Neue Substanz bewirkt Selbstzerstörung der Krebszellen bei Hirntumoren

Alexander Stindt

Revolutioniert KHS101 die Krebsbehandlung von Hirntumoren?

Krebserkrankungen bedrohen das Leben von vielen Menschen weltweit. Gerade für Menschen mit einem aggressiven Hirntumor gibt es wenig Möglichkeiten zur Behandlung. Forscher fanden jetzt heraus, dass eine experimentelle Substanz zur Selbstzerstörung von aggressive Hirntumorzellen führt.


Die Wissenschaftler der University of Leeds stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine experimentelle Substanz aggressive Hirntumorzellen dazu verleitet, sich selber zu zerstören. Dies könnte in Zukunft zu einer neuen Generation von Behandlungen für Krebsarten wie Glioblastome führen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“.

Ein Glioblastom ist eine Krebserkrankung, welche nur schwer behandelt werden kann. Lediglich fünf Prozent der Erkrankten leben länger als fünf Jahre. Eine neue Substanz könnte dies ändern. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

KHS101 blockiert die Energiezufuhr von Krebszellen

Das jahrzehntelange Fehlen von neuen Behandlungsoptionen für Glioblastom könnte demnächst ein Ende haben. Tests an Glioblastoma multiforme Tumorzellen in Mäusen zeigten, dass die synthetische Substanz KHS101 in der Lage war, die Energiezufuhr zu Krebszellen zu blockieren. Die Experten hatten ursprünglich erwartet, dass die Substanz das Wachstum der Zellen verlangsamt. Aber die Auswirkungen waren ganz anders, durch die Behandlung verringerte sich die Größe der Tumore und gesunde Gehirnzellen wurden nicht angegriffen, erläutern die Mediziner. Hoffentlich werden die Ergebnisse der Studie dazu beitragen, dass die Behandlung gegen diese verheerende Form von Krebs erheblich verbessert wird, welche nur etwa 5 Prozent der Patienten länger als fünf Jahre überleben, sagen die Forscher.

Tumorzellen zerstörten sich selber

KHS101 wirkt, indem es die Mitochondrien zerstört, die Energiekraftwerke, welche die Zellen aller komplexen Organismen und den Stoffwechsel innerhalb der Tumorzellen antreiben. Als mit dieser Forschung begonnen wurde, gingen die Wissenschaftler davon aus, dass KHS101 das Wachstum von Glioblastomen verlangsamen könnte. Überraschenderweise konnten die Experten allerdings feststellen, dass sich die Tumorzellen im Grunde selbst zerstörten.

Gesunde Gehirnzellen waren von KHS101 nicht betroffen

Dies ist nur der erste Schritt in einem langen Prozess, aber die Ergebnisse ebnen den Weg für Arzneimittelentwickler, um die Verwendung dieser Substanz zu untersuchen. Die Mediziner hoffen, dass KHS101 eines Tages dazu beitragen wird, das Leben der Patienten mit Glioblastomen in der Klinik zu verlängern. Die Forscher untersuchten auch die Wirkung der Substanz auf Tumorzellen, die vom Menschen auf Mäuse übertragen wurden. Das Wachstum von Tumoren bei Mäusen, die mit KHS101 behandelt wurden, nahm um etwa die Hälfte ab und normale Gehirnzellen waren von der Exposition gegenüber der Substanz nicht betroffen.

KHS101 kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden

Entscheidend war, dass das Medikament die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden konnte, die in Säugetieren existiert, um zu verhindern, dass Toxine und Parasiten das Gehirn schädigen, erklären die Forscher. Die Behandlung des Glioblastoms ist seit Jahrzehnten im Wesentlichen unverändert, daher bestehe ein dringender Bedarf für präklinische Forschung wie diese, um potentielle neue Medikamente zu identifizieren und zu charakterisieren.

Weitere Forschung ist nötig

Die Ergebnisse sind durchaus ermutigend, allerdings sind weitere gründliche Tests und Verfeinerungen von KHS101 erforderlich, bevor erste Versuche mit Menschen beginnen können, so das Fazit der Wissenschaftler. (as)