Neuer Alzheimer-Bluttest soll die Früherkennung der Krankheit revolutionieren

Neue Alzheimer-Testmethode hat eine Trefferquote von 90 Prozent

Jahrelang lieferte die Forschung bei der Alzheimer-Krankheit keine wesentlichen neuen Erkenntnisse oder große Durchbrüche. Vor Kurzem stellte sogar der Pharmakonzern Pfizer sein Forschungsprogramm gegen Alzheimer aufgrund mangelnder Ergebnisse ein. Jetzt gibt es neue Hoffnung. Japanische und australische Wissenschaftler haben ein Früherkennungsverfahren für Alzheimer entwickelt, das in ersten Tests bereits in 90 Prozent der Fälle Alzheimer korrekt diagnostizieren konnte. Entgegen der geläufigen Methoden, die trotz hohem finanziellen Aufwand nur mäßige Ergebnisse liefern, ist dieser Test auch noch günstig und nicht invasiv.


Es handelt sich um einen Bluttest, mit dem Menschen identifiziert werden können, die einen hohen Proteingehalt im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit haben. Wenn dies durch weitere Forschungen bestätigt wird, könnte dieser lang gesuchte Test bei der zunehmend verzweifelten Suche nach Therapien gegen Alzheimer und Demenz ein durchbrechender Erfolg werden, von dem weltweit Millionen von Menschen profitieren könnten. Auch könnte ein kostengünstiger Bluttest es den Pharmakonzernen erleichtern, potenzielle Alzheimer-Patienten für Studien zu finden, in denen neue Medikamente getestet werden. Die Studienergebnisse wurden in dem renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.

Ein neuer Bluttest zur Früherkennung der Alzheimer-Krankheit könnte die Alzheimer-Forschung neu antreiben und die Behandlung revolutionieren. (Bild: goa novi/fotolia.com)

Wie funktioniert der neue Bluttest?

Laut den Forschern identifiziert der Test Menschen, deren Gehirne hohe Konzentrationen von Amyloid-β haben. Das ist ein Protein, welches eine Schlüsselrolle bei der Alzheimer-Krankheit spielt. Es steht als Auslöser der Demenz im Verdacht und seine Präsenz gilt als Symptom der Erkrankung. Die Forscher hoffen, dass Wirkstoffentwickler den Test verwenden können, um Menschen mit Demenz frühzeitig zu identifizieren und für die Teilnahme an klinischen Studien zu gewinnen, bevor irreversible Schäden an ihren Gehirnen aufgetreten sind. Dadurch könnten zukünftige klinische Versuche zuverlässiger werden und zur Entwicklung geeigneter Medikamente beitragen.

Forscher suchen seit 15 Jahren nach einem geeigneten Test

Das Forscherteam um den Molekularbiologen Katsuhiko Yanagisawa vom Center for Development of Advanced Medicine for Dementia in Japan entwickelte den Prototypen für den Biomarker-Test. „Diese Studie bietet die besten Ergebnisse, die ich bisher gesehen habe“, sagt der Neurowissenschaftler Simon Lovestone, University of Oxford in Großbritannien, in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Lovestone hatte bereits andere Studien zu diesem Thema geleitet. Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschten in den letzten 15 Jahren an einem einfachen Bluttest für Demenz.

Warum ist ein einfacher Bluttest so wichtig für die Alzheimer-Forschung?

Bis jetzt gab es keinen zuverlässigen Weg, um Menschen mit dem frühen Stadium der Demenz zu identifizieren, so dass die meisten klinischen Studien Menschen rekrutierten, bei denen die klinischen Symptome bereits offensichtlich waren. „An diesem Punkt ist bereits eine Gehirnschädigung in Verbindung mit Amyloid-β aufgetreten, und es könnte zu spät sein, es umzukehren“, erklärt Yanagisawa. Der neue Test ermögliche eine ganz neue Herangehensweise in zukünftigen Studien.

Die Alzheimer-Forschung auf Abwegen

Alle bisherigen Arzneimittelkandidaten, die die Alzheimer-Krankheit stoppen sollten, sind in klinischen Studien gescheitert. Deshalb haben viele Pharmaunternehmen aufgegeben und das Forschungsfeld eingestellt. Bis jetzt waren aufwendige und kostspielige Methoden von Nöten, Amyloid-β im Gehirn zu identifizieren. Außerdem waren die Verfahren für die Patienten sehr unangenehm, da sie beispielsweise eine Entnahme der Rückenmarksflüssigkeit erforderten.

Die Zukunft der Alzheimer-Forschung

Die Forscher verglichen die Ergebnisse des neuen Bluttests mit Messungen, die aus aufwendigeren Methoden wie der Gehirnbildgebung oder der Rückenmarksflüssigkeitsanalyse stammten. Dabei flossen die Untersuchungsergebnisse von 121 Menschen aus Japan und 252 Menschen aus Australien mit ein. Die Ergebnisse stimmten überein. Allerdings sind laut den Autoren noch größere und längerfristige Studien von Nöten, um zu überprüfen, wie genau der Bluttest bei der Identifizierung hoher Amyloid-β-Gehalte in menschlichen Gehirnen ist. (vb)