Neuer UN-Bericht: Global größtes Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier

Ein Affe sitzt auf einem Felsen und schaut auf eine Stadt

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Düsterer UN-Bericht zeigt den Zustand des Welt-Ökosystems

Kürzlich wurde ein umfassender UN-Bericht zum aktuellen Gesundheitszustand unseres gesamten Ökosystems vorgestellt. Der Bericht zeichnet ein erschreckendes Bild: Derzeit sind rund eine Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht – jede achte Spezies. Als Hauptverursacher gelten die Veränderungen des Menschen. Damit steht der Erde das größte Artensterben in der Geschichte der Menschheit bevor.


Die „Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) stellte am 29. April bis zum 4. Mai 2019 in Paris ihre richtungsweisende Zusammenfassung zum Zustand unseres Ökosystems vor. Der Bericht wurde von 145 Experten aus 50 Ländern erstellt und bewertet die katastrophalen Veränderungen im Ökosystem innerhalb der letzten 50 Jahre. Alle teilnehmenden 132 Mitgliedstaaten unterzeichneten den Bericht.

Kürzlich wurde der bislang umfassendste UN-Bericht zum Zustand unseres Ökosystems vorgestellt. Demnach sind rund einem Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Die Experten betonen, dass ein sofortiges Umdenken erforderlich ist, um unser Ökosystem zu erhalten. (Bild: cstirit/fotolia.com)

Beispielloser Rückgang der Natur

„Die überwältigenden Beweise für die globale Bewertung zeichnen ein bedrohliches Bild“, warnt der IPBES-Vorsitzende Sir Robert Watson in einer Pressemitteilung zu dem Bericht. Die Gesundheit der Ökosysteme, von denen wir und alle anderen Arten abhängen, verschlechtere sich schneller als je zuvor. Die Grundlage unserer Volkswirtschaften, Ernährung, Gesundheit und Lebensqualität stehe weltweit auf der Kippe.

Umfassendster Öko-Bericht aller Zeiten

Der globale IPBES-Bewertungsbericht ist der umfassendste, der jemals abgeschlossen wurde. Er liefert ein detailliertes Bild der Beziehung zwischen wirtschaftlichen Entwicklungspfaden und ihren Auswirkungen auf die Natur. Darüber hinaus zeigt er eine Reihe von möglichen Szenarien für die kommenden Jahrzehnte. Der Bericht stützt sich auf 15.000 wissenschaftliche und staatliche Quellen.

Vernichtendes Urteil

In dem Bericht wird festgestellt, dass rund eine Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Viele dieser Arten wurden innerhalb weniger Jahrzehnte bis kurz vor die Ausrottung getrieben. Laut dem UN-Bericht ist die Dichte der einheimischen Tier- und Pflanzenarten seit dem Jahr 1900 in den Lebensräumen an Land um mindestens 20 Prozent zurückgegangen. Bei Amphibienarten wurde sogar ein Rückgang um 40 Prozent registriert. Im Meer zeigen sich die Auswirkungen noch drastischer. Rund jeder Dritte Meeressäuger und jede dritte Korallenart ist vom Aussterben bedroht. Darüber hinaus gilt jede zehnte Insektenart als gefährdet.

Die Menschheit auf der Anklagebank

„Dieser Verlust ist eine direkte Folge menschlicher Aktivitäten und stellt eine direkte Gefahr für das menschliche Wohlbefinden in allen Regionen der Welt dar“, erläutert Josef Settele, der leitende Professor aus Deutschland. „Die biologische Vielfalt und der Beitrag der Natur für die Menschen sind unser gemeinsames Erbe und das wichtigste lebenserhaltende Sicherheitsnetz der Menschheit“, ergänzt Sandra Díaz, die leitende Professorin aus Argentinien. Dieses Sicherheitsnetz sei nun bis über die Grenze der Belastbarkeit hinaus gespannt.

Ist es schon zu spät für unseren Planeten?

„Der Bericht sagt uns auch, dass es noch nicht zu spät ist, um etwas zu ändern, aber nur, wenn wir jetzt auf jeder Ebene beginnen zu handeln“, resümiert Sir Robert Watson. Durch einen transformativen Wandel könne die Natur noch erhalten, wiederhergestellt und nachhaltig genutzt werden. Dieser Wandel müsse eine grundlegende systemweite Neuorganisation unter der Berücksichtigung von aktuellen technologischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren beinhalten. Dies sei auch der Schlüssel zum Erreichen anderer globaler Ziele, beispielsweise in der Klima-Politik. Watson rechnet jedoch mit massiven Widerständen von Interessenvertretern des Status quo. Diese müssten dringend überwunden werden, damit der Weg zu einem breiteren öffentlichen Wohl frei werde.

Weitere Erkenntnisse aus dem Bericht

Neben dem drastischen Artensterben weist der Bericht auf weitere schwerwiegende Veränderungen im Ökosystem hin. Zum Beispiel:

  • Die Treibhausgasemissionen haben sich seit dem Jahr 1980 verdoppelt und die globalen Durchschnittstemperaturen sind um mindestens 0,7 Grad Celsius angestiegen.
  • Drei Viertel der Landmasse und zwei Drittel der Meeresumwelt wurden bereits durch den Menschen erheblich verändert.
  • Mehr als ein Drittel der Landoberfläche der Welt und fast 75 Prozent der Süßwasserressourcen werden derzeit für die Ernte- oder Viehproduktion verwendet.
  • Der Abbau von Ressourcen hat sich seit dem Jahr 1980 fast verdoppelt.
  • Die Produktivität von landwirtschaftlich genutzten Flächen ist weltweit um 23 Prozent zurückgegangen.
  • Für bis zu 300 Millionen Menschen besteht derzeit ein erhöhtes Risiko für Überschwemmungen und Wirbelstürme aufgrund der Zerstörung von Küstenlebensräumen.
  • 33 Prozent der Fischbestände werden auf einem nicht nachhaltigen Niveau abgefischt.
  • Die Plastikverschmutzung hat sich seit dem Jahr 1980 verzehnfacht.

Langzeitstudie zum Bienensterben zeigte Rückgang durch Pestizide

Eine Langzeitbeobachtung des britischen Zentrums für Ökologie und Hydrologie zeigte, dass die Bestände von Wildbienen seit Jahren dramatisch schrumpfen. Ein Grund sei der Einsatz von Pestiziden, wie sie beispielsweise beim Anbau von Raps eingesetzt werden. Beim Bestand der Bienen, die sich auf Raps spezialisierten, wurde ein Rückgang von etwa 20 Prozent ermittelt. Weiteres in diesem Fachartikel zum Bienensterben.
(vb)