essential 8-Score werteten die Forschenden als Indikator für eine bessere kardiovaskuläre Gesundheit. Zudem ermittelten sie die Inzidenz schwerer kardiovaskulärer Ereignisse anhand der neu aufgetretene Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Weniger Nachteulen als Frühaufsteher
Die Teilnehmenden wurden außerdem zu ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus befragt und ungefähr acht Prozent gaben an, dass sie „definitiv Abendmenschen“ seien, was sich dadurch auszeichnete, dass sie besonders spät ins Bett gingen (zum Beispiel um 2 Uhr) und ihre Aktivität später am Tag am höchsten war, berichten die Forschenden.
Rund 24 Prozent der Teilnehmenden waren nach eigenen Angaben „auf jeden Fall Morgenmenschen“, die früher am Tag aktiver sind und dafür auch früh zu Bett gehen (zum Beispiel um 21 Uhr). Und etwa 67 Prozent der Teilnehmenden wurden als „mittlerer“ Chronotyp eingestuft, da sie sich weder als reine Morgenmenschen noch als Abendmenschen bewerteten, so das Forschungsteam.
Abendmenschen mit schlechterer Herzgesundheit
Die Datenauswertung ergab, dass Abendmenschen eine um 79 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für einen niedrigen Life’s Essential 8-Score aufwiesen als Teilnehmende des „mittleren“ Chronotyps. Zudem hatten sie innerhalb des rund 14-jährigen Beobachtungszeitraums ein 16 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse hatten.
Bei der geschlechtsspezifischen Betrachtung zeigte sich zudem, dass der Abendchronotyp bei Frauen stärker mit niedrigen kardiovaskulären Gesundheitswerten zusammenhing als bei Männern, berichten die Forschenden.
Ungesunde Angewohnheiten Ursache des Effekts
Die Fachleute überprüften zudem, ob der Zusammenhang direkt durch den Schlaf-Wach-Rhythmus verursacht oder indirekt durch die Life’s Essential 8 vermittelt wird. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass 75 Prozent des Zusammenhangs zwischen Abendchronotyp und schweren kardiovaskulären Ereignissen durch ungesunde Angewohnheiten bedingt werden.
Ein Großteil des erhöhten Risikos für Herzerkrankungen bei Abendmenschen war auf schlechte Angewohnheiten zurückzuführen, insbesondere auf Nikotinkonsum und unzureichenden Schlaf, betonen die Forschenden.
Offenbar neigen Abendmenschen zu Verhaltensweisen, die die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinträchtigen können, fasst die Studienautorin Dr. Sina Kianersi zusammen.
Möglichkeiten zur Prävention
Dies könnte nach Einschätzung von Dr. Kristen Knutson von der American Heart Association auch dafür sprechen, dass Abendtypen Möglichkeiten haben, ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit zu verbessern, in dem sie ungesunde Angewohnheiten ablegen.
„Gezielte Programme für Menschen, die von Natur aus lange aufbleiben, könnten ihnen dabei helfen, ihren Lebensstil anzupassen und ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern“, so Dr. Knutson. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- American Heart Association: Being a night owl may increase your heart risk (veröffentlicht 28.01.2026), eurekalert.org
- Sina Kianersi, Kaitlin S. Potts, Heming Wang, Tamar Sofer, Raymond Noordam, Martin K. Rutter, Kathryn Rexrode, Susan Redline, Tianyi Huang: Chronotype, Life’s Essential 8, and Risk of Cardiovascular Disease: A Prospective Cohort Study in UK Biobank; in: Journal of the American Heart Association (veröffentlicht 28.01.2026), ahajournals.org
- Mio Kobayashi Frisk, Erika Fagman, Daniel Arvidsson, Örjan Ekblom, Mats Börjesson, Göran Bergström, Ding Zou: Eveningness is associated with coronary artery calcification in a middle-aged Swedish population; in: Sleep Medicine (veröffentlicht 19.12.2023), sciencedirect.com
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