Neue Zähne: Verbesserter Zahnersatz ist hochfest und sofort einsetzbar

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Neuer verbesserter Glaskeramik-Zahnersatz entwickelt

Fast jeder Mensch in Deutschland hat im Laufe seine Lebens mit Zahnproblemen zu kämpfen und nicht selten müssen Zähne ersetzt beziehungsweise mit einer sogenannten Krone überzogen werden. Bis vor wenigen Jahren noch ein recht aufwendiger Prozess, der jetzt jedoch dank moderner Technik und neuer Materialien wesentlich verbessert wurde. So haben Forschende des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC einen neuen Zahnersatz entwickelt, der natürlich aussieht, besonders widerstandsfähig ist und in einer relativ kurzen Sitzung beim Zahnarzt fertiggestellt werden kann.


Grundsätzlich sind die Anforderungen an einen Zahnersatz hoch, betonen die Forschenden in einer Mitteilung der Fraunhofer Gesellschaft. So müsse dieser natürlich aussehen und möglichst widerstandsfähig sein, damit er beispielsweise auch versehentliche Bisse auf einen Kirschkern aushält. Zudem sollten die Betroffenen am besten im Zahnarztstuhl warten können, während der Zahnersatz individuell gefräst und eingesetzt wird. Dies sei mit dem neuen Zahnersatz nun möglich. Für dessen Entwicklung wurden die Forschenden mit dem Fraunhofer-Preis „Technik für den Menschen“ ausgezeichnet.

Ein neu entwickelter Glaskeramik-Zahnersatz ermöglicht bessere Behandlungsergebnisse bei geringerem zeitlichen Aufwand. (Bild: 4framegroup/fotolia.com)

Glaskeramik-Zahnersatz wirkt am natürlichsten

Müssen stark geschädigte Zähne repariert oder ersetzt werden, greift die Zahnmedizin auf unterschiedliche Materialien zurück, wobei Glaskeramiken eine häufig genutzte Variante bilden. Denn ein Glaskeramik-Zahnersatz wirkt am natürlichsten und kann zudem direkt in der Praxis fertiggestellt werden, erläutern die Forschenden.

Farbe kann sich verändern

Für die Erstellung eines Glaskeramik-Zahnersatzes wird bislang zunächst die Zahnsituation im Mundraum des Patienten über eine Stiftkamera erfasst und eine Software errechnet die individuellen CAD-Daten, welche an ein Fräsgerät übermittelt werden, das die Krone via CAM automatisch und passgenau zurechtschneidet, berichten die Fraunhofer Gesellschaft. Der entstandene Rohling werde dann bei mindestens 800 Grad Celsius gehärtet, was einen zeitaufwändigen Arbeitsschritt darstelle, bei dem sich durch das Aufheizen auch die Farbe der Krone verändern kann.

Farbe des Zahnersatzes optimal anpassen

So passt der Zahnersatz gegebenenfalls farblich nicht perfekt zu den restlichen Zähnen und muss durch eine Verblendung nochmals angepasst werden. Zuletzt galten Glaskeramiken in der Zahnmedizin als ausgereizt, doch die neue Entwicklung führe das Material in die Zukunft, so die Mitteilung der Fraunhofer Gesellschaft. Bei dem neuen Material lasse sich – anders als bei herkömmlichen Glaskeramiken – die Farbe des Zahnersatzes optimal an die Zahnfarbe anpassen und der Patient könne im Zahnarztstuhl warten, bis die individuelle Anpassung abgeschlossen ist.

Besonders widerstandsfähiges Material

Entwickelt wurde der Zahnersatz von Dr. Bernhard Durschang und Dr. Jörn Probst vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC gemeinsam mit den Unternehmen VITA Zahnfabrik H. Rauter GmbH & Co. KG und Degu-Dent GmbH. Das neue Material ist zudem deutlich widerstandsfähiger als bisherige Produkte. „Unsere Glaskeramik ist mit mehr als 500 MPa deutlich fester und robuster als herkömmliche Glaskeramiken, die nur auf rund 350 MPa kommen“, so Dr. Probst.

Neuartige Glaskeramik bereits im Einsatz

Auch kann bei dem neuen Zahnersatz das Nachhärten im Ofen entfallen und „die Glaskeramik weist in allen verschiedenen Farbnuancen mit ihrer zahnschmelzartigen Transluzenz eine hervorragende Optik auf“, erläutert Probst. So könne der Zahnersatz optimal entsprechend der Zahnfarbe des Patienten ausgewählt werden und wirke vollkommen natürlich. Das Projekt habe weit über die eigentliche Materialentwicklung hinaus gereicht. So hätten die beiden Partnerfirmen „von der ersten Lösungsidee bis zur CE-zertifizierten Produktionsanlage“ alles aus einer Hand erhalten. Mittlerweile sei die neuartige Glaskeramik bereits bei vielen Zahnärzten im Einsatz und der Jahresumsatz mit dem Produkt bei den beiden Partnerfirmen liege bereits im zweistelligen Millionenbereich. (fp)