Neuen Wirkstoff gegen Krebs aus Heilpflanzen entdeckt

Arzt betrachtet Muttermal mit einer Lupe

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Wirkstoff aus der chinesischen Medizin: Wirksamkeit gegen Hautkrebs nachgewiesen

Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Hautkrebs. Auch hierzulande ist die Zahl der Patienten in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mittlerweile ist Hautkrebs mit rund 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Besonders gefährlich ist der „schwarze Hautkrebs“ (malignes Melanom). Diese Erkrankung endet in vielen Fällen tödlich. Forschende haben nun die Wirksamkeit eines aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bekannten Wirkstoffs gegen schwarzen Hautkrebs nachgewiesen.


Gesundheitsexperten Zufolge ist das maligne Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, eine der gefährlichsten Krebsarten. Obwohl es nur etwa vier Prozent aller Hautkrebserkrankungen ausmacht, ist es für fast 80 Prozent der Todesfälle durch Hautkrebs verantwortlich. Zwar lässt sich der Tumor bei früher Erkennung gut behandeln, doch sobald der Krebs Metastasen gebildet hat, breitet er sich aggressiv aus und die Heilungschancen sinken rapide. Das liegt auch daran, dass es nur wenig langfristig effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ein vielversprechender Kandidat für einen Wirkstoff gegen das Maligne Melanom stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Jetzt gelang der Nachweis seiner Wirksamkeit.

Arzt betrachtet Muttermal mit einer Lupe
Schwarzer Hautkrebs endelt in vielen Fällen tödlich. Das liegt auch daran, dass es nur wenig langfristig effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ein Forschungsteam konnte nun die Wirksamkeit eines Wirkstoffs aus Heilpflanzen belegen. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Hunderte Pflanzenextrakte wurden analysiert

In einem vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) finanzierten, internationalen Projekt unter der Leitung von Rudolf Bauer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz wurde der Wirkstoff an Krebszellen und an Mäusen erfolgreich getestet. Darüber hinaus gelang es, den Wirkstoff zu modifizieren und die Wirkung weiter zu verbessern, erklärt die Uni auf ihrer Webseite.

„Ausgangspunkt war die Frage, welche Pflanzen in der TCM als Heilmittel gegen krebsähnliche Erkrankungen verwendet werden und ob sich daraus ein Wirkstoff gegen Krebs gewinnen lässt“, erläuterte Projektmitarbeiterin Nadine Kretschmer von der Medizinischen Universität Graz. „Die Definition des Begriffs Krebs variiert zwischen der TCM und der westlichen Medizin, deshalb waren alle Mittel interessant, die gegen Krebs, aber auch krebsähnliche Krankheiten verabreicht werden.“

In einem Pilotprojekt wurden eine Datenbank mit mehreren hundert potenziellen Pflanzen erstellt, von denen 76 ausgewählt und aus getrockneten Proben 253 Extrakte hergestellt und an verschiedenen Krebszellen getestet wurden. Den Angaben zufolge wurde dabei eine Pflanze identifiziert, die aussichtsreich genug für weitere Studien schien. Der wissenschaftliche Name dieser Pflanze ist Onosma paniculata Bureau & Franch., eine Art von Lotwurz.

Forschungsteam konnte Wirksamkeit belegen

„Wir testeten eine Substanz namens β-β-Dimethylacrylshikonin, die wir aus der Pflanze gewonnen hatten, direkt an Zellen von Malignen Melanomen. Dabei konnten wir die Wirksamkeit belegen“, erklärte Kretschmer. Diese Substanz zerstörte die Krebszellen. Die guten Ergebnisse ermunterten die Forschenden zu ersten In-vivo-Tests. Dabei wurden an Hautkrebs erkrankte Nacktmäuse mit dem Mittel behandelt, indem man es direkt in die Tumoren spritzte, um zu sehen, ob es Nebenwirkungen gibt.

„Auch das war erfolgreich, wir sahen keine Nebenwirkungen und die Tumoren veränderten sich und starben ab“, so die Forscherin. Dabei wurde sowohl Apoptose, also ein vom Körper induziertes, kontrolliertes Absterben der Zellen, als auch Nekrose, also unkontrolliertes Absterben, beobachtet.

„Danach haben wir versucht, die Substanz zu modifizieren, um zu sehen, ob wir die Wirksamkeit noch verbessern können“, sagte die Wissenschaftlerin. Von mehreren versuchten Modifikationen zeigte sich ein bestimmtes Shikoninderivat als besonders wirkungsvoll. Laut der Mitteilung eignet sich die Substanz theoretisch zur Entwicklung eines Medikaments, doch bis ein solches verfügbar ist, ist der Weg noch weit. „Dazu sind größere Studien nötig. Und auch die Art der Verabreichung ist noch offen.“ Es gibt dazu derzeit zwei geplante Folgeprojekte.

Unklar wie die Wirkung entfaltet wird

Kretschmer zufolge war die TCM nur die Inspiration zu dem neuen Wirkstoff war. Es sei weiterhin nicht geklärt, wie die Pflanze in der TCM genau wirkt. „Es ist nicht klar, wie diese bei der traditionellen Anwendung in der TCM seine Wirkung entfaltet. In der TCM wird üblicherweise nicht nur eine einzelne Pflanze verwendet, meist geht es um eine Mischung, die auf verschiedene Arten zubereitet werden kann“, erläuterte Kretschmer. In den meisten Fällen werden die Pflanzen als Tee zubereitet und längere Zeit zwei Mal ausgekocht.

„Kochen wir unsere Pflanze auf diese Art aus, sehen wir die Antitumorwirkung im Zellkulturexperiment nicht“, sagte Kretschmer. „Allerdings gibt es in der TCM auch eine Zubereitungsmethode mittels Öl, das dann auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen wird. Darin sind die wirksamen Shikonine in höherer Konzentration enthalten.“

Im Lauf des Projekts wurde außerdem eine Möglichkeit gefunden, die als TCM-Mittel verkauften Lotwurz-Arten auf ihre Identität zu testen. „Es gibt Wurzeln, die jener der von uns untersuchten Pflanze sehr ähnlich sehen und wir haben festgestellt, dass in China die Arten oft unter falschen Namen verkauft werden.“ Das ist problematisch, weil in manchen der verkauften Pflanzen Stoffe enthalten sind, die schädlich sein können.

Kretschmer und das Forschungsteam fanden eine dünnschichtchromatografische Methode, mit der die Pflanzen unterschieden werden können, und die einfach genug ist, um etwa auch in Apotheken anwendbar zu sein. Den Angaben zufolge hatte das Grundlagenprojekt eine Laufzeit von vier Jahren und wurde Anfang 2019 abgeschlossen. Dabei kooperierte man mit der Medizinischen Universität in Graz sowie dem Helmholtz-Institut in München. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Universität Graz: Neuer Wirkstoff gegen Hautkrebs, (Abruf: 21.09.2019), Universität Graz

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.