Neuer Fettleber-Früherkennungstest erkennt frühes Stadium

Neuer Bluttest erkennt Fettlebererkrankungen im frühen Stadium

Das gefährliche an einer Fettleber ist, dass sie oft unerkannt bleibt, weil sie keine starken Beschwerden verursacht, gleichzeitig aber das Risiko für schwere Folgekrankheiten massiv erhöht. Ein weiteres Problem ist die Diagnose, denn eine Fettleber wird erst erkannt, wenn sie sich schon vergrößert hat und bereits schädliche Auswirkungen zeigt. Dies will eine europäische Forschungsgemeinschaft nun ändern. Sie entwickeln zur Zeit einen einfachen Bluttest, der eine Fettleber im Frühstadium erkennen soll.


Derzeit lässt sich eine Fettleber nur in einem fortgeschritteneren Stadium durch erhöhte Leberwerte, Ultraschall oder eine Leber-Biopsie erkennen. Forschende der europäischen Wissenschaftsorganisation EMBO (European Molecular Biology Organization) präsentierten kürzlich eine neue Diagnose-Methode zur Früherkennung einer Fettleber. Das Team identifizierte bestimmte Proteine im Blut, die auf eine Entstehung der Lebererkrankung hinweisen. Die Forschungsergebnisse wurden in dem Fachjournal „Molecular Systems Biology“ vorgestellt.

Ein europäisches Forschungsteam entwickelt zur Zeit einen Bluttest zur Früherkennung einer Fettleber. (Bild: natali_mis/fotolia.com)

Fettleber – das heimliche Leiden

Die nicht-alkoholische Fettleber hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelt. Nach Schätzung der Deutschen Leberstiftung ist bereits jeder vierte Einwohner im Alter über 40 Jahren von einer verfetteten Leber betroffen. Ungesunde Ernährung ist die häufigste Ursache. Oft bleibt die Fettleber unerkannt, denn nur unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Völlegefühl oder Magendruck im rechten Oberbauch weisen in manchen Fällen auf ihre Anwesenheit hin.

Unbehandelt kann sich die Fettleber entzünden, was schwere Krankheiten wie Leberzirrhose oder Leberkrebs begünstigt. Leiden die betroffenen Personen gleichzeitig an einer Herzkrankheit, nimmt diese oft auch einen schwereren Verlauf.

Proteine verraten die Fettleber – bevor sie entsteht

EMBO-Forschende entdeckten nun eine Reihe von Proteinen, die im Blut angereichert sind, wenn eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung vorliegt. Diese Proteine im Blutplasma sind bereits in einem sehr frühen Stadium erkennbar. Wird die Fettleber früh erkannt, kann mit gezielten Lebensstiländerungen und gegebenenfalls Medikamenten die Entstehung der Krankheit verhindert werden. Die Proteine können im Rahmen einer einfachen Blutuntersuchungen festgestellt werden. Langwierige und kostspielige Diagnoseverfahren, die im Falle einer Leberpunktion auch gewisse Risiken bergen, sind dann nicht mehr erforderlich, so das Forschungsteam.

Die Leber: Hart, aber nicht unzerstörbar

„Die Leber ist sehr widerstandsfähig und kann sich selbst regenerieren“, erklärt Studienleiter Matthias Mann von der Universität Kopenhagen in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Dies könne der Grund dafür sein, dass Leberschäden aufgrund übermäßiger Fettablagerung lange Zeit unentdeckt bleiben können. Wenn der Schaden jedoch zu groß wird, versage die Leberfunktion letztendlich – mit weitreichenden Folgen für den Körper, denn die Leber ist ein wichtiges Organ, das Giftstoffe aus dem Körper filtert und Proteine produziert, die für die Verdauung, Blutgerinnung und andere wichtige physiologische Funktionen benötigt werden.

Heutige Leberdiagnosen zu umständlich und kostspielig

„Bis heute ist das Standardverfahren zur Diagnose der nicht-alkoholischen Fettleber die Leberbiopsie – ein umständliches und kostspieliges Verfahren, das zu Komplikationen führen kann“, so der Forschungsleiter. Eine zuverlässige und nichtinvasive Methode zur Früherkennung sei dringend erforderlich.

Sechs Proteine deuten auf eine Fettleber hin

In einer Reihe von Experimenten stellte das Forschungsteam fest, dass sich die Eiweiße im Blut von Fettlebererkrankten erheblich von denen gesunder Personen unterscheiden. Viele Proteine stehen direkt mit bekannten Aspekten der Krankheit in Verbindung. Hierzu zählen laut den Forschenden beispielsweise ein Mangel an Vitamin A und D sowie ein geschädigter Zuckerstoffwechsel. In weiteren Versuchen konnten die Wissenschaftler insgesamt sechs Proteine identifizieren, die signifikant mit der nicht-alkoholischen Fettleber in Verbindung stehen und bereits in einem frühen Stadium nachweisbar sind. „Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu neuen diagnostischen Instrumenten zur Identifizierung von Patienten mit Fettleber in einer frühen vorsymptomatischen Phase“, resümieren die Forschenden. (vb)