Prostatakrebs: Neuer Urin-Schnelltest für Zuhause

Kann ein Urintest zuverlässig vorhersagen, ob wir in den nächsten Jahren eine Behandlung wegen Prostatakrebs benötigen? (Bild: Elnur/stock.adobe.com)

Durchbruch bei der Diagnose von Prostatakrebs?

Ein neuer Urintest zur Diagnose von Prostatakrebs ist jetzt in der Lage, zu Hause genommene Urinproben zu verwenden, um so vorherzusagen, ob Menschen innerhalb der nächsten Jahre eine Behandlung benötigen werden.

Forschende der University of East Anglia entwickeln zur Zeit einen Urintest, der bei einer zu Hause durchgeführten Urinprobe Prostatakrebs erkennen kann. Anhand der Probe lässt sich zudem vorhersagen, wie dringend betroffene Personen in den nächsten Jahren eine Behandlung benötigen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „BioTechniques“ veröffentlicht.

Test kann nötige Behandlung Jahre zuvor vorhersagen

Die Forschenden haben einen Test entwickelt, der aggressiven Prostatakrebs diagnostizieren kann und zusätzlich bis zu fünf Jahre früher als herkömmliche klinische Methoden voraussagt, ob Patienten eine Behandlung benötigen werden.

Urinproben können zu Hause genommen werden

Der Test kann an zu Hause genommenen Urinproben durchgeführt werden, so müssen Männer nicht mehr extra eine Klinik aufsuchen, um dort eine Urinprobe durchzuführen. Zudem seien unangenehme rektale Untersuchungen nicht mehr erforderlich. Das erste abgegebene Urin des Tages liefert Biomarkerwerte aus der Prostata, die sehr hoch und konstant sind. Zu Hause genommene Urinproben könnten so in Zukunft die Diagnose von Prostatakrebs revolutionieren, berichten die Forschenden.

Aggressive Tumore sind schwer vorherzusagen

Prostatakrebs entwickelt sich in der Regel nur langsam. Bei der Mehrheit der Erkrankungen ist deshalb keine Behandlung erforderlich. Allerdings ist es für Medizinerinnen und Mediziner schwierig vorherzusagen, welche Tumoren aggressiv werden. Das macht es schwierig zu entscheiden, ob eine Behandlung durchgeführt werden sollte, berichten die Forschenden in einer Pressemitteilung.

Bisherige Methoden zur Diagnose von Prostatakrebs

Häufig werden zur Diagnose von Prostatakrebs Bluttests, eine rektale Untersuchung, Magnetresonanztomographie oder eine Biopsie durchgeführt. Der neu entwickelte Test untersucht die Genexpression im Urin. Dies lässt Rückschlüsse zu, ob vorhandener Krebs aggressiv oder eher risikoarm ist.

Der neue Test könnte die Diagnose revolutionieren

Die Prostata produziert ständig Sekrete. Aus diesem Grund sind die Biomarkerwerte im ersten Urin des Tages viel höher und konstanter sind als im restlichen Urin des Tages. Die Möglichkeit, einfach eine Urinprobe zu Hause bereitzustellen und eine Probe zur Analyse zu senden, könnte die Diagnose wirklich revolutionieren, betonen die Forschenden.

Studie hatte nur 14 Teilnehmer

Für die Untersuchung erhielten 14 Teilnehmer ein sogenanntes At Home Collection Kit. Die Forschenden verglichen dann die Ergebnisse der morgendlichen Urinproben von zu Hause mit Proben, welche bei einer Rektaluntersuchung entnommen wurden.

Waren die zu Hause genommenen Proben genauer?

Es konnte festgestellt werden, dass die zu Hause entnommenen Urinproben die Biomarker für Prostatakrebs viel deutlicher darstellten, als dies nach einer rektalen Untersuchung der Fall war. Das Feedback der Teilnehmer zeigte außerdem, dass der Test zu Hause bevorzugt wurde.

Unnötige Untersuchungen werden vermieden

Da der neue Test Prostatakrebs genauer vorhersagen kann, bedeutet dies für Männer, dass sie bei einem negativen Ergebnisse seltener untersucht werden müssen. Dies reduziert den Stress für die Betroffenen und verringert zusätzlich die Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern. Durch den Test können unnötige Untersuchungen vermieden werden.

Urintest stellt fest wann ein Behandlung unumgänglich ist

Wenn Prostatakrebs diagnostiziert wird, hat der Urintest zudem das Potenzial festzustellen, welche Menschen eine Behandlung benötigen. Bei den Betroffenen wird ein aktives Überwachungsprogramm durchgeführt, dass wiederholte Biopsien und MRT-Scans beinhalten kann. So kann frühzeitig vorhergesagt werden, wann eine Behandlung nötig wird. (as)

Autoren- und Quelleninformationen

Jetzt anzeigen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Martyn Webb, Kate Manley, Mireia Olivan, Ingrid Guldvik, Malgorzata Palczynska et al.: Methodology for the at-home collection of urine samples for prostate cancer detection, in BioTechniques (Abfrage: 29.11.2019), BioTechniques
  • Home urine test for prostate cancer could revolutionise diagnosis, University of East Anglia (Abfrage: 29.11.2019), University of East Anglia

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.