Proteinpulver versprechen eine einfache Versorgung mit Eiweiß und gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Training. Doch eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte erhebliche Unterschiede: Von 21 geprüften Pulvern waren elf insgesamt in Ordnung, während die übrigen Produkte Schwächen aufwiesen.
Kein zusammenfassendes Urteil
Die Stiftung Warentest verzichtete bei dieser Untersuchung auf ein zusammenfassendes Qualitätsurteil, weil sich die Eignung der Pulver je nach Zielgruppe unterscheidet.
Bewertet wurden einzelne Eigenschaften, darunter Eiweißqualität, Schadstoffe, Geschmack und Kennzeichnung. Wer aus den Ergebnissen pauschal „zehnmal mangelhaft“ macht, vereinfacht den Test deshalb zu stark.
Auch sind unterschiedliche Beanstandungen nicht gleichzusetzen: Ein enttäuschender Geschmack, eine unzutreffende Aromakennzeichnung und eine auffällige Schadstoffbelastung haben für Verbraucher sehr verschiedene Konsequenzen. Der veröffentlichte Überblick beschreibt Probleme in allen diesen Bereichen, während die Eiweißqualität überwiegend überzeugte.
Vier Pulver fielen durch Schadstoffe auf
Stiftung Warentest berichtete bei vier Produkten über auffällige Schadstoffbelastungen, darunter drei vegane Pulver mit EU-Biosiegel. Nachgewiesen wurden unter anderem Nickel und Aluminium sowie Mineralölbestandteile der Gruppe MOSH und 3-MCPD.
Nach Einschätzung der Tester könnten Nickel und Aluminium über die Pflanzen aus dem Boden in die Produkte gelangt sein. Bei den anderen genannten Stoffen vermuteten sie Einträge während der Herstellung.
Die Befunde zeigen, weshalb auch bei einem als gesund beworbenen Produkt Laborprüfungen sinnvoll sind. Aus dem Ergebnis für einzelne geprüfte Pulver lässt sich jedoch weder eine pauschale Abwertung pflanzlicher Eiweißquellen noch eine Entwarnung für sämtliche Milchproteinprodukte ableiten.
Die Ergebnisse im Überblick
| Untersuchungsbereich | Ergebnis beziehungsweise Einordnung |
|---|---|
| Umfang | 21 Eiweißpulver, darunter drei vegane Bioprodukte |
| Zeitpunkt | Heftausgabe 4/2020 |
| Insgesamt unauffällige Auswahl | Elf Pulver bezeichnete Stiftung Warentest als insgesamt in Ordnung |
| Schadstoffe | Vier Produkte fielen durch Belastungen auf |
| Weitere Schwächen | Unter anderem Geschmack und Kennzeichnung zugesetzter Aromen |
| Gesamtnote | Ein zusammenfassendes Qualitätsurteil wurde nicht vergeben |
Braucht der Körper zusätzliches Eiweiß aus der Dose?
Proteine sind notwendig, um Körpergewebe aufzubauen und zu erhalten, doch daraus folgt kein allgemeiner Bedarf an Proteinpulver. Eine ausreichende Versorgung lässt sich gewöhnlich mit Lebensmitteln erreichen, etwa mit Milchprodukten, Eiern, Fisch, Tofu oder Hülsenfrüchten.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, sieht im üblichen Ernährungsalltag von Sporttreibenden keinen grundsätzlichen physiologischen Anlass für zusätzliche Proteinpräparate. Selbst ein höherer Bedarf lässt sich häufig durch eine passend zusammengestellte Ernährung abdecken.
Wer regelmäßig Sport treibt, sollte deshalb zuerst die eigene Ernährung und den Trainingsumfang betrachten. Wie das gelingen kann, erläutert auch der Beitrag über Sport und Proteine sowie die passende Bedarfsdeckung.
Wie viel Protein pro Tag als Orientierung gilt
Für gesunde Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren nennt die DGE eine empfohlene Zufuhr von 0,8 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ab 65 Jahren gilt ein Schätzwert von 1,0 Gramm; bei ambitioniertem Sport können abhängig von Belastung und Trainingsziel höhere Mengen angemessen sein.
| Personengruppe | Orientierung pro Tag | Rechenbeispiel bei 70 Kilogramm |
|---|---|---|
| Gesunde Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren, ohne erhöhten sportbedingten Bedarf | 0,8 Gramm je Kilogramm | 56 Gramm Protein |
| Gesunde Erwachsene ab 65 Jahren | 1,0 Gramm je Kilogramm | 70 Gramm Protein |
| Ambitionierte Sporttreibende mit mehr als fünf Trainingsstunden pro Woche | Je nach Belastung etwa 1,2 bis 2,0 Gramm je Kilogramm | 84 bis 140 Gramm Protein |
Die Mengen beziehen sich auf die gesamte tägliche Ernährung und nicht auf eine zusätzlich einzunehmende Pulvermenge. Für Erwachsene ohne erhöhten sportbedingten Bedarf gelten die gewichtsbezogenen Referenzwerte bei Normalgewicht; bei Übergewicht wird zur Berechnung ein Gewicht im Normalbereich zugrunde gelegt.
Die obere Grenze der Sportspanne ist keine Empfehlung für alle Menschen, die gelegentlich ins Fitnessstudio gehen. Weitere Hintergründe bietet der Beitrag Wie viel Eiweiß braucht der Körper?.
Whey, Isolat und pflanzliches Protein: Die Bezeichnung allein reicht nicht
Whey ist die englische Bezeichnung für Molke; das daraus gewonnene Protein stammt aus Milch. Whey-Konzentrat enthält gewöhnlich mehr Milchzucker und Fett als stärker aufgereinigtes Isolat, wobei für das fertige Pulver immer die tatsächlichen Nährwertangaben zählen.
Hinzu kommen je nach Rezeptur Aromen, Süßstoffe oder Verdickungsmittel. Ein hoher Proteinanteil auf der Vorderseite ersetzt deshalb weder die Zutatenliste noch eine Prüfung, ob das Produkt zu den eigenen Bedürfnissen passt.
Gerade bei einer Laktoseintoleranz lohnt sich ein genauer Blick auf Zusammensetzung und Kennzeichnung. Mehr dazu erklärt der Beitrag zur Frage, wann Molkenprotein zur Eiweißversorgung sinnvoll sein kann.
Auch eine vegane Ernährung setzt kein Proteinpulver voraus. Eine ausreichende Energiezufuhr und abwechslungsreiche Kombinationen, beispielsweise aus Hülsenfrüchten und Getreide, können die Versorgung sichern.
Weshalb „Made in Germany“ nicht die Herkunft des Proteins erklärt
Neben der Zusammensetzung verdient die Herkunftswerbung Aufmerksamkeit. In einem eigenen Marktcheck untersuchte die Verbraucherzentrale NRW 2024 insgesamt 29 Whey-Produkte, die mit einem Deutschlandbezug beworben wurden.
Bei 26 Produkten fehlte nach Darstellung der Verbraucherzentrale die Angabe, woher das Molkenprotein als Hauptzutat stammte. Eine entsprechende Information ist erforderlich, wenn eine deutsche Herkunft des Lebensmittels angegeben wird, die Hauptzutat aber aus einem anderen Land kommt.
Dieser Marktcheck war keine Wiederholung des Warentest-Labortests und sagt nichts über eine Schadstoffbelastung dieser Produkte aus. Er zeigt ein anderes Problem: Verbraucher können aus einer Deutschlandflagge nicht zuverlässig auf die Herkunft des verwendeten Eiweißes schließen.
Bei Nierenerkrankungen ist zusätzliche Proteinzufuhr keine Routineentscheidung
Eine erhöhte Eiweißzufuhr kann bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion eine weitere Verschlechterung begünstigen. Betroffene sollten Proteinpulver deshalb nicht auf eigene Faust ergänzen, sondern Menge und Produktauswahl mit der behandelnden Praxis abstimmen.
Für gesunde Erwachsene rechtfertigt die Datenlage dagegen nicht die pauschale Behauptung, ein üblicher Proteinshake verursache Nierenschäden. Zugleich lässt sich daraus keine uneingeschränkte Unbedenklichkeit dauerhaft sehr hoher Proteinmengen ableiten.
Im Alter kann eine Ergänzung durchaus sinnvoll sein
Die Aussage, viele Menschen benötigten kein Proteinpulver, darf eine unzureichende Versorgung im Einzelfall nicht verdecken. Im höheren Lebensalter können nachlassender Appetit, Kauprobleme oder eine sehr einseitige Ernährung die Aufnahme erschweren.
Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale können dann Proteinpräparate oder eiweißreiche Trinknahrung sinnvoll sein. Welche Unterstützung geeignet ist, sollte sich nach der gesamten Ernährung, dem Gesundheitszustand und möglichen Erkrankungen richten.
Ein höherer Bedarf bedeutet allerdings auch im Alter nicht automatisch, dass ein Fitnessprodukt gekauft werden muss. Warum die Versorgung besondere Aufmerksamkeit verdient, erläutert der Beitrag über proteinreiche Ernährung für ältere Menschen.
Ein Proteinshake ist kein automatischer Abnehmerfolg
Eiweißreiche Mahlzeiten können die Sättigung unterstützen und bei einer Gewichtsabnahme hilfreich sein. Nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung nimmt der in Studien beobachtete Vorteil proteinreicher Diäten mit längerer Dauer jedoch ab oder verschwindet.
Ein zusätzlicher Shake liefert außerdem Energie und erzeugt für sich genommen kein Kaloriendefizit. Wer ihn einfach zusätzlich zu seiner bisherigen Ernährung trinkt, kann deshalb nicht allein aufgrund des hohen Eiweißanteils mit einer Gewichtsabnahme rechnen.
Worauf es vor dem Kauf ankommt
Die sinnvollste erste Frage lautet, welche Versorgungslücke das Pulver schließen soll. Erst danach lohnt sich der Vergleich von Eiweißquelle, Zutaten, Verträglichkeit und nachvollziehbaren aktuellen Prüfergebnissen.
Beim Preisvergleich hilft es, Packungsgröße und Eiweißgehalt gemeinsam zu betrachten. Ein rein rechnerisches Beispiel: Kostet ein Kilogramm Pulver 30 Euro und enthält es 80 Prozent Protein, kosten 100 Gramm enthaltenes Eiweiß 3,75 Euro.
Eine hohe Zahl auf der Verpackung beantwortet weder die Frage nach der Produktqualität noch nach dem persönlichen Nutzen.
Fragen und Antworten zu Proteinpulver
Waren zehn Proteinpulver gesundheitsschädlich?
Das lässt sich aus dem Test nicht ableiten. Elf von 21 Pulvern waren insgesamt in Ordnung, während vier durch Schadstoffbelastungen auffielen; die übrigen Beanstandungen sind damit nicht gleichzusetzen.
Brauchen Freizeitsportler nach jedem Training einen Shake?
In der Regel lässt sich der Eiweißbedarf über normale Mahlzeiten decken. Eine Ergänzung kann unter besonderen Bedingungen praktisch oder sinnvoll sein, ist aber keine allgemeine Voraussetzung für erfolgreiches Training.
Ist pflanzliches Protein schlechter als Whey?
Pflanzliche Eiweißquellen können bei geeigneter Auswahl und Kombination eine gute Versorgung ermöglichen. Die Schadstoffbefunde bei einzelnen damaligen Produkten erlauben keine pauschale Bewertung aller pflanzlichen Proteine.
Können ältere Menschen von Proteinpräparaten profitieren?
Ja, wenn die Eiweißversorgung über die bisherige Ernährung nicht ausreichend gelingt, kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Ein pauschaler Bedarf an Proteinpulver besteht jedoch auch im höheren Alter nicht.
Wie lässt sich erkennen, ob ein Pulver heute empfehlenswert ist?
Ein aussagekräftiger Test sollte sich auf das genaue Produkt beziehen und ein nachvollziehbares Veröffentlichungsdatum nennen. Ein mehrere Jahre altes Ergebnis oder ein allgemeiner Verweis auf eine getestete Marke reicht für die Bewertung einer aktuellen Rezeptur nicht aus.
Autoren- und Quelleninformationen
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.







