Neue Therapiemöglichkeit zur Behandlung von Migräne

Auf dem Sofa liegende Frau mit Kopfschmerzen massiert ihre Schläfen

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Erweitertes Therapiespektrum für Patienten mit Migräne

Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. In den vergangenen Jahren hat sich das Therapiespektrum für betroffene Patientinnen und Patienten deutlich erweitert. Doch manche der zur Verfügung stehenden Medikamente dürfen aufgrund ihrer gefäßverengenden Wirkung von vielen Menschen nicht eingenommen werden. Nun bieten neue Substanzen auch diesen Patienten eine Therapieoption.


Wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Mitteilung berichtet, hat sich das Therapiespektrum für Patientinnen und Patienten mit Migräne in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Neue Antikörper helfen, Migräneanfälle effektiv zu verhindern beziehungsweise die Anfallshäufigkeit zu reduzieren. Wenn es aber dennoch zu einem schweren Anfall kommt, standen bislang nur Triptane zur Verfügung, um Anfallsdauer und -intensität zu mindern. Doch viele Patienten dürfen diese Medikamente aufgrund ihrer gefäßverengenden Wirkung nicht einnehmen. Neue Substanzen bieten jetzt aber auch diesen Menschen eine Therapieoption.

Auf dem Sofa liegende Frau mit Kopfschmerzen massiert ihre Schläfen
Manche Migräne-Patienten dürfen bestimmte Medikamente gegen die Beschwerden aufgrund von Nebenwirkungen nicht einnehmen. Für diese Personen wurden nun neue Therapieoptionen entwickelt. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Eine der häufigsten Kopfschmerzformen

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Wie auf dem Informationsportal „Neurologen und Psychiater im Netz“ erklärt wird, leiden etwa 12 bis 14% aller Frauen und 6 bis 8% aller Männer in Deutschland unter Migräne. Der anfallsartige Kopfschmerz kehrt in unregelmäßigen Abständen wieder. „Manche Menschen haben nur ein- oder zweimal im Jahr eine Migräne. Andere leiden mehrmals im Monat oder gar fast täglich unter Migräne“, schreiben die Experten. Migräneattacken dauern wenige Stunden bis zu drei Tagen.

In manchen Fällen können Hausmittel gegen Migräne helfen. Doch häufig greifen Betroffene zu Medikamenten. Wie die DGN erklärt, stehen für die Behandlung von leichten bis mittelschweren Migräneattacken Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure und Paracetamol und nichtsteroidale Antirheumatika zur Verfügung. Patienten, die auf diese Therapie nicht ansprechen beziehungsweise unter schweren Migräneattacken leiden, bei denen sie nicht wirken, werden laut einer DGN-Leitlinie mit Triptanen behandelt.

Bei manchen Patienten kann die Einnahme von Triptanen lebensgefährlich werden

Der DGN zufolge sind Triptane sehr gut wirksam und können, wenn sie rechtzeitig zu Beginn eines Migräneanfalls eingenommen werden, Schmerzstärke und Anfallsdauer deutlich reduzieren. Diese Präparate sind somit für viele Betroffene ein Segen und haben sich seit Jahren und Jahrzehnten im klinischen Alltag bewährt.

Obwohl sie generell sehr nebenwirkungsarm sind, haben sie aber eine Eigenschaft, die es einigen Patienten verbietet, sie einzunehmen: Triptane binden an den sogenannten 5-HT1-Rezeptoren wodurch sie die „Schmerzreizweiterleitung“ (sogenannte Hemmung der nozizeptiven Transmission) unterbinden und darüber hinaus die Ausschüttung von entzündungsfördernden Neuropeptiden vermindert, was ebenfalls zur Schmerzhemmung beiträgt. Allerdings wirken sie auch vasokonstriktiv, also gefäßverengend.

Dies ist der Grund, warum Triptane bei verschiedenen Patientengruppen kontraindiziert sind, unter anderem wenn schwerwiegende vaskuläre Erkrankungen wie Angina pectoris oder auch verschiedene vaskuläre Risikofaktoren vorliegen und natürlich auch bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen sogenannten „Mini-Schlaganfall“ (TIA) erlitten haben. Bei diesen Personen kann die Einnahme von Triptanen regelrecht lebensgefährlich werden.

Zwei neue Therapieansätze

Weil Menschen mit Migräne, die auch zu dieser Patientengruppe gehören, bislang keine wirksamen Therapieoptionen hatten, bestand die Notwendigkeit, neue Medikamente zur Akuttherapie der Migräne zu entwickeln, die keine vasokonstriktiven Eigenschaften haben. Inzwischen wurden zwei Substanzklassen entwickelt und befinden sich in der klinischen Prüfung, die sogenannte Gruppe der „Ditane“ und der „Gepante“.

Wie die DGN erläutert, gehört zur ersten Gruppe Lasmiditan. Wie ein Triptan ist auch diese Substanz ein Agonist am Serotonin 5 HT1F-Rezeptor, hat jedoch im Gegensatz zu dieser herkömmlichen Wirkstoffklasse keine vasokonstriktiven Eigenschaften. In zwei großen Phase-3-Studien war Lasmiditan in der Akuttherapie eines Migräneanfalls besser wirksam als Placebo. Die Substanz hat aber unangenehme zentrale Nebenwirkungen wie Benommenheitsmüdigkeit und Schwindel, die den praktischen Einsatz einschränken. Der Indikationsbereich für Lasmiditan wird sich deshalb sehr wahrscheinlich auf Patienten beschränken, die Kontraindikation für die Einnahme von Triptanen haben.

Der zweite neue Ansatz zur Behandlung der Migräneattacke sind kleine Moleküle, die als Antagonisten am CGRP Rezeptor wirken, die sogenannte „Gepante“. In größeren randomisierten, Placebo-kontrollierten Studien zur Behandlung akuter Migräneattacken wurden Ubrogepant sowie Rimegepant untersucht. Den Angaben zufolge sind beide wirksamer als Placebo und haben im Gegensatz zu Lasmiditan nur geringe Nebenwirkungen.

Zwar liegen bisher keine direkten Vergleichsstudien mit Triptanen vor, dennoch ist laut der DGN festzuhalten, dass sowohl Lasmiditan als auch die CGRP-Rezeptorantagonisten weniger wirksam zu sein scheinen als Triptane. „Aber dennoch sind sie für Patienten mit schwerer Migräne, bei denen Triptane kontraindiziert sind, eine lang ersehnte und wichtige Therapieoption. Man darf nicht vergessen, dass es für diese Patienten bislang gar keine Akuttherapie der Migräne gab. Jeder, der weiß, wie schmerzhaft und stark beeinträchtigend ein schwerer Migräneanfall sein kann, wird verstehen, dass in dieser Situation auch Therapien, die etwas weniger wirksam als erhofft sind, die Lebensqualität deutlich steigern können“, so Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.